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Formel 1 – Die Teamduelle der Saison 2017

+++ Wer hatte in der Königsklasse teamintern die Nase in diesem Jahr vorne? +++

Nach dem Saisonfinale der Formel 1 im fernen Abu Dhabi ist es an der Zeit, einen Blick auf die teaminternen Duelle der Piloten zu werfen. Dabei gab es auch in diesem Jahr wieder einige Überraschungen.

Mercedes und Ferrari – Klare Rollenverteilung

Bei den beiden besten Teams des Jahres war die Hackordnung sehr schnell klar. Das zeigt nicht nur der WM-Endstand. Weltmeister Lewis Hamilton musste sich nur selten hinter Teamkollege Valtteri Bottas einordnen, vor allem nach der Sommerpause war der Finne eindeutig die Nummer 2 bei den Silberpfeilen.

Von Saisonbeginn an hat bei Ferrari Kimi Räikkönen diese Rolle übernommen, gegen Sebastian Vettel konnte der Weltmeister von 2007 nicht mithalten. Während Bottas bei Mercedes immerhin drei Grand Prix-Siege einfahren konnte, gab es für Kimi nur zwei zweite Plätze. Die Rangordnung bei beiden Rennställen unterstreicht der Blick auf die Qualifikation, in den Trainingsduellen stand es am Ende des Jahres bei Mercedes 13:7 für Hamilton und bei Ferrari 15:5 für Vettel.

Enger Kampf – Red Bull, Force India, Haas und Sauber

Ganz anders sah die Lage im Mittelfeld und direkt hinter den Silbernen und Roten aus. Red Bull Racing hat mit Max Verstappen und Daniel Ricciardo eines der schlagkräftigsten Duos am Start. Hier ging das Pendel am Ende des Jahres in Richtung des Niederländers, der zwei Grand-Prix-Siege feiern konnte und in der Qualifikation mit 13:7 die Nase vor dem Australier hatte. Der gewann den Großen Preis von Aserbaidschan, sammelte insgesamt zudem mehr WM-Zähler, Rang 5 in der WM vor dem Teamkollegen gab es dafür in der Endabrechnung. Beide Fahrer erlitten aber zahlreiche technische Pannen, sechs bzw. sieben Ausfälle mussten die Red Bull-Piloten hinnehmen. Dieser Zweikampf wird auch in der Zukunft eng bleiben.

Ricciardo und Verstappen

Bei Force India brauchte die Teamführung in diesem Jahr ordentlich Nerven. Sergio Perez gegen Neuling und Mercedes-Junior Esteban Ocon hieß es im indischen Rennstall, das Duell ging auch oftmals für beide schlecht aus. In der Qualifikation setzte sich der erfahrene Mexikaner noch mit 13:7 durch, doch je weiter die Saison voranschritt, desto besser wurde der Franzose. In der Fahrer-WM setzte sich am Ende Perez mit 100 Zähler gegen Ocon mit 87 durch, aber auch dieser Zweikampf wird im nächsten Jahr wieder für Furore sorgen.

Beim US-Team von Haas galt Romain Grosjean vor dem Start ins Jahr als klare Nummer 1. Doch in der zweiten Saisonhälfte hatte oft auch Teamkollege Kevin Magnussen die Nase vorne. In der Qualifikation spiegelt das ein 12: 8 für den Franzosen wieder. Zwar schlug der Däne im Renngeschehen öfters mal über die Stränge, doch gegen Ende des Jahres war er im Renntrimm besser unterwegs als sein erfahrener Teamkollege. Der holte zwar neun WM-Zähler mehr (28:19 Punkte), geriet aber teamintern immer mehr unter Druck.

Pascal Wehrlein tat sich unterdessen bei Sauber schwer gegen Marcus Ericsson. Zwar holte der Deutsche fünf WM-Zähler für die Truppe aus der Schweiz, in der Qualifikation war das ganze aber eine enge Angelegenheit, denn er setzte sich hier nur mit 11:7 durch. Der Schwede war insgesamt deutlich näher dran, als man das erwarten konnte.

Nico Hülkenberg

Klare Sache – Renault, McLaren, Williams und Toro Rosso

Bei vier Teams war schnell klar, wer der Mann ist, auf den man sich am ehesten würde verlassen können. Bei Renault war dies Nico Hülkenberg. Joylon Palmer hatte nicht den Hauch einer Chance und wurde vom deutschen LeMans-Sieger von 2015 in Grund und Boden gefahren. Dies führte zu seiner vorzeitigen Ablösung. Hülkenbergs neuer Kollege Carlos Sainz kam von Toro Rosso und war direkt näher dran. Dennoch zeigte der Deutsche auch unter mehr Druck weiter beeindruckende Leistungen im Qualifying und war am Ende des Jahres klar die Nummer 1 bei Renault, von Renaults 53 Punkten holte er 43 Zähler.

Bei Toro Rosso konnte zu Beginn des Jahres der Russe Dani Kvyat noch mit dem Spanier Sainz mithalten, zumindest in der Qualifikation,  fiel im Rennen aber deutlich ab. Wie sich das erst gegen Saisonende neu eingesetzte Duo aus Pierre Gasly und dem Neuseeländer Brandon Hartley teamintern schlagen wird, das wird man erst im kommenden Jahr deutlich sehen können.

Bei Williams war es Felipe Massa auf seiner Abschiedstournee, der dem Youngster Lance Stroll nicht den Hauch einer Chance ließ. Der hatte einen mehr als guten Auftritt in Aserbaidschan mit einem Podiumserfolg, fiel aber gegen Jahresende wieder deutlich gegenüber dem Brasilianer ab, der der Formel 1 nach der Zielflagge in Abu Dhabi endgültig Adieu sagt.

2017 gewohntes Biild - Alonso vor Vandoorne

Last, but not least, der britische Traditionsrennstall von McLaren. Dessen Saison war erneut von einem desaströsen Honda-Motor bestimmt. Dass der Bolide an sich nicht schlecht war, konnte Fernando Alonso immer wieder beweisen. Vor allem in der Qualifikation quetschte er so manch außergewöhnliche Runde aus seinem McLaren-Honda. Sein junger belgischer Teamkollege Stoffen Vandoorne hatte da meist wenig Chance, in der Qualifikation hatte er mit 4:15 das Nachsehen. Vandoorne hat sicherlich reichlich Talent und von ihm wird man noch einiges hören, doch in dieser Saison traf er auf einen Altmeister in Bestform. Man darf gespannt sein, ob und wie sich die interne Hackordnung 2018 verschieben wird.