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Formel 1 - Teamduell der Saison - Perez gegen Ocon

+++ Zündstoff bei der Mannschaft von Force India +++

Die Rolle der Fahrer ist im Formel 1-Titelkampf klar verteilt. Bottas bei Mercedes und Räikkönen bei Ferrari sollen dazu dienen, der Nummer 1 im Team zu helfen. Ganz anders sieht das im vorderen Mittelfeld aus. So hat sich bei Force India der wohl interessanteste und auch intensivste Zweikampf zweier Teamkollegen in der Saison 2017 entwickelt, dabei kam man sich schon oft mehr als nur zu nahe.

Sergio Pérez vs Esteban Ocon

Bei Force India kann man eigentlich mit dem Verlauf der Saison bisher zufrieden sein. Die Mannschaft, die ab diesem Jahr auch im Pink-Panther Look antritt, liegt klar auf Rang 4 in der Konstrukteurs-Weltmeisterschaft. Man ist erneut klar „Best of the Rest“ und hat ein ordentliches Polster vor dem Team von Williams und liegt seinerseits klar hinter Red Bull Racing zurück.

So weit, so gut, doch die Mannschaft hätte sich noch über weit mehr WM-Zähler und vor allem weniger Schrott freuen dürfen, wäre da nicht das Stallduell Perez gegen Ocon.

Der mittlerweile 27-jährige Perez ist seit 2011 in der Formel 1 und bestreitet bereits seine vierte Saison bei Force India. Früh galt der Mexikaner als Rohdiamant, als er 2013 bei McLaren andockte. Überzeugen konnte er allerdings nicht, dennoch gilt er immer noch als sehr schneller Pilot, das musste noch im Vorjahr Nico Hülkenberg spüren, der sich teamintern 2016 gegen ihn schwer tat.

Aber Perez ist auch nicht gerade bekannt als Kind von Traurigkeit, das hat sich auch in diesem Jahr wieder gezeigt. Und jetzt ist mit Esteban Ocon einer im Team, der immer besser in Schuss kommt und vor allem in den letzten Rennen oft die Nase vor dem erfahrenen Teamkollegen hat.

Der 21-jährige Franzose und Mercedes-Protege geht in sein erstes richtiges Formel 1-Jahr, nachdem er 2016 neun Grand Prix für das Hinterbänklerteam von Manor bestritt.

Zwar sprechen die Zahlen noch für Perez, doch Ocon ist vor allem in der zweiten Saisonhälfte im Aufwind. Perez sammelte 68 Punkte, Ocon derer 56. Im Qualífikationsduell stehe es noch 11 zu 3 für den Mexikaner. Doch oft sind beide auf Augenhöhe unterwegs. Und da man sie – zunächst – frei fahren ließ, dauerte es nicht lange, bis sie sich mehr als nur einmal in die Quere kamen.

Teamduell eskaliert – verlorene Siegchancen

Vor allem drei Rennen standen bisher im Fokus, die den Teamverantwortlichen bei den Pinken so manch graues Haar beschert haben. Den ersten Zoff gab es in Kanada. Hier lagen beide Force India hinter dem Red Bull von Daniel Ricciardo, kamen aber nicht vorbei.

Ocon wollte an Perez vorbei, um seinerseits den Versuch zu starten, den Australier von Rang 3 zu verdrängen, doch der Mexikaner ließ ihn nicht. Ocon sah sich um die Podestchance gebracht, auch wenn das Team das Ganze im Nachhinein beschwichtigte. Doch der nächste Vorfall ließ nicht lange auf sich warten.

Es kam der Aserbaidschan Grand Prix in Baku. Bei diesem Chaos-Rennen bestand nüchtern betrachtet aufgrund der verhängten Strafen an der Spitze sogar eine Siegchance für die Pinken.

Ocon wollte Perez überholen und blieb dabei mit seinem rechten Hinterrad hängen. Der Franzose verlor an Boden, wurde am Ende immerhin noch Sechster, während Perez später aufgeben musste.

Beim Großen Preis von Belgien in Spa folgte dann der bisherige Höhe- oder auch Tiefpunkt des Teamduells. Gleich zweimal gerieten beide aneinander. In der Startrunde kam man sich zu nahe und als es später im Rennen bei der Anfahrt zur legendären und ultraschnellen Eau Rouge-Kurve ging, berührte man sich erneut. Die Folge für die Mannschaft: Statt vieler WM-Punkte gab es nur magere zwei Zähler auf das Punktekonto.

Die Teamführung hatte nach dem Belgien-Auftritt genug von dem gebotenen Schauspiel. Der Sportdirektor ließ verlauten, dass künftig an der Boxenmauer entschieden wird, wann überholt wird. Nach außen geben sich beide, Ocon und Perez, gelassen, doch man hat nicht das Gefühl, dass diese Rivalität beigelegt ist.

Auf jeden Fall müssen sich beide Fahrer noch länger miteinander arrangieren, denn beide werden auch im kommenden Jahr für Force India antreten. Manches Manöver war in dieser Saison zwar über dem Limit, doch irgendwie beschleicht einen das Gefühl, dass man von diesem Duell noch lange nicht das letzte gesehen hat.