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27.06.1994 – Effenbergs Stinkefinger wird zur Legende

+++ Deutschland blamiert sich trotz Sieg gegen Südkorea +++

Im dritten und letzten Gruppenspiel schrammte die deutsche Elf vor 63.000 Zuschauern im Cotton Bowl in Dallas nur knapp an einer Blamage vorbei. Dabei scheint die Partie in der ersten Hälfe den erwarteten Verlauf zu nehmen. Zweimal Jürgen Klinsmann (damals beim AS Monaco) und Karlheinz Riedle (Borussia Dortmund) sorgten bis zur Pause für eine eigentlich beruhigende 3:0-Führung, der Einzug in das Achtelfinale scheinte nur noch eine Formsache zu sein.

Doch als die flinken und überraschend ballgewandten Südkoreaner sieben Minuten nach der Halbzeit durch Hwang Sun-Hong den Anschlusstreffer erzielten, brach die deutsche Elf unverständlicherweise auseinander. In der Folge spielten die südkoreanischen Angreifer mit der überforderten Abwehr um Lothar Matthäus (FC Bayern München) Katz und Maus. Doch Bundestrainer Vogts reagierte erst nach dem zweiten Treffer von Hong Myung-Bo: Für den angeschlagenen Matthäus und den völlig indisponierten Stefan Effenberg (AC Florenz) wechselte er Andreas Möller (Juventus Turin) und Thomas Helmer (FC Bayern München) ein, die sich aber dem dürftigen Niveau anpassen. Erst mit dem Schlusspfiff kam die Erlösung.

Doch über eine Szene redete man mehr, als über das Spiel an sich: Stefan Effenberg packte erstmals seinen berühmten Stinkefinger aus. Der arrogant agierende Effenberg erntete von den DFB-Fans gnadenlose Pfiffe. Nach einer gelben Karte holte Vogts den testosterongeladenen Mittelfeldstar vom Platz. Als deutsche Fans Effenbergs Abgang auch noch lautstark mit abfälligen Kommentaren quittierten, zeigte ihnen der angefressene "Tiger" höhnisch lächelnd den ausgestreckten Mittelfinger.

Auf den skandalösen Stinkefinger gab es für Bundestrainer Vogts nur eine Antwort: Er warf Effenberg aus dem Kader und teilte der versammelten Weltpresse mit: "Solange ich für die Nationalmannschaft verantwortlich bin, wird Stefan Effenberg nicht mehr für Deutschland spielen." DFB-Präsident Egidius Braun stärkte Vogts den Rücken: "Da geht so ein Mensch hin…und erlaubt sich solche Obszönitäten. Lieber gar keine Nationalmannschaft als so eine."

Statistik:

Deutschland: Illgner, Matthäus (64. A. Möller), Kohler, T. Berthold, Effenberg (75. Helmer), Häßler, M. Sammer, Buchwald, Brehme, Riedle, Klinsmann

Südkorea: Choi In-Yung (46. Lee Won-Jae), Hong Myung-Bo, Choi Young-Il, Park Jung-Bae, Shin Hong-Gi, Ko Jeong-Woon, Kim Pan-Keun, Lee Young-Jin (40. Chung Jon-Son), Kim Soo-Sung, Hwang Sun-Hong, Cho Jin-Ho (46. Seo Jung-Won)

Schiedsrichter: Quinoiou (Frankreich)