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Graham Hill: Ein F1-Rennfahrer mit vielen Leidenschaften

Zwei WM-Titel und ein tragischer Unfalltod

Graham Hill war von 1958 bis 1975 als aktiver F1-Pilot unterwegs. Er überlebte die Ära des Motorsports, die womöglich die gefährlichste überhaupt gewesen sein dürfte. Doch beendete ein tragischer Unfall abseits der Rennstrecke sein Leben viel zu früh.

Spätstarter: So wurde Graham Hill Rennfahrer

Graham Hill kam erst sehr spät zum Motorsport, in der heutigen Zeit kaum noch vorstellbar. Erst mit 24 Jahren lernte er überhaupt das Autofahren.

Nachdem er sich sportlich schon eher dem Rudern zugewandt hatte, sah der Brite damals eine Anzeige einer lokalen Rennfahrer-Schule und begab sich zur Rennstrecke von Brands Hatch. Dort durfte er vier Runden auf der Traditionspiste drehen. Der Rennfahrer Graham Hill war geboren.

Nachdem er sich selbst als Renn-Instruktor versucht hatte, lernte er in diesem Umfeld einen gewissen Colin Chapman kennen, den legendären Teamchef beim Traditionsrennstall von Lotus.

Graham Hill und die F1: Vom Mechaniker zum Weltmeister

Graham Hill fing danach an, bei Chapman bzw. dem Lotus-Team als Mechaniker zu arbeiten, aber sein Ziel war zu dieser Zeit längst klar: Selbst am Steuer eines Rennwagens sitzen. Das sollte schneller funktionieren als gedacht, denn schon 1958 bekam er nach ersten eigenen Gehversuchen im Motorsport die große Chance und debütierte beim Großen Preis von Monaco als F1-Pilot. Hier war er bereits auf einem grandiosen vierten Rang unterwegs, als sich ein Rad verabschiedete und er aufgeben musste.

Graham Hill
Graham Hill

Im Laufe seiner Karriere sollte er an Monaco aber noch Gefallen finden, denn er gewann den Grand Prix im Fürstentum insgesamt fünf Mal. Hinter den Lotus-Fahrzeugen dieser Zeit stand allerdings immer ein Fragezeichen, vor allem in punkto Sicherheit. Die fragilen Boliden überzeugten Hill davon, für die Saison 1960 zum britischen Team von BRM zu wechseln.

Auf den ersten Podiumstriumph mit BRM in diesem Jahr stellte sich in der darauffolgenden Saison Ernüchterung ein. Erst 1962 passte das Paket Graham Hill und BRM. Mit einem neuen V8-Motor ausgestattet gewann er seine ersten Rennen in den Niederlanden, in Deutschland und in Italien. So lief es auf einen Showdown mit dem Schotten Jim Clark in Südafrika hinaus. Clark führte im Lotus, der hielt aber nicht, so dass sich Graham Hill den erneuten Sieg und damit seinen ersten WM-Titel sichern konnte.

Zweiter WM-Titel mit Lotus

In den Folgejahren musste er sich ganze dreimal mit der Vizeweltmeisterschaft begnügen. Vor allem die WM 1965 verlief äußerst knapp, denn eigentlich hatte Hill mehr Punkte gesammelt. Doch aufgrund der damals geltenden Regeln, als es noch Streichresultate gab, lag er am Ende einen winzigen Zähler hinter dem Champion dieses Jahres, John Surtees.

1966 erlebte er technisch bedingt ein schwieriges Jahr in der Formel 1, schaffte es aber, die berühmten 500 Meilen von Indianapolis in den USA zu gewinnen Das brachte ihm in der Welt des Motorsports bis heute eine Sonderstellung, gleich mehr dazu.

1967 kehrte er zu Lotus zurück und nachdem er im ersten Jahr viele Ausfälle hinnehmen musste, konnte er 1968 seinen zweiten WM-Titel einfahren. Dabei überschattete der Unfalltod seines Teamkollegen Jim Clark bei einem Formel 2-Rennen in Hockenheim die Motorsportszene.

Graham Hill

Im Folgejahr feierte er in Monaco seinen letzten Grand-Prix Erfolg, der zur WM zählte, geriet aber teamintern immer mehr unter Druck von Jochen Rindt, der meist schneller unterwegs war. Zudem überstand Hill in Watkins Glen/USA einen ziemlich haarsträubenden Unfall, als er aus seinem Wagen geschleudert wurde und sich die Beine brach.

