Fire

Die Halo-Frage in der Formel 1

+++ Übertrieben oder nicht? Cockpitschutz Halo kommt 2018 +++

In der Königsklasse des Jahrgangs 2017 hat sich einiges getan. Die Autos wurden breiter und schneller, die neuen Eigentümer der Formel 1, Liberty Media, wollen mit dem Sport wieder näher an die Zuschauer heranrücken.

In der kommenden Saison kommt allerdings jetzt Halo – der Cockpitschutz, den die wenigsten im Feld willkommen heißen.

FIA spricht Machtwort – Die Motorsportbehörde greift durch

Der Präsident der obersten Motorsportbehörde FIA, der Franzose Jean Todt, hat vor kurzem für klare Verhältnisse gesorgt. Obwohl sich neun von zehn Teams der Formel 1 gegen den ungewöhnlichen Cockpitschutz aussprachen, fiel die Entscheidung, dass dieser 2018 kommt.

Der Chef der FIA kann das tun, wenn es sich um sicherheitsrelevante Aspekte handelt. Das ist aber schon ewig nicht nötig gewesen und zeigt die Abneigung gegen diese Vorrichtung.

Formel 1 mit Heiligenschein

So kommt er nun im nächsten Jahr, der Halo, was übersetzt übrigens Heiligenschein bedeutet. Das Sicherheitskonzept ist recht simpel: Zwei Titanstreben, die seitlich am Cockpitrand befestigt sind, werden nach vorne in Fahrtrichtung geführt und laufen über dem Fahrer in einer großen Strebe zusammen. Der Pilot soll so künftig nicht mehr herumfliegenden Gegenständen schutzlos ausgeliefert sein.

Eine Strategiegruppe beschäftigte sich schon länger mit diesem Vorhaben. Der Kopf des Fahrers bleibt trotz aller Sicherheitsmaßnahmen der wunde Punkt. Schmerzlich muss man sich an das Ende der Saison 2014 erinnern, als der junge Jules Bianchi bei nassen Streckenbedingungen unter einen Bergungskran rutschte. Der Ferrari-Nachwuchsmann fiel ins Koma und verstarb im Juli 2015.

Das Thema Cockpitschutz wurde seitdem mit verschiedenen Varianten getestet, der Aeroscreen bei Red Bull, zuletzt das Shield bei Ferrari – so richtig konnte kein Konzept überzeugen.

Maximale Sicherheit durch Halo?

In der Formel 1 muss man permanent am Thema Sicherheit arbeiten. Doch was auf dem Papier besseren Schutz bietet, sieht in der Praxis anders aus. Die FIA hat veröffentlicht, dass man mit diesem Schutz einen ca. 18 Prozent besseren Schutz erreichen kann, allerdings sind die Betroffenen da durchaus anderer Meinung.

Viele der aktuellen Piloten hielten das System für übertrieben, mittlerweile hört man aber von kaum jemanden noch deutliche Worte, wenige, wie der deutsche Nico Hülkenberg, stellen sich öffentlich gegen Halo. Die aktuelle Lösung setzt die Hauptstrebe des Systems in das Blickfeld des Fahrers. Dazu kann sich der Bügel durchaus bei einem Unfall verformen, man steht also immer noch vor der Problematik, dass ein Pilot wegen Halo nicht aus dem Cockpit kommen könnte.

So bleibt am Ende ein mulmiges Gefühl bei dieser Entscheidung, ob man der Formel 1 damit einen Gefallen getan hat. Hundertprozentige Sicherheit wird es im Motorsport nie geben, der Versuch, diese mit solch einer Cockpitschutzvorrichtung zu erreichen, wird dem Sport keinen Gefallen tun.

Wenn Halo bei den meisten Teams bereits durchfällt, wird dies bei vielen Zuschauern nicht anders sein. Die Entscheidung der FIA bleibt ein Schnellschuss, ohne die Mehrheit der Entscheidungsträger der Formel 1-Rennställe mit an Bord zu haben. Das wird nicht nur optisch die Formel 1 wieder einbremsen.

Trotzdem wird man sich im Laufe des Jahres 2018 an Halo gewöhnen müssen, ob man will oder nicht. Die Bilder, die die Königsklasse dann liefert, werden aber nicht viele Freunde finden und ohne eine praktischere Lösung beim Cockpitschutz bleiben auch hinter der Sicherheit große Fragezeichen stehen. Wie Ex-F1-Pilot Martin Brundle schon sagte: „Halo verursacht so viele Probleme, wie er löst“.