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Zu Fuß von Hamburg nach Shanghai

12.000 Kilometer in 235 Tagen

In der heutigen Zeit wachsen viele Menschen mit Vorurteilen auf. Schubladendenken und Ausgrenzung sind die Folge. Doch dabei gibt es keine logischen Gründe. Aufklärung kann helfen, doch nicht jeder ist offen dafür. Eine neue Art der Völkerverständigung betreibt derzeit Kai Markus Xiong. Der 44-Jährige lief am vergangenen Sonntag von der Elbphilharmonie aus los. Ziel seiner besonderen Reise: Shanghai. Eine 12.000 Kilometer lange Reise liegt nun vor ihm. Sein Ziel: Shanghai. In nur 235 Tagen will der gebürtige Bayer die Partnerstadt in China zu erreichen. Für diese Reise übernahm kein Geringerer als Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) die Schirmherrschaft.

Mit ein Hauptgrund für seine Reise ist die Völkerverständigung. Ehefrau Yuman kommt auch aus dem Land, das ihn seit Kindestagen fasziniert. Mit dem Laufweg über die Seidenstraße, den alten Handelsweg zwischen Europa und Asien, will Kai Markus Xiong „Brücken bauen“. "Ich möchte mit meinem Lauf die schönen Seiten Chinas und auch der anderen Länder, die ich durchreise, zeigen." Über seine Internetseite "runmysilkroad.de" kann man Xiongs Erlebnisse während der Reise verfolgen.

Die Idee zu der Irrsinnstour, die ihn durch acht Länder (Deutschland, Polen, Weißrussland, Russland, Kasachstan, Usbekistan, Kirgisistan und China) führen wird, kam ihm im April vergangenen Jahres. Als ehemaliger Leistungsturner und Hobby-Langstreckenläufer ein ambitioniertes Ziel, das ohne Sponsoren gar nicht möglich ist. Für das ambitionierte Projekt veranschlagte er ein Budget zwischen 600.000 und 800.000 Euro. Dem gelernten Bankkaufmann und Finanzberater fiel es schwer das Geld aufzutreiben. "Ich bin kein Profisportler, für mich war es schwierig Sponsoren zu finden", sagt er. Im Endeffekt wählte er alle Sponsoren selber aus. Für ihn war es wichtig, dass sie seine Vision eines Supermarathons, der Grenzen überwindet, unterstützen. Mit den Reiseagenturen Caissa und China Tours arbeitete er die Route aus und der Sportartikelhersteller 361 Degrees aus China stattet ihn mit passendem Laufmaterial aus. Bis zu 50 Paar Schuhe wird Xiong während seines Laufs verschleißen.

Die Route musste bewusst gewählt werden

"Das Durchlaufen der Wüstengebiete Kasachstans und Usbekistans wollten wir aufgrund der schwierigen Bedingungen über lange Strecken verhindern. Ganz vermeiden ließ es sich allerdings nicht. Wegen der Hitze wird Kai Markus in diesen Regionen in der Nacht laufen müssen“, so urteilt Andreas Flück, der Routenplaner für den Hamburger Extremsportler. Die falschen Laufstrecken zur falschen Zeit am falschen Ort können auch für Lebensgefahr sorgen. Xiong ergänzt: "Wenn ich durch extreme Gegenden wie Wüsten oder im 4200 Meter hohen Gebirge laufe, bin ich auf mich allein gestellt. Dass heißt zum Beispiel, dass ich den Weg möglichst auswendig kennen muss. Ich kann mich nicht auf andere verlassen." Aus diesem Grund hat er auch gelernt, sich in Notfällen medizinisch selbst zu versorgen. An einem Suppenhühnchen zeigte ihm ein befreundeter Arzt wie man sich selbst Injektionen gibt oder wie man offene Wunden zu nähen kann.

Begleitfahrzeug immer am Etappenzielort

So ganz allein wird Xiong auf seinem langen Weg doch nicht sein. Victor Neubauer, ebenfalls Mitarbeiter von China Tours, wird mit seinem Käfer, einem schwarzen 84er-Jahre Mexiko Edition mit angehängtem Camper, jeden Abend an den festgelegten Etappenzielen auf den Extremläufer warten. Am Tag wollen die beiden zwischen 60 und 80 Kilometer zurücklegen und nur alle neun Tage gibt es eine Verschnaufpause,sie nennen es „Culture Day“ und geben dann auf Besichtigungstour. Hier könnt ihr den genauen zeitlichen Plan einsehen: Etappen von Kai Markus Xiong

Begleitfahrzeug auf der Reise nach China

Es gibt nur eine Sache, die ihm zu schaffen machen wird. Und nein, es ist nicht die Angst davor so lange fast auf sich allein gestellt zu sein. Es ist die Trennung von seiner Familie, die er dann fast ein Jahr nicht sieht. "So bin ich nun mal. Dass ich nicht da bin, falls etwas passiert, ist meine größte Sorge." Für den Lauf an sich fühlt er sich gut trainiert, neben diversen 70-Kilometer-Läufen arbeitete er viel mit einem Psychologen. Und wenn alles gut läuft, kann er seine Familie am 4. November in Shanghai endlich wieder in die Arme nehmen, denn dann endet seine 235-tägige Laufreise.

Titelfoto-Copyright: 361degrees

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