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Die bösen Geister aus Portsmouth sind weg

Wie der ehemalige Spielball von Investoren und Scheichs sich stabilisiert hat

Der größte Erfolg der jüngeren Vereinsgeschichte des FC Portsmouth war der FA-Cup-Triumph 2008 gegen den Zweitligisten Cardiff City. Mit der gleichbedeutenden Teilnahme am internationalen Geschäft beginnt dort auch der Abstieg des traditionsreichen Vereins aus dem Süden Englands. Innerhalb eines Jahres wechselte der Besitzer fast ein Dutzend Mal. Investoren und Scheichs aus Kroatien, Frankreich, Saudi-Arabien und China schoben sich den Verein hin und her. Nach Verlassen dieser windigen Geschäftsleute standen nun 135 Millionen Pfund an Schulden zu Buche. Zwei Konkurse waren die Folge, sodass der Klub in die vierte Liga abstürzte und mit einem Transferembargo belegt wurde.

Das waren die „Ratten aus Portsmouth“

Den Anfang machte Milan Mandaric. Der Kroate landete während seiner Amtszeit wegen Korruption und Betrugs im Gefängnis. Es folgte Alexander Gaydamak – der Sohn eines illegalen Waffenhändlers kaufte eine komplett neue Mannschaft, verlor durch Finanzkrise sein Vermögen und hinterließ 70 Millionen Pfund Schulden. Daraufhin kaufe Sulaiman Al-Fahim aus Dubai den Klub für ein obligatorisches Pfund. Er versprach alle Schulden zu übernehmen – Pustekuchen. Die Folge waren ein Schlägerei mit den eigenen Fans, die ihn vom Parkplatz jagten. Man sah Al-Fahim nie wieder. Das eine Pfund soll er bis heute nicht überwiesen haben. Last aber in diesem Falle wohl auch least kam Ali Al-Faraj, dessen wahre Existenz bis heute ungeklärt ist. In Portsmouth hat man ihn nie gesehen. »Ich bin kein Milliardär. Ich habe den Klub nur gekauft, weil ich ein Investment suchte«, sagte der Saudi 2009 laut 11freunde.de zu einem Journalisten. Ein echter „Chef“ war er nie. Er soll als Strohmann für Balram Chainrai gehandelt haben. Der Geschäftsmann aus Hongkong übernahm den Klub erstmals 2009. Der Fratton Park war wie ein Magnet für windige Geschäftsleute. Das hat sich fortan geändert. „Unser Traum ist wahr geworden“, sagte der jetzige Präsident Ian McInnes. „Erst haben wir die Ratten vertrieben. Dann haben wir die Teepreise gesenkt.“ Ja, es gibt billigen Tee in Portsmouth, aber dazu kommen wir später.

Supporters Trust kauft den Verein

Bereits 2009 gründete die Fanszene des FC Portsmouth den Supporters Trust. Die Fan-Vereinigung generierte nach der Mehrfach-Pleite knapp 2,5 Millionen Pfund aus der Anhängerschaft, um den Kauf des Klubs zu realisieren. Sogar ein Kuchenverkauf vorm Stadion brachte 11.000 Pfund ein. Auch die Pubs in der Stadt schlossen sich der Fan-Bewegung an und geben bis heute noch bis zu zehn Prozent aus den Bierverkäufen an den Supporters Trust.

„Eines Tages rief ein Mann an und spendete 200 000 Pfund. Ohne Bedingungen. Mir kamen die Tränen“, erinnert sich Ashley Brown, IBM-Manager und Vorsitzender des Supporters Trust, in einem 11freunde-Interview aus dem Jahr 2013. Mittlerweile sitzt er als einer von drei Trust-Vertretern im Klubvorstand. Er war mittendrin und mit verantwortlich bei den finalen Verhandlungen zur Übernahme durch die Fans. 11Freund erzählte er die Geschichte aus dem Gerichtssaal vom 10. April. Erst während der Verhandlung um die Zukunft des Vereins platzte Brown mit seinen Mitstreitern in das Gerichtsgebäude und legte dem Richter die neuesten Unterlagen des Konkursverwalters vor. Jede Menge Fans und auf der anderen Seite weitere Geschäftsleute, die den Verein nur benutzen wollen anstatt ihn zu pflegen. Als der Richter sich die neuen Papiere ansah ein Schockmoment: Stromausfall. Brown-Mitstreiter McInnes dachte, dass Chainrai mit einer Bazooka reinkommt und alle abschießt. Der Richter brach die Stille, lachte laut, fügte nur noch einige Auflagen an das Angebot der Fans und sagte: „Seien Sie versichert, dass Sie in einigen Tagen Besitzer des Portsmouth Football Club sein werden. Herzlichen Glückwunsch.“ Der Verein samt Stadion gehört fortan dem Supportes Trust. Man startete bei Null.

Party im Stadion trotz Abstieg

55 Prozent der Anteile hielten von nun an die Fans, die anderen 45 Prozent der Kaufsumme wurde von Iain McInnes und zehn weiteren Fan-nahen Geschäftsmännern übernommen, ohne jegliche Bedingungen. Das sogenannte„High Net Worth“ half auch schon mit einer Million Pfund, um die Gerichtskosten zu decken. Obwohl die Mannschaft vor dem letzten Heimspiel der Saison bereits als Absteiger in die vierte Liga feststand, kamen 20.000 Zuschauer und trotzdem ausgiebig. Portsmouth will ein Vorbild für andere Klubs werden: Ticketpreise sind bezahlbar, Trikots sind die billigsten im englischen Fußball, das Catering wurde an lokale Unternehmen gegeben und der Tee kostet nur ein statt 2,50 Pfund. Portsmouth ist und bleibt ein Klub der Arbeiterklasse. Das scheint nun auch endlich jeder verstanden zu haben.

In Portsmouth geht es wieder voran

Nachdem man im Fratton Park im August 2013 den ersten Spieltag der „Unabhängigkeit“ mit 10.000 Zuschauern feierte, steht nun, vier Jahre später, der Aufstieg in Liga Drei zu Buche. Durch einen 3:1-Auswärtssieg bei Notts County sicherte "Pompey" bereits drei Spieltag vor Schluss den dritten Platz der viertklassigen „League Two“. 16.705 Fans strömten im Schnitt gegen teils sehr unattraktive Gegner zu den Heimspielen in den Fratton Park. Davon könnte so mancher Zweitligist träumen. Und genau das ist sicherlich das nächste große Ziel auf dem Weg des „neuen“ FC Portsmouth.