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Von der Kneipe in die Arena: Darts-Sport im Aufwind

Die Darts-WM in London steigt erstmals mit vier deutschen Startern

Die Welt dreht sich um eine Scheibe! Mitte Dezember startet die Darts-WM in London. Bei dem Sport-Spektakel im legendären Alexandra Palace, der von den Fans liebevoll „Ally Pally“ genannt wird, treffen vom 13. Dezember bis 1. Januar die besten Darts-Spieler der Welt aufeinander.

Mit Max Hopp (22), Martin Schindler (22), Gabriel Clemens (35) und Robert Marijanovic (38) haben sich vier Deutsche für das Kult-Turnier qualifiziert. So viele wie noch nie!

Es ist das Event der Superlative. Bei der Darts-WM 2019 wurde das Feld auf 96 Starter aufgestockt. Qualifiziert sind die besten 32 Spieler der Weltrangliste, die erst in der 2. Runde einsteigen. Zudem sind 32 Spieler der Pro Tour und weitere 32 Sieger der Qualifikationsturniere aus aller Welt zugelassen. Zwei Startplätze gingen an Frauen sowie an Teilnehmer aus China, Indien, Südamerika, Japan, Afrika und Neuseeland und Europa. Jeweils zwei Spieler treffen im K.o.-Modus aufeinander und werden im "Ally Pally" von rund 3.000 bunt verkleideten Zuschauern frenetisch angefeuert. Da sind starke Nerven gefragt!

Preisgeld steigt auf 2,8 Millionen Euro

Auch das Preisgeld wurde vom Ausrichter, der Professional Darts Corporation (PDC) erhöht. Insgesamt werden bei der WM rund 2,8 Millionen Euro ausgezahlt. Der Sieger erhält 500.000 Pfund (rund 570.000 Euro) und den Siegerpokal, die Sid-Waddell-Trophy.

Nach dem Karriereende von Rekordsieger Phil „The Power“ Taylor (16 WM-Titel) gibt es bei der WM 2019 keine eindeutigen Favoriten. Zu den Titelanwärtern zählen der Weltranglistenerste Michael van Gerwen (29) aus den Niederlanden, der amtierende Weltmeister Rob Cross (28) sowie die Altmeister Gary Anderson (47) und Peter Wright (48).

Die deutschen Starter sind nur Außenseiter, können sich aber in der ersten K.o.-Runde gute Chancen auf ein Erfolgserlebnis ausrechnen. Die besten Aussichten auf ein Weiterkommen hat Max Hopp. Der „Maximiser“ verpasste zwar letztes Jahr erstmals die WM, gewann aber 2018 mit den German Open und der Players Championship 19 in Dublin seine ersten Profi-Turniere. Lohn war der Sprung auf Platz 32 der Weltrangliste und die erste WM-Teilnahme als gesetzter Spieler. „Das Kribbeln ist voll da. Ich denke, ich bin gut in Form“, sagte der Hesse bei DAZN.

Hopps Aufstieg steht für den Darts-Boom in Deutschland. Immer mehr Spieler und Fans begeistern sich für den Präzisionssport, der früher allenfalls als Kneipen-Beschäftigung galt. Mittlerweile gibt es hierzulande eine große Darts-Szene und viele aufstrebende Talente. Hochklassige Turniere der European Tour und das German Darts Masters locken die Stars an, auch die Fernsehsender übertragen immer öfter Turniere.

„Darts ist 90 Minuten Elfmeterschießen.“

Was macht Darts so populär? „Darts ist 90 Minuten Elfmeterschießen. Es geht ständig hin und her, das Spiel ist sehr leicht nachvollziehbar. Jeder hat schon mal so eine Scheibe gesehen, dazu ist der Fan ein Teil der Veranstaltung. Sie geben dem Ganzen einen eigenen Charme. Die Spieler sind eigene Charaktere. Das ist Hochleistungssport, was diese Athleten auf der Bühne zeigen. Außerdem glaube ich, dass es noch ein bisschen bodenständiger ist und ein Gegenentwurf zum Fußball, Tennis oder Golf, wo manchmal schwierig zu fassende Sphären erreicht werden“, sagte Werner von Moltke junior (48), der den Darts-Sport in Deutschland seit 2005 förderte, der DPA.

Und wer weiß, vielleicht bejubelt in einigen Jahren im "Ally Pally" auch der erste Deutsche den WM-Titel. „Wenn ein Deutscher wirklich eines Tages Darts-Weltmeister wird, dann passiert hier etwas ganz Verrücktes. Schön ist aber, dass wir davon nicht mehr abhängig sind. Gemessen an den TV-Zuschauern sind wir der zweitwichtigste Markt nach England, noch vor den Niederlanden. Es ist Wahnsinn. Man fragt sich, was passiert, wenn wir erst einmal einen Star haben wie die Holländer Michael van Gerwen“, sagte von Moltken.