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Formel E – Saisonauftakt mit Audi-Achterbahnfahrt

+++ Audi erringt ersten Sieg als Werksteam und verliert ihn wieder wegen eines Formfehlers +++

Während die meisten Rennserien im Motorsport gerade ihre Saison erst beendet haben, ist die Formel E in Hong Kong in ihre vierte Saison gestartet. Dabei überzeugten die beiden Rennen der Elektro-Rennserie mit reichlich Action und Kuriositäten.

Sieg mit Durchfahrtsstrafe nach Malheur in der Boxengasse

Im Hafen von Hong Kong ging es auf dem engen Stadtkurs um die ersten Punkte der Saison 2017/2018. Dabei steht die Formel E vor einem Übergangsjahr, denn Ende des nächsten Jahres wird sich vieles ändern. Neue Batterien für den Antrieb kommen dann, so dass die Rennen dann auch elektrisch durchgefahren werden können, aktuell muss man zur Halbzeit des Rennens auf ein zweites Rennfahrzeug wechseln, mehr gibt die Akku-Leistung nicht her.

Große Hersteller stehen vor der Tür, aber es dauert noch ein Weilchen bis Mercedes und Porsche hier mitspielen werden, vorher wird BMW offiziell antreten und Nissan Konzernpartner Renault ersetzen. Große Veränderungen haben sich also für die vierte Saison noch nicht ergeben, was auch der Saisonauftakt widerspiegelte.

Das Feld ist zusammengerückt und das ist aus motorsportlicher Sicht mehr als erfreulich. Dazu bot schon der erste Renntag in Asien beste Unterhaltung, das ging bereits in der Qualifikation los.

HKT Hong Kong E-Prix

Ex Red-Bull Junior Jean-Eric Vergne holte sich im Boliden vom Team Techeetah, die mit Renault-Technik unterwegs sind, auf mehr als ungewöhnliche Weise die Pole Position. In der letzten Kurve war er zu schnell unterwegs und konnte den Wagen nicht mehr halten, überquerte die Ziellinie rückwärts, aber dennoch mit Bestzeit.

Podium für Nick Heidfeld

Während beim Rennstart noch alles glatt lief, ging in der ersten Schikane dann nichts mehr. Neuzugang Andre Lotterer blieb hier hängen und hinter ihm kamen einige Piloten nicht vorbei, als Folge musste das Rennen abgebrochen und später neu gestartet werden. Hier war es dann der Engländer Sam Bird, der die Führung übernahm und davonzog. Beim Boxenstopp fuhr er allerdings fast einige Mitglieder seiner Crew über den Haufen – die unvermeidbare Folge: Durchfahrtsstrafe.

Die Strafe war allerdings fast keine, denn der Weg durch die Box ist sogar kürzer als der auf der Rennstrecke, so verlor Bird mit Tempolimit lediglich 5 Sekunden, blieb in Front und gewann das erste Rennen. Kopfschütteln bei der Konkurrenz dahinter, die von Vergne angeführt wurde, der sich mit Händen und Füßen erfolgreich gegen Nick Heidfeld wehren konnte. Der Deutsche fand keinen Weg am Franzosen vorbei und war am Ende mit dem dritten Rang nicht glücklich.

Daniel Abt

Wie gewonnen so zerronnen – Sieg von Daniel Abt wurde aberkannt

Daniel Abt ist seit Beginn der Serie mit im Feld vertreten. Der Kemptener stand aber seit jeher im Schatten von Teamkollege und dem letztjährigen Meister Lucas di Grassi. Doch rechtzeitig zu seinem 25. Geburtstag war der Deutsche in Bestform. Nach dem fünften Rang im ersten Rennen holte er sich endlich seinen ersten Sieg in der Formel E im zweiten Rennen, zumindest auf der Strecke.

