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Vom neuen Wayne Rooney zum arbeitslosen Fußballer

Er war die Sturmhoffnung Englands und des FC Bayern – nun ist er vereinslos mit wenig Aussicht auf Rückkehr ins Profifußball-Business

Sommer 2011, die erste Profi-Saison ist vorbei, du bist bester Nachwuchsspieler der Liga, alle Vereine wollen dich in ihrem Team, du entscheidest dich für den schweren Weg von England nach Deutschland und plötzlich stehst du neben Weltstars, wie Arjen Robben auf dem Trainingsplatz des FC Bayern München und alle erwarten von dir nicht weniger als deren Nachfolger zu werden. Und da ist das Problem. Zu viel Druck für einen jungen unerfahrenen Menschen, der bis heute noch an seine Chance im Profifussball glaubt, aber sie noch nie so richtig beim Schopfe gepackt hat.

Dale Jennings war ein klassischer Flügelspieler, der links wie rechts eingesetzt werden konnte. Von seinem Auftreten und mit seinem bulligen Körper erinnerte er schon früh an Wayne Rooney. Er hatte viel Zug zum Tor, war schnell und dribbelstark. In seiner letzten Saison vor dem großen Schritt zum FC Bayern München schoss er für die Tranmere Rovers, den damals Neunzehnten der Football League 1 sechs Tore in 32 Pflichtspielen. Eine sehr gute Quote, wenn man bedenkt, dass es sein erstes Jahr im Profifußball war. Als bester Nachwuchsspieler der Liga wurde Jennings als "League One Apprentice of the Year" ausgezeichnet. Das weckte Begehrlichkeiten in der Bundesliga – auch der Rekordmeister wurde auf ihn aufmerksam. Um an die Dienste des Nachwuchsspielers zu kommen, schickte der Rekordmeister sogar den jahrelangen England-Legionär und England-Experten Didi Hamann zu ihm – mit Erfolg. Laut "Daily Mail" legte der deutsche Rekordmeister rund 2,3 Millionen Euro auf den Tisch. Den Schritt zum erhofften Superstar, der neben Ribery und Robben auf der Außenbahn für Furore sorgt, gelang ihm jedoch nie. Von Anfang an fühlte er sich nicht wohl. Kein seltenes Problem, das insbesondere Engländer in Deutschland haben. Auch wenn man heutzutage die Kader der Bundesligisten betrachtet, findet man so leicht keinen englischen Spieler.

Schwerer Einstand durch Verletzungen

In den ersten vier Spielen bei der zweiten Mannschaft saß der hochveranlagte Brite nur auf der Tribüne. Er brauchte ein wenig um an die Gangart der dritten Liga herangeführt zu werden, denn im Gegensatz zum leidenschaftlichen, kampfbetonten englischen Fußball läuft hierzulande alles eher technisch und taktisch ab. Trainer Andries Jonker stellte den 1,70 Meter und 70 Kilogramm schweren Kugelblitz erst am 3. September 2011 in die Startelf. Schnell avancierte er mit seiner engagierten, ruppigen Spielweise (fünf Gelbe Karten in 16 Partien) zum Publikumsliebling. Verletzungen brachten ihn am Ende der Hinrunde aus dem Konzept, sodass die erste Saison eher durchschnittlich verlief.

Im zweiten Jahr in der Regionalliga lief es anfangs besser: Mehmet Scholl, damals Neu-Trainer der Bayern-Reserve, setzte den jungen Jennings in die Sturmspitze. Prompt die ersten Torvorlagen und nur zwei Wochen später das erste Tor. Doch dann folgten wieder Verletzungen und eine OP. Das war der Anfang vom Ende beim FC Bayern München. Nach insgesamt 36 Spielen in der zweiten Mannschaft wollte Jennings zurück nach England. Zweifel den Sprung zu den Profis zu schaffen und die Schwangerschaft der Freundin waren seine Hauptgründe.

Knapp 300.000 Euro haben die Bayern dem FC Barnsley noch abknüpfen können. Im Sommer 2013 wechselte Jennings zum englischen Zweitligisten, bei dem er zumindest im privaten Bereich besser aufgehoben war. Twitter-Fotos mit Töchterchen Mila gab es öfter als Einsätze auf dem Platz. Nur sechs Minuten nach seiner Einwechslung gegen Wigan Athletic im ersten Spiel flog der Heißsporn vom Platz. Zur Strafe wurde Jennings verliehen. Eine Liga tiefer nach Milton Keynes. Er entwickelte sich zum Stammspieler, kam im Winter wieder zurück nach Barnsley, konnte aber den Abstieg auch nicht mehr verhindern.

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