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Force India – die Budget-Weltmeister

Das Team des Inders Vijay Mallya überrascht immer wieder

Mit Rang 4 bei den Konstrukteuren erreichte das Sahara Force India Formel1-Team im Vorjahr seine bis dato beste Platzierung – hinter den großen Drei sammelte man 173 WM-Zähler und verwies Traditionsrennstall Williams auf Rang 5. Keine Mannschaft in der Formel 1 macht aus dem eigenen Budget so viel wie der unter indischer Lizenz antretende Rennstall.

Stichwort Kosteneffizienz – lediglich ein Teil des eigenen Formel1-Wagens entsteht in der Fabrik im englischen Silverstone. Vieles hat man outgesourced. Man nutzt u.a. den Windkanal von Toyota in Köln, dazu werden einige Komponenten, wie die Seitenkästen, oder auch das Monocoque und der Unterboden nicht im eigenen Werk gefertigt. Unterm Strich fährt man so günstiger.

Was die Truppe daraus in den letzten Jahren gemacht hat, war schon eine fast weltmeisterliche Leistung. Kleine Upgrades am Wagen brachten dem Team rund um Chef Vijay Mallya sogar Podestplätze ein, der Mexikaner Sergio Perez durfte das ein oder andere Mal sogar aufs Formel1-Podium klettern. In einer Zeit, in der nur die großen und finanziell starken Teams eine Chance in der Königsklasse haben, eine nicht zu unterschätzende Leistung.

Höhenflug bis maximal Platz 4

Die Leistung der Mannschaft beweist, dass Geld nicht alles ist. Dennoch kann man natürlich nicht annähernd so schnelle Entwicklungsschritte wie die Top-Teams vollziehen. Das beste Beispiel war die Saison 2015, als zu Beginn so gar nichts zusammenlief, man sich aber stetig ans Mittelfeld heranarbeitete und plötzlich wieder zum Punktesammler werden konnte.

Realistisch betrachtet ist Platz 4 in der Herstellerwertung ein Riesenerfolg, diesen zu wiederholen wird 2017 fast unmöglich. Neben Mercedes, Red Bull und Ferrari muss man auch Renault und McLaren mit Honda-Unterstützung wieder deutlich mehr auf dem Radar haben. Hier wird es schwierig für die Truppe, den Platz zu halten.

Sergio Perez

Konstante Sergio Perez – Hoffnungsträger Ocon

Sergio Pérez geht in seine vierte Saison bei Force India, zuletzt immer auf Augenhöhe mit Nico Hülkenberg unterwegs, war es auch der Mexikaner und nicht das deutsche Talent, der die Podiumsplätze holen konnte. Perez ist nach seiner wilden McLaren-Zeit 2013 gereift, zweikampfstark und schnell genug.

Der 20-Jährige Franzose Esteban Ocon wird es nicht einfach haben, mit „Checo“ mitzuhalten. Der Mercedes-Junior sah aber letztes Jahr auf Anhieb stärker aus als Pascal Wehrlein, als beide bei Manor fuhren. Dazu darf man nicht vergessen, dass der schnelle Franzose in seinem Formel3-Meisterjahr einen gewissen Max Verstappen geschlagen hat. Ocon wird schnell lernen und zum Jahresende Perez sicher vor einige Schwierigkeiten stellen.

Der Abgang von Nico Hülkenberg zu Renault wird dem Team sicherlich nicht gut tun, doch der Deutsche weiß auch, dass mehr als der Platz hinter den Top-Teams bei Force India nicht drin sein wird.

Seit 2008 auf dem Weg nach oben – das Formel1-Erbe von Jordan

Der indische Geschäftsmann Vijay Mallya ist seit 2008 mit seinem Force India-Team in der Formel 1 dabei. Los ging es damals mit dem Fahrerduo Adrian Sutil und Giancarlo Fisichella – man blieb erwartungsgemäß punktelos. Seither geht der Weg des Teams langsam, aber stetig nach oben, bis man 2016 das erfolgreichste Jahr feiern konnte.

Was viele heute nicht wissen, Force India ist so etwas wie das Formel 1 Erbe des ehemaligen Jordan-Teams. Jordan Grand Prix stieg 1991 in die Formel 1 ein, in Spa sorgte damals ein gewisser Michael Schumacher für Aufsehen. Jordan konnte Grand-Prix Siege feiern und sich lange an der Formel1-Spitze halten, ehe ab dem Jahr 2003 der Abstieg begann. Ende 2004 ging das Team an den russischen Oligarchen Alex Shnaider und hieß fortan Midland, nur um kurz danach an den Niederländer Michiel Mol verkauft zu werden. Jetzt ging man als Spyker an den Start, bevor Ende 2007 Mallya die Bühne betrat und den Rennstall zu dem machte, was er heute ist.

Heinz-Harald Frentzen-Jordan Grand Prix

Force India wird unter den ersten Sechs der Konstrukteurs-WM landen, eine Wiederholung von Rang 4 wird schwer. Unterm Strich zeigt das Team aber, wie Formel 1 auch heute noch funktionieren kann – die Königsklasse braucht mehr von solchen Mannschaften.