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Stefan Beinlich glaubt an Hansa

+++ Der ehemalige Rostocker und Herthaner im Interview vor dem Pokalgipfel +++

Sie haben in Ihrer Karriere zweimal für Ihren Herzensklub Hansa Rostock gespielt. Warum sind Sie nach dem HSV noch einmal zu Rostock zurückgekehrt und wie war es für Sie?

Das war ja mein Wunsch. Vom HSV bin ich freiwillig gegangen, weil wir einfach nicht mehr auf einer Wellenlänge waren. Sergej Barbarez und ich hätten für die Hälfte der Bezüge verlängern sollen und trotzdem Führungsspieler sein. Deswegen habe ich gesagt, ich wechsle und wenn ich wechsle, dann nur zu Hansa Rostock. Ich dachte zudem, dass die Mannschaft, wenn sie punktuell verstärkt wird und einen alten Sack wie mich hat, den Aufstieg schaffen kann. Außerdem haben sich meine Mädels total gefreut und wir leben ja immer noch hier.

Wie war die Umstellung, als Sie von England zurück nach Deutschland in die zweite Liga gewechselt sind?

Wir hatten mit Frank Pagelsdorf einen Trainer, der schönen, erfolgreichen Fußball spielen wollte. Englisches Kick and Rush war überhaupt kein Thema für ihn. Bei ihm hat es geheißen: flach von hinten aufbauen, keine langen Abschläge. Mit der Strategie kam er mir sehr entgegen und wir haben uns dann ziemlich schnell zurechtgefunden und sind aufgestiegen. Das war auch das ambitionierte und erklärte Ziel von Pagelsdorf.

Was waren Ihre schönsten Momente bei Hansa Rostock?

Auf jeden Fall die beiden Aufstiege. Zusätzlich das Leben hier an der Küste und zu sehen, wie sich die Stadt entwickelt hat. Vor allem im Tourismusbereich hat sich sehr viel getan. Alles in allem ist es einfach wunderschön hier.

Toni Kroos ist ein Erfolgsbeispiel aus der Hansa Rostock-Jugend. Wie steht es derzeit um die Jugendarbeit beim Verein?

Das Problem ist, dass durch die beiden Abstiege in zweite und dritte Liga nicht mehr die Möglichkeiten vorhanden sind, viel Geld für Nachwuchsarbeit auszugeben. Aufsteigen wäre das Wichtigste. Dann könnte man hier wieder investieren und sich verstärkt mit dem Thema auseinandersetzen. Derzeit ist es schwierig den Nachwuchsbereich zu erhalten und dann noch Qualität zu gewinnen.

Die Saison hat für Rostock gut begonnen. Was ist diese Saison möglich? Eventuell sogar der Aufstieg?

Ja, ich glaube schon. Pavel Dotchev ist ein einwandfreier Fachmann, der die dritte Liga sehr gut kennt, schon einmal aufgestiegen ist und ein ruhiger Typ ist. Die ersten drei Spiele wurden zu Null gespielt, was in der Liga sehr wichtig ist und außerdem hat man zweimal auswärts gewonnen. Ich hoffe man baut jetzt darauf auf und redet am Ende ein starkes Wort um den Aufstieg mit.

Worauf kommt es in der dritten Liga besonders an?

Das Entscheidende in der Liga ist, dass du eine homogene Mannschaft sowohl in erfolgreichen als auch schwierigen Zeiten hast. In der dritten Liga wird vielleicht nicht der schönste Fußball gespielt, aber das ist die Liga für Kampfgeist und Wille. Das ist das, was die Hansa auch braucht. Hinten kompakt stehen, motiviert nach vorne marschieren und zeigen, dass man wirklich in die zweite Liga will. Die Unterstützung der Fans ist da. Rostock hat ja trotz dritter Liga einen Zuschauerschnitt von 12000 Zuschauern.

Sie sind gebürtiger Berliner, haben aber den größten Teil ihrer aktiven Karriere bei Rostock verbracht und waren nach dem Karriereende auch als Manager beim Verein tätig. Woher kommt diese starke Bindung zum Club?

Die kam durch die ersten drei Jahre hier. Wir waren damals ein kleiner Kader und haben hier eine riesige Euphorie entfacht. Plötzlich hatten wir ausverkauftes Haus und haben den Aufstieg geschafft. Trotzdem ist beim Verein immer alles sehr familiär geblieben. Ich bin ja 1997 auch nicht gewechselt, weil ich mich nicht wohlgefühlt hätte, sondern weil es sportlich der nächste Schritt war, nach Leverkusen zu gehen. Um Champions League oder im Nationalteam zu spielen, musst du das tun.

Hansa Rostock hat immer wieder Probleme mit gewaltbereiten Fans. Gibt es für diese Probleme eine Lösung?

Nein, das ist wie mit den absurden Ablösesummen. Das ist kein Rostock-Problem, oder Problem im Osten, sondern ein gesamtgesellschaftliches. Ich will niemanden verleumden, aber auch nahezu jedes Team in der ersten Liga hat Probleme mit gewaltbereiten Fans. Um das zu lösen, müssten alle an einem Strang ziehen: Politik, Medien, Vereine, DFB, DFL, Fanclubs usw. Wie es im Detail funktionieren soll diese „Fans“, die den Fußball kaputtmachen, aus dem Stadion zu bekommen, weiß ich leider nicht.

Wie beurteilen Sie die Aussage von Ansgar Brinkmann, in der er sich mit den gewaltbereiten Fans von Dresden solidarisiert? Sind solche Statements von Ex-Fußballern problematisch?

Also ich glaube, wenn Brinkmann etwas sagt, ist es nicht problematisch für irgendjemanden. So einen hohen Stellenwert hat er nicht. Ganz allgemein haben solche Ausschreitungen und Krawalle, die von den sogenannten Fans veranstaltet werden, mit Fußball nichts zu tun und schaden immer den Clubs und dem ganzen Fußball. Das ist traurig, weil der Fußball die beliebteste Sportart ist, wo Familien zusehen gehen, wo es um Spaß und eine tolle Atmosphäre geht. Und drei Prozent der Fans sind gewaltbereite Idioten, die genau das kaputtmachen.