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Das sind die Exoten der Winterspiele

Sportsupreme stellt die Exoten der Olympischen Winterspiele in Südkorea vor.

Nur noch wenige Tage, dann starten am 9. Februar die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang (Südkorea). An den 102 Wettbewerben in 15 Sportarten nehmen Sportler aus 88 Ländern teil. Sportsupreme stellt die ungewöhnlichsten Athleten der Winterspiele vor.

„Cool Runnings“ reloaded

„Dabei sein ist alles.“ So lautete der Slogan des Disney-Films „Cool Runnings“. Die US-Komödie aus den Neunzigern handelt vom jamaikanischen Bobteam, das erstmals an den Olympischen Winterspielen teilnimmt. Als Film-Vorlage diente der Viererbob aus Jamaika, der 1988 im kanadischen Calgary seine Olympia-Premiere gab.

Exakt 30 Jahre später kehren die coolen Wintersportler aus der Karibik in den Eiskanal zurück. In Südkorea wird erstmals ein Damen-Team aus Jamaika an den Start gehen. Pilotin Jazmine Fenlator-Victorian und Anschieberin Carrie Russell haben sich für den olympischen Zweierbob-Wettkampf qualifiziert. „Das ist einer der glücklichsten Momente meines Lebens. Ich hätte mir nie erträumt, einmal eine Bob-Athletin zu werden“, sagte Russell, die als Leichtathletin 2013 in Moskau mit Jamaikas 4x100-Meter-Staffel WM-Gold errungen hatte.

Ihre Pilotin, die die doppelte Staatsbürgerschaft besitzt, hatte für die USA bei den Winterspielen 2014 schon im Zweierbob gesessen. „Meine zweite Teilnahme an den Winterspielen ist genauso besonders wie meine erste“, sagte die 32-Jährige der BBC. Trainiert wird das Duo ausgerechnet von einer Deutschen: Sandra Kiriasis. Die Bob-Olympiasiegerin und dreimalige Weltmeisterin führte ihre Exoten auf Anhieb zur Olympia-Quali. „Team Jamaika ist offiziell qualifiziert... und ich bin auch dabei“, schrieb Kiriasis stolz auf Facebook. Die ehrgeizige Trainerin peilt mit ihren Exotinnen einen Platz unter den Top zehn an.

Nigerianerin stürzt sich Eiskanal runter

Wir bleiben im Eiskanal, genauer gesagt beim Skeleton. Dabei stürzen sich die Athleten auf dem Bauch liegend mit dem Kopf voran die schmale Eisrinne herab. Mit bis zu 145 km/h! Was schon für die Top-Fahrer eine Herausforderung ist, muss für Neulinge unmöglich erscheinen.

Simidele Adeagbo hat sich dieser Herausforderung gestellt. Die Nigerianerin qualifizierte sich Mitte Januar als erste afrikanische Skeleton-Fahrerin für die Olympischen Winterspiele in Südkorea. „Es ist offiziell. Ich bin eine Olympionikin. Ich bin stolz, die erste nigerianische, afrikanische Frau zu sein, die den Skeleton-Sport bei Olympia präsentieren darf“, schrieb die 36-Jährige bei Instagram.

Ihre unglaubliche Geschichte beginnt Ende 2016. Damals erfuhr Adeagbo, dass sich ein nigerianisches Frauen-Bobteam für Olympia qualifizieren will. Ihr Ehrgeiz war geweckt, auch wenn sie schon neun Jahre zuvor ihre Laufbahn als Leistungssportlerin beendet hatte.

Adeagbo wurde in Kanada geboren, lebte bis zu ihren sechsten Lebensjahr in Nigeria und wuchs danach im US-Bundesstaat Kentucky auf. An der dortigen Universität startete sie als Leichtathletik durch. Nach mehreren nationalen Titeln und Rekorden im Dreisprung wollte sie es noch mal wissen. Als Wintersportlerin! „Früher sprang ich in den Sand. Jetzt bewege ich mich durch den Eiskanal. Das scheinen zwei verschiedene Welten zu sein. Aber ich sehe da schon Parallelen.“

