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Reichster Brite kauft besten Radrennstall

Sky-Nachfolger Ineos könnte über Jahre den Profiradsport dominieren.

Wenn am 2. Mai im englischen Doncaster die Tour de Yorkshire startet, schaut die gesamte Radsport-Szene hin. Dann werden die Fahrer des neuen Radrennstalls Ineos des britischen Milliardärs Jim Ratcliffe ihr Debüt geben und eine neue Zeitrechnung im Radsport einläuten.

„Der Einstieg von Ineos ist eine großartige Neuigkeit für das Team, für Radsport-Fans und für den Sport generell. Damit endet die Unsicherheit rund um das Team, und die Geschwindigkeit, in der die Entscheidung getroffen wurde, zeugt von großem Vertrauen in unsere Zukunft“, sagte Teamchef Sir Dave Brailsford.

Sechs Tour-Siege in neun Jahren

Ineos ist der Nachfolger des britischen Teams Sky, das über mehr als zehn Jahre den weltweiten Profiradsport dominierte. Insgesamt 322 Siege fuhr die Mannschaft, die allein 2017 mit einem Rekord-Budget von 38 Millionen Euro an den Start ging, ein und hatte vor allem bei den prestigeträchtigen Landesrundfahrten die Nase vorn. Der Brite Bradley Wiggins gewann für Sky 2012 erstmals die Tour de France. Es folgten vier Siege von Christopher Froome (2013, 2015, 2016 und 2017) und 2019 der Triumph von Landsmann Geraint Thomas.

Insofern atmete die Konkurrenz Ende letztes Jahr auf, als das Medienunternehmen Sky seinen Rückzug aus dem Profiradsport ankündigte. Die jahrelange Übermacht des britischen Rennstalls schien beendet. Doch der umtriebige Team-Manager Brailsford fand schnell neue finanzstarke Interessenten für das Team, darunter den Chemieingenieur Jim Ratcliffe.

Ineos steht wegen Fracking in der Kritik

Der Multi-Milliardär zählt zu den reichsten Briten und ist Gründer und Vorstand des Chemie-Konzerns Ineos. Der 66-Jährige wird künftig mehr als 30 Millionen Euro pro Jahr in die Equipe stecken und damit dem teuersten Radrennstall der Welt noch mehr Schwung verleihen. Vorher war Ratcliffe bereits in den Segelsport eingestiegen und hatte mit 126 Millionen Euro das Projekt des viermaligen Olympiasiegers Sir Ben Ainslie um den America’s Cup 2021 unterstützt. Zudem soll er laut britischen Medien am Kauf des englischen Fußball-Spitzenklubs FC Chelsea interessiert sein.

Es gibt aber auch Gegenwind. Ineos ist wegen seiner seiner Praktiken bei der Produktion und Entsorgung von Plastik sowie seiner befürwortenden Haltung zur Öl- und Gasfördermethode Fracking umstritten. Rund um die Präsentation bei der Tour de Yorkshire wird mit Aktionen von Umweltaktivisten gerechnet. Zumal sich Vorgänger Sky mit der „Ocean Rescue“-Kampagne für die Reinigung der Weltmeere eingesetzt hatte. Geäußert haben sich Sponsor und Manager zum Thema Umweltschutz noch nicht.

An der sportlichen Dominanz wird sich durch die Übernahme von Ineos nicht so schnell etwas ändern. Im Gegenteil. „Jetzt werden sie wahrscheinlich Aston Martins als Teamautos und ein Space Shuttle als Bus haben“, scherzte Max Sciandri, Sportdirektor des Teams Movistar, ob der Finanzkraft des übermächtigen Konkurrenten.

Zwar gehen die „Zugpferde“ Froome (33) und Thomas (32) langsam ihrem Karriereende entgegen, trotzdem drängen etliche Nachwuchsfahrer nach. Derzeit baut Teammanager Brailford auf den jungen Kolumbianer Egan Bernal (22), der in diesem Jahr die Rundfahrt Paris-Nizza gewann. Wächst mit ihm schon der nächste Tour-de-France-Gewinner heran?