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Wie Taekwondo Nord- und Südkorea näher bringt

Bei der WM in Südkorea nehmen erstmals Kämpfer aus dem Norden teil. Ein Novum in der Historie der verfeindeten Bruder-Staaten.

Dieser Sport baut Brücken! Wenn in diesen Tagen in Südkorea die Weltmeisterschaften im Taekwondo stattfinden, rückt die Welt ein Stück zusammen. An den 23. Titelkämpfen in Muju nehmen 971 Starter aus 183 Nationen teil. Das Besondere: Erstmals seit zehn Jahren haben die Ausrichter auch eine Delegation aus Nordkorea eingeladen. Das 15-köpfige Jugendteam startet außer Konkurrenz und wird Schaukämpfe absolvieren. Zudem reisen ein Trainer und 20 Offizielle des nordkoreanischen Verbandes an. „Wir sind hierher gekommen, um zur Einigung des Taekwondo beizutragen“, sagte der Präsident des nordkoreanischen Verbandes, Ro Yong Sun. Ein Novum in den Beziehungen beider verfeindeter Bruder-Staaten.

Taekwondo bringt Gegensätze in Einklang

Dabei könnte Taekwondo als ein Instrument der Annäherung dienen. Die Ursprünge der Kampfkunst gehen gut 2000 Jahre zurück. Der Nationalsport gilt als Teil der gesamt-koreanischen Identität. Das „Do“ im Namen bedeutet Weg und nimmt Bezug auf die mentale Seite der Sportart. Im Laufe der Zeit nahm das Taekwondo verschiedene Einflüsse aus Religion und Philosophie auf. Der Respekt vor dem Meister, dem Älteren und dem Gegenüber stammt aus dem Konfuzianismus. Zudem vereint der Sport Gegensätze, die hier in Einklang gebracht werden – Körper und Geist, Angriff und, Verteidigung, Aggression und Zurückweichen.

Kampfkunst ist seit 2000 olympisch

Nach dem zweiten Weltkrieg und der Teilung in Nord- und Südkorea entwickelte sich das Taekwondo in beiden Teilen der Halbinsel unterschiedlich. Im Süden trieb General Choi Hong-hi die Entwicklung des Taekwondo voran. Die Disziplin wurde zum südkoreanischen Volkssport und als Pflichtfach an allen Militärakademien und Polizeischulen des Landes gelehrt. Mitte der 60er Jahre verbreiteten Großmeister die Kampfkunst in der ganzen Welt. Auch in Europa und Deutschland entstanden erste Vereine und Kampfschulen. Seit den Olympischen Spielen 2000 in Sydney ist Taekwondo – nach Muster der 1973 gegründeten World Taekwondo Federation (WTF) mit Sitz im südkoreanischen Seoul – olympisch.

Die nordkoreanische Variante ist in der International Taekwondo Federation (ITF) organisiert. Sie gilt als härter und kämpferischer und folgt zum Teil anderen Regeln. Schläge zum Kopf sind erlaubt, in Südkorea nur Tritte. Durch die Unterschiede im Regelwerk und die strikte Trennung der verfeindeten Bruder-Staaten kam es bislang nur selten zu innerkoreanischen Duellen.

Ist Nordkorea bei Olympia 2018 dabei?

Jetzt also eine erste Annäherung bei der WM. Dabei werden Teams aus dem Norden und Süden bei der Eröffnungs- und Abschlusszeremonie in Demonstrationskämpfen gegeneinander antreten. Ein Verdienst von Südkoreas Präsident Moon Jae-in, der auf einen Entspannungskurs mit dem Norden setzt. Sein Wunsch ist es auch, dass nordkoreanische Sportler zu den Olympischen Winterspielen 2018 im südkoreanischen Pyeongchang anreisen. Bislang hat Nordkorea nur ein einziges Mitglied im Internationalen Olympischen Komitee (IOC), das über Olympia 2018 verhandelt. Klappt die Teilnahme, wäre es ein Meilenstein in der Annäherung beider Bruder-Staaten.