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Tischfußball als analoge Spielwiese

Weg von der Konsole – ran an den Tisch!

Wenn Werner Schulze-Erdel damals beim berühmten Familienduell gefragt hätte „Nennen Sie uns eine Kneipensportart“, wären Darts, Billard und Tischfußball wohl ganz oben auf der Liste. Wie wir alle wissen, hat Darts sich mittlerweile zu einer massenkompatiblen Sportart gemausert und begeistert Hunderttausende bei der jährlichen WM. Dort müssen immer größere Räume zur Verfügung stehen, um den Massen an Zuschauern (besonders aus Deutschland) gerecht zu werden. Weit weg von der Hysterie, dafür trotzdem weltbekannt, sind die Billard-, Pool- oder Snookerspieler wie Ronny O'Sullivan, die natürlich weit weg von Kneipen dem Spiel mit den kleinen Phenolharz-Kugeln einen besseren Glanz vorweisen. Es ist auf professioneller Ebene ein Spiel der gehobenen Gesellschaft. Bleibt da noch der Tischfußball.

Neidisch blicken die, die wirklich nur ab und an ein bisschen kicken, weil in der Kneipe auf St. Pauli grad so ein Gerät in der Ecke steht, auf die, die es drauf haben. Ballannahme, ein bisschen mit dem Griff wackeln und ein gekonnter Schuss ins Eck. So ähnlich wie auf dem Großfeld-Pendant, gegen blutige Amateure sieht das im Club nur noch einfacher und für eben diesen Amateur noch verheerender aus, besonders wenn der vorher noch mit seinen Fußballtricks prahlt. „So schwer kann das doch nicht sein.“ Aber der Tisch hat halt seine eigenen Gesetze.

Das sind die fünf wichtigsten Moves:

Hamburg wird zur Bühne der Weltelite des Tischfußballs

Die Tischkicker-Weltelite versammelt sich nun zum zweiten Mal nach 2006 in Hamburg. Etwa 800 Spieler aus 41 Nationen reisen an die Elbe. Neben den Favoriten aus den USA, Frankreich, Belgien, Österreich und Luxemburg sind auch viele weitere europäische Teams dabei. Zu dieser WM kommen so viele aktive Spieler wie noch nie und so sind auch Teams aus Argentinien, Weißrussland, China, Brasilien, Iran, Japan, Südkorea, Taiwan, Peru, Südafrika, Indien, Benin, Kanada und Uruguay vertreten. Die Tischfußball-Gemeinde sieht sich als Völkerverständiger, denn am Tisch sprechen schließlich alle die gleiche Sprache. Es fördert die Gemeinsamkeit und nicht das Gegeneinander und trägt viel zu einem friedlichen Miteinander, durch alle gesellschaftlichen Schichten hindurch, bei. Eben ein Spiel für Jedermann.

In der Osterwoche von Mittwoch, dem 12. April bis Sonntag, den 16. April 2017, verwandelt sich der Theater-Hotspot Kampnagel in zahlreiche Tischfußball-Arenen. Das sportliche Highlight endet am Sonntagabend mit dem Herren Mannschafts-Finale in der Silpion-Arena. Das deutsche Herrenteam zählt zu den Mitfavoriten, aber Topfavoriten sind das All-Star-Team der USA sowie der Titelverteidiger aus Luxemburg. Die deutsche Delegation zählt dennoch traditionsgemäß zu den stärksten Nationen und holte mit 5mal Gold, 3mal Silber und 6mal Bronze die meisten Medaillen bei der letzten WM 2015 in Turin, Italien.

Weltmeisterschaft wird ein Event für Jedermann

Während der fünf Tage erwartet die Besucher hoch präziser und mentaler Spitzensport, aber auch viel Kicker-Spaß. Insgesamt werden diesmal 25 Weltmeistertitel ausgespielt, in fünf verschiedenen Disziplinen jeweils in den Kategorien Herren, Damen, Senioren (Ü50), Junioren (U18) und Rollstuhlfahrer. Das bedeutet, in über 4000 Spielen auf 120 Tischen können die Zuschauer die Besten im Tischfußball-Sport bewundern. Die Besucher können sich auch selbst ausprobieren: Es werden Turniere für Schulen und Jugendhäuser, Inklusions-Turniere und Turniere für Freizeit- und Hobbyspieler geben. Für alle, die es zum ersten Mal ausprobieren gibt es auch Tipps und Tricks von den Profis.

Solltet ihr nun auch Bock auf Kickern haben, dann müsst ihr das beim Kauf eines Tisches beachten:

Tischfußball kämpft um Anerkennung

Das Problem vieler „kleiner“ Sportarten ist die Akzeptanz, die Aufmerksamkeit und die damit einhergehende finanzielle Unterstützung, ohne die es nicht möglich ist solche Veranstaltung auf die Beine zu stellen. Die deutschen Verbände kämpfen derzeit um eine Mitgliedschaft beim DOSB, um als offizielle Sportart anerkannt zu werden. Anschließend wäre es für viele Tischfußballer ein Traum, wenn Tischfußball irgendwann einmal sogar olympisch werden könnte. Dann hätte es der Sport geschafft, den Weg von der Kneipe ins Olympische Dorf.