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Isenkierl: „Schlammschlacht“ auf Norddeutsch

+++ Hindernis-Event zieht Freizeit-Läufer und Adrenalin-Junkies in seinen Bann +++

Regen, Schlamm und extreme Hindernisse: Tough-Mudder-Läufe haben in Deutschland Hochkonjunktur. Bei den spektakulären Cross-Rennen testen Freizeit-Läufer und Adrenalin-Junkies ihre Grenzen aus. Es zählen Spaß und Teamgeist statt Zeiten und Platzierungen. Schmerzen inklusive. Abseits der bekannten Tough-Mudder-Events etablieren sich in Deutschland kleinere Spaß-Wettbewerbe. In Groß Lüsewitz bei Rostock steigt jährlich der Isenkierl-Loop (plattdeutsch für Eisenkerl-Lauf). SPORTSUPREME schaute bei der „Schlammschlacht“ vorbei:

60 Hindernisse auf 10 Kilometern

Volker Suhr nippt an einem Alster-Bier und grinst. Während die Teilnehmer am Isenkierl-Loop 2017 über einen drei Meter hohen Bau-Container klettern, schwärmt der Veranstalter über das Wetter. „Es regnet schon den ganzen Morgen in Strömen. Besser geht es nicht“, freut sich der 53-Jährige.

Ideale Bedingungen für den Lauf der „Eisenkerle“, der in der Region längst Kultstatus genießt. Seit 2012 richtet Groß Lüsewitz den besonderen Hindernis-Lauf aus. Als sportliches Rahmen-Event zum jährlichen Park- und Seefest der Gemeinde. „Früher haben wir hier Drachenboot-Rennen veranstaltet. Als der See immer mehr verunkrautete, mussten wir uns eine Alternative überlegen“, sagt der Initiator.

Schnell entstand die Idee eines Hindernis-Laufes, der um und durch den örtlichen See führt. Anfangs wagten sich nur 20 Mutige auf die zehn schmerzhaften Kilometer. Mittlerweile kann sich der Spaß-Wettbewerb vor Anmeldungen kaum retten. Bei der sechsten Auflage waren die knapp 270 Startplätze innerhalb von elf Tagen vergeben. Mehr, so meint Suhr, sei nicht drin. „Wir haben nur einen kleinen Rundkurs. Der familiäre Charakter soll erhalten bleiben.“

Bad im Schlammloch ist inklusive

Damit grenzt sich der Isenkierl-Loop von den kommerziellen Tough-Mudder-Events ab. Die weltweiten Hindernis-Läufe ziehen tausende Starter in ihren Bann und sind auch in Deutschland auf Wachstums-Kurs. Mittlerweile gibt es weitere Formate wie 24-Stunden-Rennen (World’s Toughest Mudder) sowie Wettbewerbe speziell für Frauen (Mudderella), Kinder (Mini Mudder) und in Städten (Urban Mudder)

In Groß Lüsewitz geht es gemütlicher, aber nicht minder spektakulär zu. Der Parcours liegt auf einer alten Military-Strecke und ist mit 60, meist natürlichen Hindernissen gespickt. Suhr: „Wir lassen keine aufwendigen Hindernisse bauen, sondern nehmen, was die Natur hergibt.“

Start zum Isenkierl-Loop 2017.

Die Strecke führt über unbefestigte Feldwege, rutschige Hügel und tiefe Gräben. Dazwischen müssen die „Eisenkerle“ Baumstämme schleppen, haushohe Heuballen erklimmen und durch geflutete Bau-Container tauchen. Das klassische Bad im Schlammloch ist inklusive. Das alles über zwei Runden à fünf Kilometer! „Anfangs meckern die Läufer wegen der schwierigen Strecke. Wenn sie ins Ziel kommen, sind sie glücklich“, sagt Suhr.

Ob Hobby-Athleten, Laufgruppen, Firmenteams oder Adrenalin-Junkies – die Mischung aus Gaudi und sportlicher Herausforderung treibt die „Isenkierle“ an. Manche Männer und Frauen, die auch mal in Kostümen auf die Strecke gehen, stoßen an ihre Grenzen oder müssen verletzt aufgeben. Andere werden von ihren Mitstreitern buchstäblich ins Ziel geschleppt. Ankommen ist alles beim Eisenkerl-Lauf. Wer die Tortur übersteht, erhält als Lohn ein „Eisenkerl“-Shirt und eine handgefertigte Keramik-Medaille. Suhr grinst: „Bei uns gibt es eben nichts von der Stange.“

Der tiefe Fall ins Schlammloch ist beim Isenkierl-Loop inklusive.