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No Names mischen den FA Cup auf

Wie Englands Amateur-Klubs im ältesten Pokal-Wettbewerb der Welt für Furore sorgen.

Der FA Cup ist tot – es lebe der FA Cup! Englands größter Pokal-Wettbewerb macht endlich wieder Spaß. Dominierten über Jahrzehnte die reichen Premier-League-Klubs den ältesten Fußball-Cup der Welt, proben in dieser Saison die kleinen Amateur-Vereine den Aufstand. Plötzlich wirkt der Fußball wieder authentisch.

„Kobolde“ ärgern die Top-Klubs

Sie sind frech, fleißig und bodenständig: Die „Red Imps“ (Rote Kobolde) von Lincoln City sind derzeit der Pokal-Schreck Englands. Der Fünftligist setzte sich im Achtelfinale des FA Cups beim Premier-League-Aufsteiger FC Burnley mit 1:0 durch und zog als erster Klub aus einer nichtprofessionellen Liga seit 103 Jahren in die Runde der letzten Acht ein. „Mir fehlen die Worte, es ist verrückt“, sagte Abwehrspieler Sean Raggett, der in der 89. Minute den Siegtreffer erzielte.

Auf dem Weg ins Viertelfinale hatte der Tabellenführer der fünftklassigen National League schon drei Favoriten ausgeschaltet. Nach dem Auftaktsieg über Sechstligist Altrincham FC, mussten auch Oldham Athletic (3. Liga), Ipswich Town sowie Brighton & Hove Albion (beide 2. Liga) gegen das Überraschungsteam die Segel streichen. Der letzte Amateur-Klub, der im FA Cup so weit kam, waren die Queens Park Rangers im Jahr 1914. „Es ist unglaublich. Beim Start im Oktober war das alles nur ein Traum“, sagte Stürmer Matt Rhead.

Auch Liverpool und Leicester schon raus

Für den Underdog grenzt der Einzug ins Pokal-Viertelfinale an ein Wunder. Seit Kriegsende warfen im FA Cup nur sieben Amateur-Klubs einen Erstliga-Favoriten aus dem Wettbewerb. Die letzte Sensation schaffte Sutton United 1989 gegen die Profis von Coventry City. Seitdem ging die Schere zwischen den reichen Premier League-Vereinen und den kleinen Amateur-Klubs immer weiter auseinander. Kein Wunder, dass Lincolns Teammanager Danny Cawley jubelte: „Wir haben dem Pokal etwas von seinem Zauber zurückgebracht. Wer auch immer behauptet, der FA-Cup tot ist, hat Lincoln noch nicht erlebt.“

Keine Eintagsfliege: In dieser Pokal-Saison kommen die Favoriten reihenweise zu Fall. In Runde 4 flogen die Erstligisten FC Liverpool (1:2 Wolverhampton) und Hull City (1:4 FC Fulham) gegen Zweitligisten raus. Im Achtelfinale scheiterte Meister Leicester City, der nach einer Gelb-Roten Karte lange in Überzahl spielte, an Drittligist FC Millwall (0:1). Die Star-Truppe von Manchester City verhinderte eine Blamage und kam nach dem 0:0 gegen Zweitligist Huddersfield Town erst im Wiederholungsspiel (5:1) eine Runde weiter.

Keeper sorgt für Sandwich-Skandal

Auch Sutton United war dem Pokal-Märchen ganz nah. Der Fünftligist aus dem Süden Londons schaltete in Runde 4 Traditions-Klub Leeds United aus der 2. Liga mit 1:0 aus. Im Achtelfinale bot der Außenseiter dem großen FC Arsenal die Stirn, traf sogar die Latte, musste sich aber dem achtfachen FA-Cup-Gewinner mit 0:2 geschlagen geben.

Die tapfere Leistung der Amateure ging fast unter. Die Schlagzeilen schrieb Suttons Ersatzkeeper Wayne Shaw (45). Der 150-Kilo-Koloss verdrückte während des Spiels auf der Ersatzbank ein Sandwich. Was als nette Rand-Notiz erschien, entpuppte sich später als handfester Skandal. Ein Wettanbieter hatte im Vorfeld eine absurde Sandwich-Wette ausgelobt, wenn der „Roly Poly“-Goalie (kugelrunder Tormann) während der Partie etwas isst. Der englische Fußball-Verband FA nahm Ermittlungen wegen Wett-Manipulation auf. Shaw, der seine Unschuld beteuerte, beendete vorsorglich seine Laufbahn.

Trotzdem ist der FA Cup, der seit 1871/72 ausgetragen wird, um eine Anekdote reicher. Im Viertelfinale könnte wieder Pokal-Geschichte geschrieben werden. Drittligist Millwall ist bei den Tottenham Hotspurs gefordert. Fünftligist Lincoln muss beim FC Arsenal ran. „Wir wissen, welche Herausforderung vor uns liegt. Unsere Chancen stehen 1:1000. Wenn wir 1000 Mal dort antreten, schlagen wir sie vielleicht einmal. Wir müssen daran glauben, dass es dieses eine Mal klappt“, sagte Lincolns Teammanager Danny Cawley.