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Fake-Karriere im Profi-Tennis

+++ 20-jähriger Mazedonier foppt sogar Serena Williams +++

Fake-News sind spätestens seit der Präsidentschaftskandidatur von Donald Trump allein ein Begriff. Dass man damit politisch durchaus einen Eingriff in die Gedanken des Wählers vornehmen kann und so eher radikalen Partien hilft, sollte heutzutage jedem klar sein. Doch, dass man mit Fake-News auch eine junge Sportlerkarriere (fast) erfolgreich mimen kann, ist Vielen neu. Doch ein 20-jähriger Mazedonier hat sich in den Fokus gefaked und damit sogar Serena Williams gefoppt. Das Ganze hat wohl nun der renommierte Tennisjournalist Ben Rothenberg  aufgedeckt.

Wohl mit Hilfe von Entwicklern aus seinem Heimatland konnte Darko Grncarov über Jahre durch Fakenews vornehmlich auf Twitter ein Image als großes Tennistalent aufbauen und hat dabei wohl auch eine eigene Komaerkrankung vorgetäuscht.

Große Bekanntheit auf Twitter durch politische Statements

Auf dem Platz kaum in Erscheinung getreten, war Twitter sein Spielfeld. Zuletzt ächtete er während der Australian Open gegen Tennys Sandgren, der wegen rechtspolitischen Tweets für Aufruhe sorgte. Der junge Mazedonier, so schien es zumindest, war auch der einzige Spieler, der sich proaktiv in die Diskussion um das Namensrecht der Margaret-Court-Arena einmischte, die wegen diskriminierender Äußerungen sehr umstritten ist. Er twitterte, dass er sich weigern würde, in der drittgrößten Arena bei den Australian Open zu spielen – und erhielt großen Zuspruch von der Gemeinde. Auch sehr viel positives Feedback erhielt das vermeintliche Nachwuchstalent, als er sich gegen Homophobie im Leistungstennis aussprach. Sogar Martina Navratilova las den Tweet und antwortete daraufhin auf einen Artikel über den jungen Sportler mit den Worten „Viel Glück, Darko”.

Mit Koma-Erkrankung zum Follower-Boom

Im Sommer 2017 gab er bekannt, sich ein Jahr lang  und leistungssporttechnisch von einer Komaerkankung erholt zu haben. „Nach einem langen Jahr des Glaubens und der Versuche, bin ich nun stärker als vor meiner Komaerkrankung. Ich bin kein Roger oder Novak, aber ich freue mich, dass einige große Turniere mir Startplätze für mein Comeback zugesichert haben.“ Das Mitleid vieler „Kollegen“ und „Fans“ sorgte für einen Boom: rund 15.000 Twitter-Anhänger und fast die dreifachen Gefällt-mir-Angaben auf Instagram erreichte er mit dieser Nachricht.

Eine französische Tennisseite griff die märchenhafte Story auf und schrieb sogar von möglichen teilnahmen bei den ATP-Events in Rotterdam und Miami. Fake-News par excellence. Die britische Metro publizierte gar eine exklusive Story im letzten November. Demnach habe das Koma sechs Monate angedauert. Die größte Waffe des Mazedoniers sei sein Aufschlag und er sei ein regulärer Trainingspartner von Viktor Troicki, doch der verneinte das auf Nachfrage. Mittlerweile ist die Story auch gelöscht worden.

BBC-Interview als Höhepunkt der Farce

Höhepunkt des medialen Aufstiegs war ein Neun-Minuten-Interview mit BBC 5 Live Radio, die Grnarov als aufstrebenden Nachwuchsspieler der ATP-Tour ankündigten. Insgesamt berichteten Medien aus Indien, Südamerika und Asien über den mutmaßlichen Schwindler.

Keiner kam auf die Idee die Vita des Mazedoniers auf Herz und Niere zu überprüfen. Denn dann würde man herausfinden, dass es zwar eine reale, tennisspielende Person gibt, die aber offiziell nur ein einziges Spiel bestritten hat – und 0:6, 0:6 verloren, im April 2017. Doch selbst das hat wohl nie stattgefunden, denn das offizielle ITF-Profil listet einen Rückzug auf. Das Spiel hat demnach wohl nie stattgefunden.

Nach weiteren Recherchen Rothebergs kamen immer mehr Unklarheiten und Widersprüche auf. Auch mazedonische Journalisten sahen wohl mehr die Story im Vordergrund, als das sie es wirklich nachgeprüft haben. Mit weiterreichenden Veröffentlichungen verschob der viel Umschriebene sein Comeback für 2018, angeblich wegen des Todes seiner Mutter. Auf Facebook postete seine Mutter aber eifrig weiter, wie Rothenberg herausfand.

Tod der eigenen Mutter vorgetäuscht, um eigenen Ar*** zu retten

Insgesamt belegte der Journalist mehr Lügen als Wahrheiten. Mit mehreren hundert Bots, also erfundene Accounts auf Twitter, politischen Äußerungen, prominenten Fürsprechern (unter anderem folgte ihm auch Serena Williams nach seinen Äußerungen über Sandgren) und jeder Menge Unwahrheiten, die Medien ungeprüft aufnahmen, hat Grncarov zweifelhafte Berühmtheit erlangt. Kurz nach der Veröffentlichung des Schwindels wurden alle Accounts gelöscht. Ein Tennis-Star, der der Welt wohl kaum fehlen wird.

Auch, dass der potenzielle Star aus Mazedonien kommt, war kein Zufall, denn Mazedonien gilt im Übrigen als das Land, das Fake News mit erfunden hat. In Mazedonien gibt es demnach wohl Dutzende, die extra an solchen Nachrichten arbeiten und tüfteln, bestätigt auch der Bericht.

 

Titelbildquelle: tennisworldusa.org