Earth

So zeigen US-Athleten, was sie von Trump halten

Gwen Berry und Race Imboden setzen bei Pan-Am-Spielen Zeichen gegen Rassismus und Intoleranz.

Der Protest von Sportlern gegen US-Präsident Donald Trump und seine Politik reißt nicht ab. Bei den pan-amerikanischen Spielen in Lima (Peru) setzten zwei Medaillen-Gewinner mit symbolischen Gesten Zeichen gegen Rassismus, Intoleranz und Waffengewalt.

US-Hammerwerferin Gwen Berry reckte bei der Siegerehrung die rechte Faust empor und ahmte damit die berühmte Black-Power-Geste der US-Sprinter Tommie Smith und John Carlos bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko nach. Hinterher begründete die 30-Jährige ihre Aktion bei USA Today:

"Jemand muss die unbequemen Themen ansprechen. Jemand muss sich gegen die Ungerechtigkeiten, die in Amerika passieren und gegen einen Präsidenten, der sie schlimmer macht, auflehnen. Wenn niemand etwas sagt, wird sich auch nichts ändern."

US-Footballer löst Protestwelle aus

Auch Landsmann Race Imboden (26) verlieh bei der Siegerehrung seinem Unmut über die politischen Verhältnisse in seiner Heimat Ausdruck und ging bei der Hymne auf die Knie.

"Wir müssen zu Veränderungen aufrufen",

schrieb der Fechter bei Twitter und fügte an:

"Mein Stolz ist wegen der vielen Unzulänglichkeiten in unserem Land gebrochen. Rassismus, Waffenkontrolle, Misshandlung von Einwanderern und ein Präsident, der Hass verbreitet, sind nur die Spitze einer langen Liste."

Die Protest-Aktion von Berry und Imboden ist ein Jahr vor den Olympischen Spielen in Tokio riskant. Ein Sprecher des nationalen olympischen Komitees kündigte bereits Konsequenzen an, weil sie gegen die Statuten der Sportler verstoßen hätten, auf politische Statements bei Wettkämpfen zu verzichten. Strafen und Sperren sind nicht ausgeschlossen.

Dabei sind die beiden US-Athleten längst nicht mehr die einzigen Trump-Kritiker. Den Anfang machte 2016 Football-Profi Colin Kaepernick. Der Quarterback der San Francisco 49ers verfolgte vor einem Spiel die Nationalhymne im Sitzen, um gegen die ungerechte Behandlung farbiger Bürger in den USA zu demonstrieren.

"Ich werde nicht stehen und meinen Stolz zeigen für ein Land, das Schwarze und People of Color unterdrückt",

erklärte Kaepernick damals und löste damit eine breite politische Diskussion in den USA aus.

Basketball-Star schlägt Trump-Einladung aus

Seitdem ebbt die Protestwelle prominenter Sportler nicht ab. Basketball-Star Stephen Curry verzichtete 2017 nach dem Gewinn der NBA-Meisterschaft mit den Golden State Warriors auf den traditionellen Besuch im Weißen Haus.

"Ich stehe nicht für die Dinge, die er gesagt hat, und auch nicht für die Dinge, die er nicht gesagt hat."

Daraufhin lud ihn Donald Trump aus.

Im selben Jahr blieben in der US-Football-Liga NFL die Teams der Seattle Seahawks und der Tennessee Titans während der Hymne in ihren Kabinen. In sämtlichen Stadien knieten Spieler, andere hakten sich unter, bildeten geschlossene Ketten. Baseballer Bruce Maxwell weitete den Protest auf DIE Sportart der weißen Amerikaner aus. Basketball-Star LeBron James bezeichnete „den Typen“ im Weißen Haus sogar als „Penner“.

Trump reagierte meist prompt und via Twitter in seiner typischen Art und goss Öl ins Feuer einer ohnehin überhitzten Debatte:

"Wenn ein Spieler das Privileg genießt, in der NFL (oder einer anderen Liga) Millionen zu verdienen, dann hat er oder sie nicht das Recht, respektlos gegenüber unserer großen Flagge zu sein und sollte bei der Hymne stehen. Wenn nicht, BIST DU GEFEUERT! Besorg’ dir einen anderen Job!"

Mittlerweile hat der Protest längst andere Sportler erreicht. Vor den Pan-Am-Spielen sprach sich Leichtathletik-Legende Carl Lewis für mehr Gerechtigkeit im Sport aus.

"Wir haben einen rassistischen und einen frauenfeindlichen Präsidenten, der niemanden außer sich selbst schätzt",

sagte Lewis auf die Frage nach Gleichstellung der Geschlechter im Sport.