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Die Red Bull-Schule – Der harte Weg in die Formel 1

+++ Nicht jeder der Red Bull-Junioren schafft den Weg bis in die Königsklasse +++

Mit Max Verstappen und Daniel Ricciardo hat Red Bull Racing in der Formel 1 einer der stärksten Fahrerpaarungen überhaupt. Beide kommen aus dem Red Bull Junior-Nachwuchsprogramm, das jungen Talenten den Weg bis ganz nach oben ebnen soll. Doch der Weg ist hart und beschwerlich und mancher bleibt dabei auf der Strecke.

Die Paradebeispiele – Von Sebastian Vettel bis Max Verstappen

Red Bull übernahm Ende 2004 das Jaguar-Team in der Formel 1 und ging ab der Folgesaison als eigenständiges Team an den Start. Vorher engagierte man sich bereits stark als Sponsor im Motorsport und baute auch sein Nachwuchsprogramm zügig aus. Wo augenscheinlich ein Talent unterwegs war, war Red Bull nicht weit.

Sebastian Vettel war ein Junior des österreichischen Dosenherstellers und nachdem er seinen Weg über die Formel 3 und die Formel Renault 3.5 bis in die Königsklasse fand, schaffte der heutige Ferrari-Pilot es insgesamt viermal auf den Weltmeisterthron mit Red Bull Racing.

Daniel Ricciardo schaffte ebenso wie Vettel über das Schwesterteam Toro Rosso den Sprung in eines der besten Cockpits der Formel 1, gleiches gelang Max Verstappen, den man während der Saison zu den großen Bullen holte. Doch diesen Karrieresprung schafften nicht viele Fahrer aus dem Red Bull-Kader, schließlich hat man zuzüglich Toro Rosso maximal vier Plätze in der Formel 1 zu vergeben.

Kurze Formel 1-Karrieren – Der Durchbruch blieb bei vielen aus

Jüngstes Beispiel, wie es auch laufen kann, ist der Russe Daniil Kvyat, der schon im Team von Red Bull angekommen war, dann aber gegen Verstappen ausgetauscht wurde. Bei fehlender Leistung wird man halt auch schnell aussortiert, der Konkurrenzkampf ist enorm. Die Laufbahn in der Formel 1 von Kvyat ist vorerst beendet, so schnell wird er kein Cockpit mehr finden.

Zahlreiche Piloten schafften es in den letzten Jahren mit Unterstützung von Red Bull in die Königsklasse, doch glücklich wurden sie hier nicht. Der Franzose Jean-Eric Vergne war im Nachwuchsbereich noch einen Hauch vor dem Australier Ricciardo unterwegs, konnte sich aber nicht durchsetzen und fährt heute in der Formel E.

Der Spanier Jaime Alguersuari debütierte in der Formel 1 mit gerade einmal 19 Jahren und galt als eines der Talente schlechthin. Doch bei Toro Rosso ging für den Junior nicht viel zusammen. Bis 2011 blieb er ohne nennenswerten Erfolg in der Königsklasse. Danach gab er hier und da noch ein kurzes Gastspiel im Motorsport, Ende 2015 hängte er den Helm dann endgültig an den Nagel.

Der Schweizer Sebastien Buemi war ebenfalls Red Bull-Junior, konnte sich aber in der Formel 1 nicht durchsetzen. Heute ist er Toyota-Werkspilot auf der Langstrecke und ein Ass in der Formel E – immerhin gehörte er als Reservefahrer noch zum erweiterten Formel 1 Kader 2017 des Energy Drink-Herstellers.

Oder dann war da ein gewisser Scott Speed. Der US-Amerikaner mit dem wohl passendsten Namen für motorsportliche Aktivitäten galt als die US-Hoffnung in der Formel 1. Mitte der Saison 2007 wurde er allerdings gefeuert, neben fehlenden Ergebnissen gab es Streitereien mit Toro Rosso-Teamchef Franz Tost. Heute ist er in den USA im Rallycross-Sport aktiv.

An die Red Bull-Piloten der Formel-1-Anfangszeit des Rennstalls erinnern sich heute auch nur noch wenige. Der Niederländer Robert Doornbos versuchte sich 2006, konnte aber ebenso wenig überzeugen wie der Italiener Vitantonio Liuzzi beim Rennstall von Toro Rosso. Der Österreicher Christian Klien konnte sich bei den roten Bullen ebenfalls in den Jahren 2004 bis 2006 nicht durchsetzen.

Siege und Titel sind Pflicht für den Aufstieg

Einmal aus dem Förderkader raus, ist man bei Red Bull meistens Geschichte. Die bis dato einzige Ausnahme stellt der Neuseeländer Brendon Hartley dar, der in diesem Jahr sein spätes Formel-1-Debüt bei Toro Rosso mit 28 Jahren gab und auch für 2018 ein Cockpit bekommen hat.

Hartley war schon Ersatzfahrer der Formel 1-Mannschaft, doch er brachte in den Nachwuchsserien nicht die geforderten Ergebnisse. 2006 nahm man ihn in das Juniorenprogramm auf, 2010 flog der Youngster hier aber wieder raus, seine Resultate blieben dürftig – zu wenig für Red Bull.

Der Neuseeländer machte sich in den letzten Jahren mit Porsche wieder einen Namen in der Langstrecken-WM und fand nun den Weg zurück. Sicher auch mangels Alternativen, denn Piloten mit dem Formel-1-Führerschein, der Superlizenz, sind dünn gesät bzw. vielen Piloten fehlt aktuell noch die Voraussetzung.

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In den ersten Jahren der Junioren-Förderung sah man vor allem in den Nachwuchsformelklassen noch reichlich Boliden mit Red Bull-Unterstützung. Viele fielen dabei aber auch durch das Raster, wenn eben kein Titel oder viele Siege eingefahren wurden. Anno 2017 ist der Kader im Vergleich zu damals deutlich geschrumpft.

Pierre Gasly hat es als Letzter einer langen Liste von Piloten in die Formel 1 geschafft, doch ob dem Franzosen 2018 bei Toro Rosso der Durchbruch gelingen wird, steht in den Sternen. Aktuell im Juniorkader sind noch der 16-jährige US-Amerikaner Neil Verhagen, der Finne Niko Kari, der Niederländer Richard Verschoor und Dan Ticktum. Der Brite erlebte kein einfaches Jahr, konnte allerdings den Formel-3-Klassiker in Macau gewinnen und darf wohl deshalb noch ein Weilchen länger den Red Bull F1-Traum träumen.