Danach erreichte Graham Hill nie wieder die ganz großen Siege, blieb der Formel 1 aber noch bis 1975 erhalten. wo er nach einigen Teamwechseln sein eigenes Team in seinen letzten Jahren in der Königsklasse an den Start brachte. Mit der Mannschaft von Embassy Racing gelang es ihm jedoch nicht, ins Vorderfeld der Formel 1 vorzustoßen.

Bis heute ist der Engländer der einzige Pilot, dem es gelang, die sogenannte Triple Crown des Motorsports zu erreichen. Das bedeutet, neben dem Formel 1 Grand Prix in Monaco noch die 500 Meilen von Indianapolis und die 24 Stunden von Le Mans zu gewinnen.

Letzteres schaffte Hill im Jahr 1972 und schrieb damit Motorsportgeschichte, ist er doch bis zum heutigen Tag der einzige Rennfahrer, dem dies vergönnt war.

Graham Hill

Ein tragischer Rennfahrer-Tod

Graham Hill hatte in der F1 in seiner aktiven Zeit viele Rennfahrer-Kollegen durch Unfälle verloren, kam selbst aber glimpflich durch eine Zeit, in der Schreckensmeldungen auf der Tagesordnung standen. Sein eigener Tod war umso tragischer. Nur wenige Monate nach seinem Abschied vom Motorsport verunglückte Hill im Alter von 46 Jahren beim Landeanflug seines Privatflugzeuges auf London. Graham Hill saß selbst am Steuer, als er im dichten Nebel mit seinem Jet in ein Waldstück stürzte. Die F1-Welt verlor 1975 einen ihrer ganz Großen.

Graham und Damon Hill: Wie der Vater, so der Sohn

Damon Hill, Sohn der F1-Legende, erfuhr von dem schrecklichen Flugzeugabsturz aus den Nachrichten. Später beschrieb der damals 15-Jährige den plötzlichen Tod von Graham Hill als "Paukenschlag" und "emotionale Atombombe".

Der Teenager sei damals zuhause gewesen und sah im Fernsehen, dass etwas in der Nähe passiert sei. "Man musste kein Genie sein, um herauszufinden, was passiert ist", erzählte Damon Hill im Interview mit Sky.

So was ist einfach schockierend. Wenn man älter wird, wird einem klar, dass das überall auf der Welt passiert und dass wir alle verwundbar sind. Man braucht eine lange Zeit, um darüber hinwegzukommen, wenn man es überhaupt kann,sagte Damon Hill über den Unfalltod seines Vaters.
Damon Hill
Sohn Damon vor einer Bronzebüste von seinem Vater Graham Hill.

Ausgerechnet sein Sohn war es, der das Vermächtnis von Graham Hill wiederbelebte. Damon Hill übernahm ab dem Großen Preis von Großbritannien 1993 nicht nur das prägnante Helm-Design mit den symbolischen drei Ruderstreifen des Londoner Ruderclubs von seinem berühmten Vater. Er sicherte sich vier Jahre später auch den F1-Weltmeister-Titel. Bisher sind Graham und Damon Hill das einzige Vater-Sohn-Gespann im Rennsport, dem das gelang. Dabei war Damons Rennfahrer-Karriere ursprünglich gar nicht so wahrscheinlich:

Er fragte immer wieder, ob ich Rennfahrer werden würde, aber kam zu dem Schluss, dass ich zu intelligent dafür sei. Leider lag er falsch,erinnerte sich Damon.

Kosmetik: Die Marke Graham Hill

Was von Graham Hill bleibt, sind jedoch nicht nur seine Errungenschaften in der F1. Zeitzeugen schätzten den gebürtigen Londoner außerdem als Verkörperung des britischen Gentleman, was einerseits auf seine gepflegte Erscheinung zurückgeht, andererseits auf sein überaus höfliches und kultiviertes Auftreten. Charakteristisch für das Aussehen von Graham Hill waren insbesondere sein mit Wax zurückgekämmtes Haar und der mit Bartöl zurechtgezupfte Schnauzer. Kein Wunder, dass gar eine Kosmetik-Serie für Männer nach Graham Hill benannt wurde.