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Fünftligist aus Westjordanland sorgt für Schlagzeilen

Ariel City ist israelischer Fünftligist, spielt aber im Westjordanland

Normalerweise kommen keine 100 Zuschauer kommen zu den Spielen des israelischen Fünftligisten Ariel City FC. Dennoch ist er derzeit in aller Munde und steht im Mittelpunkt einer Debatte, die weitreichende, weltpolitische Folgen hat. Denn Ariel City trägt seine Heimspiele in den jüdischen Siedlungen des Westjordanlandes aus - und ist damit ungewollt ein kleiner Bestandteil des Nahostkonflikts zwischen Israel und Palästina, der die beiden Länder seit Jahrzehnten beschäftigt.

Die jüdische Besiedelung in den Palästinenser-Gebieten wird als völkerrechtswidrig betrachtet. Auch die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch schaltet sich ein und wirft der FIFA vor, dass sie Spiele auf gestohlenem Land erlaube. Am 13. Oktober berät das Exekutiv-Komitee des Fußball-Weltverbands über einen Bann der insgesamt sechs israelischen Klubs, die wie Ariel ihre Spiele im Westjordanland austragen. Dieser Anordnung muss der israelische Verband nachkommen, ansonsten droht der Nationalmannschaft der Ausschluss von internationalen Wettbewerben.

"Das Problem besteht schon seit mehr als einem Jahr. Die FIFA sollte sich dafür einsetzen, dass alle israelischen Klubs ihre Spiele innerhalb der Grenzen Israels absolvieren, und damit der Empfehlung von Human Rights Watch folgen. Die Vereine und Spieler sind gar nicht das Problem. Sie können doch spielen, allerdings innerhalb Israels und nicht in einem Land, das unrechtmäßig von anderen Leuten gestohlen worden ist", so Sari Bashi von Human Rights Watch zum SID.

Dass es auch in einer solch heiklen Angelegenheit ganz konfliktfrei zugehen kann, beweisen die beiden arabischen Brüder Mohammed und Yusuf Daher. Sie kamen im Sommer neu zum Ariel City FC und haben keine Probleme mit ihren jüdischen Mannschaftskollegen.

Yusuf Daher

„Ich spiele seit eineinhalb Monaten hier. Ich war überrascht von der Atmosphäre und Führung des Teams. Ich habe mich kein einziges Mal eigenartig gefühlt. Ich habe völlig vergessen, dass zwischen unseren Völkern Krieg herrscht", so Yusef Daher von Ariel City FC gegenüber dem SID.

Ariel City selbst will einfach nur Fußball spielen - ganz ohne Politik. Das erste Saisonspiel gewann der Klub übrigens mit 4:1. Doppeltorschütze war ausgerechnet Neuzugang Mohammed Daher.