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Ferrari – Traditionsrennstall unter Zugzwang

Die Roten stehen vor der Formel1-Saison 2017 enorm unter Druck

Für die Roten aus Maranello ist der Druck vor der Formel1-Saison 2017 enorm gestiegen. Das "cavallino rampante", das springende Pferd, weltbekanntes Markenzeichen von Ferrari, lahmte in den letzten Jahren in der Königsklasse einfach zu sehr. Statt Siegen sah man im Vorjahr die Konkurrenz von Mercedes oft nur in der Heckansicht und hatte gegen Ende des Jahres auch gegen Red Bull keine Chance.

Trotz enormer interner Umstrukturierungen seit Ende 2014, als mit Maurizio Arrivabene ein neuer Teamchef das Zepter in die Hand nahm, blieb der Schritt zurück auf den WM-Thron der Mannschaft verwehrt.

Vettel und Räikkönen – Das Ferrari-Duo muss liefern

Mit der Verpflichtung des viermaligen Formel1-Weltmeisters Sebastian Vettel wollte man mit der Saison 2015 eine neue Ära einläuten. Die Ehe Vettel und Ferrari begann auch hoffnungsvoll, 3 Siege feierte man, der Auftrieb schien deutlich. 2016 jedoch kam die Ernüchterung, der Bolide erfüllte nicht die Erwartungen, gegen Ende des Jahres schien dem Deutschen immer mehr der Geduldsfaden zu reißen, sei es mit der ein oder anderen übertriebenen, harten Aktion auf der Rennstrecke oder Schimpftiraden am Boxenfunk. Dass es bei Ferrari nicht einfach ist, merkte man dem erfolgsverwöhnten Heppenheimer deutlich an.

Kimi Räikkönen war 2016 deutlich näher an seinem Teamkollegen dran, vor allem gegen Ende des Jahres konnte der stoische Finne in der Qualifikation überraschen und Vettel auch schon mal schlagen. Der große Durchbruch gelang aber auch dem aktuell letzten Ferrari-Formel1-Weltmeister nicht. Der Finne setzte sich im Finale 2007 damals knapp gegen die Konkurrenz von McLaren durch und war der letzte Pilot, der am Steuer eines Roten die WM-Krone errang.

Beide Fahrer stehen zunächst nur noch für nächstes Jahr unter Vertrag. Sebastian Vettel muss zeigen, dass er die Truppe nach oben führen kann, das wird allerdings kein leichtes Unterfangen. Vor ihm sind schon andere Weltmeister an dieser Aufgabe gescheitert, etwa Fernando Alonso oder auch Alain Prost in den frühen 90er Jahren, einzig Rekordweltmeister Michael Schumacher brachte die Scuderia Ferrari auf einen langen Erfolgskurs.

Es ist unwahrscheinlich, dass Kimi Räikkönens Vertrag über 2017 hinaus verlängert wird, seine Leistungen sind solide, man hat aber den Eindruck, dass die Italiener ab 2018 eher frisches Blut im Team haben wollen. Für Sebastian Vettel wird 2017 ein enorm wichtiges Jahr in seiner Karriere. Das Talent hat er, wenn der Bolide des neuen Jahrgangs einigermaßen passt. Doch er muss das Team auch auf Kurs halten können, wenn es mal nicht so läuft, wie gewünscht.

Tradition verpflichtet – die lange Durststrecke

Seit Gründung der Formel1-Weltmeisterschaft 1950 ist Ferrari fester Bestandteil des Feldes. Über 200 Grand-Prix-Siege, dazu 15 Fahrer- und 16 Konstrukteurs-Weltmeisterschaften stehen für die Italiener zu Buche, sie sind damit das erfolgreichste Team der Formel 1-Geschichte.

Doch Durststrecken kennt man in Maranello leider auch zur Genüge. In den 80er und 90er Jahren tat man sich schwer, erst mit der Verpflichtung von Michael Schumacher für die Saison 1996 begann der Wiederaufstieg zum absoluten Spitzenteam. Von 2000 bis zum Jahr 2004 gewann man fünf Mal in Folge die Fahrerweltmeisterschaft und auch die Teamwertung, die man 2008 letztmalig gewinnen konnte.

Erfolgsjahre mit Michael Schumacher

Seither geht die Tendenz eher abwärts, gegen Mercedes und Red Bull wird es 2017 schwer, eine Kehrtwende zu erreichen, insbesondere wenn es intern immer wieder zu einigem Gerangel kommt.

Doch anders als im Vorjahr spuckt man keine großen Töne sondern lässt Taten sprechen. Der 2017er Ferrari hat interessante Detail-Lösungen im Bereich der Aerodynamik und spulte schnell einiges an Runden ab und konnte auch Testbestzeiten verbuchen. Diese sind allerdings in der Formel 1 nichts wert, so dass erst der Saisonauftakt wirklich zeigen kann, wo man steht. Ferrari hat aber über den Winter einen deutlichen Schritt nach vorne gemacht, da sind sich alle Beobachter einig.

Podiumsplätze muss man erwarten können, Grand-Prix-Erfolge sollen natürlich her. Das ist 2017 durchaus möglich, entscheidend wird die Weiterentwicklung während der Saison im Vergleich zu Mercedes und Red Bull sein. Der Durst nach Erfolg ist groß, ob ihn die Piloten bereits 2017 ganz stillen können, muss man allerdings in Frage stellen.