Spät nach dem Rennen kam dann aber die Ernüchterung und die bittere Enttäuschung für den Deutschen und Audi. Wegen eines Formfehlers bei der Nachuntersuchung wurde dem Audi-Piloten der Triumph aberkannt.

Bei der technischen Abnahme wurde Abweichungen bei Teilenummern im technischen Wagenpass bemängelt. Der Wertungsausschluss erfolgte, auch wenn die Teile absolut baugleich sind und vollständig der Homologation entsprechen. Teamchef Allan McNish dazu: „Daniel ist an beiden Tagen fantastisch gefahren und hat diesen Sieg absolut verdient. Was uns vorgeworfen wird, ist offenbar ein Formfehler im Wagenpass, der uns keinen Vorteil gebracht hat. Wir wollen uns die Möglichkeit vorbehalten, im Detail zu klären, was geschehen ist. Deshalb haben wir eine Berufung angekündigt.“

Später entschied man sich dann aber mangels Erfolgsaussicht dafür, davon Abstand zu nehmen. Auch wenn das Vergehen keinen Vorteil mit sich brachte, entsprach man nicht den Regularien. Dennoch hätte man dies von offizieller Seite sicher im Sinne des Sports anders handhaben müssen, etwa mit einer Rückversetzung in der Startaufstellung beim nächsten Rennen.

Sehr schade jedenfalls für den jungen Abt, denn er lieferte eine famose Fahrt ab. Dabei zeigte sich wieder einmal, wie wichtig der Null-Fehler-Job in der Formel E ist. Die Boliden mit ihren Michelin Allwetter-Reifen und ihren gut 300 Kilogramm schweren Batterien sind alles anderes als einfach zu fahren, so dass man hier im Gegensatz zu vielen anderen Rennserien noch öfters Rutscher und Quersteher sieht.

An sich hatte Edoardo Mortara schon eine Hand am Sieg. Das Venturi-Team, die ab sofort mit Unterstützung von Mercedes-Partner HWA unterwegs sind, machten sich schon für die Feierlichkeiten bereit, als Mortara die Kontrolle über seinen Boliden verlor und sich drehte, aus war der Traum vom Sieg. Zwar reichte es noch für den dritten Rang hinter dem Schweden Felix Rosenqvist, sein Gesicht sprach aber Bände. Rosenqvist hatte unterdessen ebenfalls das Feld angeführt, als er in der Haarnadel nach Start-Ziel auch die Kontrolle verlor. Nach der Abt-Disqualifikation ist er zumindest aktuell dennoch der Sieger des zweiten Rennens.

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Enttäuschung bei den Favoriten

Einen rabenschwarzen Saisonauftakt erlebten aber vor allem die großen Namen der Formel E. Weder Lucas di Grassi, noch Sebastien Buemi spielten eine Rolle. Beide waren zwar schnell, nach vielen Problemen und Berührungen nehmen aber die Titelträger der beiden letzten Jahre nichts mit vom Saisonauftakt.

Dabei flammte die Rivalität der beiden Top-Piloten der letzten Jahre aber direkt wieder auf, als Buemi versuchte, den Brasilianer im ersten Rennen zu überholen und es zur Berührung kam.

Die Besonderheiten des Formel E-Fahrens bewies auch das Abschneiden der Neulinge. Weder Andre Lotterer, der mit seinem Boliden kurz vor Ziel noch in die Mauer einschlug, noch sein Weggefährte aus der Sportwagen-WM bei Porsche, Nee Jani, spielten im Vorderfeld eine Rolle. Einzig Edoardo Mortara, bislang für Mercedes in der DTM unterwegs, überraschte mit seinem Speed.

Nach dem furiosen Saisonauftakt können sich jetzt die Gemüter der Piloten und Teams erstmal wieder etwas beruhigen, der Kampf um die Formel E-Krone wird 2018 auf jeden Fall intensiver denn je. Nächste Station der Formel E ist jetzt am 13. Januar 2018 der Kurs in Marrakesch in Marokko.