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Rollstuhl oder Amputation

Johannes Floors stand mit 16 vor der schwersten Entscheidung seines Lebens

Weltmeister 2017 – doch hinter diesem Triumph steckt eine traurige Geschichte eines damals 16-Jährigen, der mit einem Fibula-Gendefekt zur Welt gekommen ist. Johannes Floors hatte kein Wadenbein und nur drei Zehen, dazu war sein Fuß verkrümmt. Eine Beinamputation war für ihn die einzig logische Konsequenz. Es war DIE Entscheidung seines bisherigen Lebens. Als er sich sechs Jahre nach der freiwilligen Amputation beider Beine zum neuen 400-Meter-Weltmeister krönte, wusste Johannes Floors gar nicht, wie ihm geschah. „Das ist der Wahnsinn, der Hammer, ein Traum. Dafür habe ich so viele Jahre gearbeitet“, sagte der 22-Jährige. In 46,67 Sekunden hatte er bei der Paralympics-WM in London Gold über 400 Meter gewonnen und damit zusätzlich noch einen neuen Europarekord aufgestellt.

Anhaltende Schmerzen führten zu dieser radikalen Operation

Der Gendefekt machte ihm zu schaffen. Kaum eine Aktivität ohne Schmerzen. Floors wollte sein Leben ändern. Nach einem halben Jahr Bedenkzeit entschloss er sich zu einer radikalen Operation. Erst wurden große Teile des einen Unterschenkels abgenommen, dann Teile des anderen. „Ich hatte die Wahl: Entweder sitze ich irgendwann im Rollstuhl oder schneide die Beine irgendwann ab“, sagt Floors: „Es war keine leichte Entscheidung, aber die richtige. Die beste meines Lebens. Ich habe keine Schmerzen mehr und kann mit meinen Prothesen alles machen. Früher habe ich mich in kurzen Hosen geschämt. Heute bin ich viel selbstbewusster.“ Der Sport gibt ihm viel zurück. Seine Schnelligkeit ist seine Waffe. Nach dem verpassten Rio-Finale war dieses WM-Finale nun sein persönliches Rio. Sich nun Weltmeister nennen zu dürfen ist auch nicht gerade schlecht.