Für ihren olympischen Traum zog sie nach Südafrika. In Johannesburg legte sie auf der Laufbahn oder im Kraftraum die athletischen Grundlagen. Das war aber kein Vergleich zu den Trainingsstunden im Eiskanal. Nur wenige Tage im Jahr konnte Simidele auf Bahnen in Kanada ein Gefühl dafür bekommen, was sie beim Skeleton erwartet. „Wenn man dann auf den Schlitten springt, nur einen Fuß breit vom Eis entfernt liegt und 120 km/h erreicht, muss man ruhig bleiben und seinen Körper beherrschen“, sagte Adeagbo, die beim Anlauf ihre Schnelligkeit ausspielen kann. Stürze und Verletzungen blieben während dieser Zeit natürlich nicht aus. „Skeleton ist ein Sport, bei dem man hart sein muss. Ich dachte immer ich wäre hart, aber das ist noch mal eine anderes Level“, sagte die Athletin.

Doch Simidele biss sich durch und schaffte Mitte Januar das Unmögliche. Beim internationalen Wettkampf in Lake Placid errang sie die Bronzemedaille und machte damit die Olympia-Qualifikation perfekt. „Der Glaube hat meinen Gott-gegebenen Traum wahr werden lassen. Ich danke allen für die Liebe und Unterstützung. Der nächste Stopp ist Pyeongchang“, schrieb die Nigerianerin stolz auf Instagram.

Von der Südsee in die Loipe

Um als Sportler aus einem exotischen Land an Olympia teilzunehmen, braucht es schon verrückte Typen. Pita Taufatofua ist so einer. Der 34-Jährige von der Pazifik-Insel Tonga startete schon 2014 bei den Sommerspielen in Rio de Janeiro. Damals versuchte er im Taekwondo sein Glück. Jetzt will es das Multitalent bei den Winterspielen in Südkorea wissen. „Ich suchte nach den Spielen in Rio eine neue Herausforderung. Der härteste Sport, der mir möglich schien, war Skilanglauf“, sagte Taufatofua.

Gesagt, getan. Vor einem Jahr begann Taufatofua mit dem Langlauf-Training. Da auf Tonga, das nur für sein Rugby-Team bekannt ist, weit und breit kein Schnee fällt, spulte er zunächst auf Inlineskates die ersten Kilometer ab. Erst später wechselte der Neuling in Übersee auf Skier und in die Loipe. Beim letzten möglichen Qualifikations-Wettkampf auf Island holte Taufatofua die nötigen Punkte und qualifizierte sich für Olympia. „Das ist großartig für Tonga. Wir sind nicht länger der kleine Punkt im Pazifik. Jeder wird dann wissen, wer wir sind“, jubelte der Doppel-Olympionike.

Ski-Botschafter aus Ost-Timor

Yohan Goutt Goncalves ist in Sachen Olympia fast schon ein alter Hase. Der alpine Skifahrer war 2014 in Sotschi der erste Starter der Republik Ost-Timor. Der Inselstaat in Südostasien war Jahrzehnte vom großen Nachbarn Indonesien besetzt und erlangte nach einem blutigen Bürgerkrieg erst 2002 die Unabhängigkeit. Danach kämpfte der junge Staat noch Jahre um Sicherheit und Stabilität. Insofern war Goutts Olympia-Debüt auch ein politisches Statement.

Auch sportlich erwarb sich der gebürtige Franzose, dessen Mutter aus Ost-Timor stammt, nach und nach mehr Anerkennung. Beim olympischen Slalomlauf in Sotschi war der Student zwar zeitlich der Langsamste, belegte aber durch das Ausscheiden zahlreicher Läufer nach zwei Durchgängen einen beachtlichen 43. Platz von 117 Startern.

Seither verbesserte sich Goutt stetig, nahm 2015 an der Ski-WM in den USA teil und durfte Ende Januar 2018 sogar seinen erstes Weltcup-Rennen auf der legendären Streif in Kitzbühel bestreiten. Auch seine zweite Olympia-Teilnahme in Südkorea hat der 23-Jährige, der hauptsächlich durch Spenden finanziell unterstützt wird, schon in der Tasche. „Ich will an so vielen internationalen Wettkämpen wie möglich teilnehmen, damit die Menschen mehr über Timor kennenlernen. Dass ich als Skifahrer ein Land repräsentiere, in dem es keinen Schnee gibt, macht die Sache noch spezieller“, sagte Goutt.