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Helden der Formel 1 – Jackie Stewart

+++ Der Schotte gehört mit drei WM-Titeln zu den Größen des Motorsports +++

War es in den 60er Jahren auch schon einmal der Schottenrock, ist es bis heute eine klassische schottische Mütze mit Karo-Muster, die unverkennbar Jackie Stewart ankündigt, wenn er im Fahrerlager der Formel 1 zu Gast ist.

Der mittlerweile 78-jährige gehörte zu den Fahrern, die die Königsklasse des Motorsports wie kein Zweiter prägte.

Vom Tontaubenschießen bis in die Formel 1

Jackie Stewart zeigte schon früh sein einzigartiges Talent, wenn es darum ging, einen Rennwagen schnell am Limit zu bewegen. Vorher war er allerdings auf einem ganz anderen Gebiet unterwegs. Als Tontaubenschütze gehörte er zu den Top 10 der Weltelite, bevor er sich für den Weg in den Motorsport entschloss.

Sein Bruder Jimmy war eigentlich derjenige, der im Rennwagen unterwegs war. Nach einem Unfall in Le Mans war dieser Sport allerdings nicht gerade der Favorit des Stewart-Elternhauses. Dennoch folgte der Filius der Einladung eines Kunden der Familie, auf der Rennstrecke von Oulton Park einige Wagen zu testen.

Dabei konnte er nicht nur alle Anwesenden positiv überraschen, auch ein gewisser Ken Tyrrell wurde auf ihn aufmerksam. Der spätere Formel-1-Teamchef war zu jeder Zeit in der Formel Junior aktiv und lud Jackie Stewart zu Testfahrten ein.

Der Schotte sprang ins Cockpit und war nach kurzer Zeit schon schneller als Bruce McLaren. Der Neuseeländer war zu diesem Zeitpunkt längst eine bekannte Größe in der Formel 1 und sah sich genötigt, nochmal für eine Verbesserung der Rundenzeit zu den Testfahrten zurückzukehren. Es half aber nichts, der junge Schotte blieb der schnellere Pilot.

Es war der Beginn einer Partnerschaft, die es später noch bis auf den Formel-1-Thron schaffen sollte, doch zunächst musste sich Stewart in der Formel 3 beweisen.

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Kometenhafter Aufstieg in die Königsklasse

Jackie Stewart hatte zu diesem Zeitpunkt fast keine Erfahrung im Motorsport, doch das Jahr 1964 zeigte, um was für ein Ausnahmetalent es sich bei ihm handelte.

Für Ken Tyrrell ging er in der britischen Formel 3 an den Start und gewann auf Anhieb den Meistertitel in seiner ersten vollen Motorsportsaison. Lediglich zwei Rennen konnte er in diesem Jahr nicht gewinnen, herausragend dabei vor allem auch seine Leistungen im Regen. Einmal konnte er bei nasser Fahrbahn in zwei Runden einen Vorsprung von 25 Sekunden auf die Konkurrenz herausfahren, spätestens hier hatte er schon die Aufmerksamkeit der Formel 1 auf sich gezogen.

Viele Angebote lagen auf dem Tisch und Stewart entschloss sich, sein Debüt in der Königsklasse 1965 mit dem britischen BRM-Rennstall, für das auch Graham Hill am Start war, zu geben.

Beim Debüt gab es den ersten WM-Zähler und in Monza feierte der Schotte bereits seinen ersten Grand-Prix-Erfolg. WM-Dritter im Debütjahr konnte sich sehen lassen. 1966 ging er dann zudem bei den 500 Meilen von Indianapolis an den Start, ein technischer Defekt acht Runden vor dem Ende verhinderte den möglichen Sieg. Der erste Formel-1-Titel musste aber dennoch ein wenig warten.

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Schwerer Unfall 1966

Stewarts Karrieresprung an die Spitze erhielt beim Großen Preis von Belgien einen herben Dämpfer. Bei einem plötzlichen und heftigen Regenschauer verlor er die Kontrolle über seinen Boliden von BRM und landete in einem Graben.

Über 25 Minuten saß Stewart eingeklemmt im Wagen, mitten in Benzin, der Tank hatte beim Unfall nicht gehalten. Nur durch die Hilfe seiner Fahrerkollegen Graham Hill und Bob Bondurant gelang es ihm, aus dem Cockpit zu gelangen. Jackie Stewart hatte in diesem Moment viel Glück und es war der Moment, an dem die Sicherheitsmängel der damaligen Formel 1 offensichtlich wurden.

Der Rettungswagen brauchte eine halbe Ewigkeit zum Unfallort und erst recht ins Krankenhaus. Stewart war nicht schwer verletzt, ihm wurden die Mängel bei der Unfallversorgung aber mehr als deutlich vor Augen geführt. Fortan wurde Jackie Stewart Vorreiter beim Thema Sicherheit. Zusammen mit BRM brachte er eine erste Kampagne an den Start, die sich für eine Erhöhung der Sicherheitsstandards und den Ausbau der medizinischen Versorgung vor Ort einsetzte.

Erste Weltmeisterschaft 1969

Bis ins Jahr 1969 musste Jackie Stewart warten, um sich seinen ersten WM-Titel zu sichern. Nach zwei durchwachsenen Jahren bei BRM wechselte er 1968 zum neu gegründeten Team seines alten Weggefährten Ken Tyrrell. Die Saison beendete er als Vizemeister und holte sich im darauffolgenden Jahr souverän seine erste Weltmeisterschaft

1971 konnte er das Kunststück wiederholen, Stewart war sicher der Fahrer schlechthin der frühen siebziger Jahre. Er blieb dem Team von Ken Tyrrell bis zum Ende seiner aktiven Laufbahn treu.

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Triumph und Tragödie

Die Saison 1973 war sein letztes aktives Jahr in der Formel 1. Sportlich lief es erneut rund für Jackie Stewart, der in diesem Jahr fünf Grand-Prix Siege einfahren konnte. Der dritte Titelgewinn hätte die Krönung seiner Karriere sein können.

Im Team von Tyrrell war mittlerweile der junge Franzose François Cevert neben Stewart am Start. Cevert war nicht nur der Protegé des Schotten, sondern auch sein Freund. Beim allerletzten Rennen des Jahres, dem Großen Preis der USA, verunglückte Cevert im freien Training auf der Strecke von Watkins Glen tödlich. Ein trauriges Karriereende für Jackie Stewart, der nach diesem Jahr den Helm an den Nagel hängte.

Neben seinen sportlichen Leistungen ist Stewart bei uns vor allem durch seine Beschreibung der Nürburgring Nordschleife bekannt. Er war es, der der Rennstrecke den Namen „Green Hell“ („Grüne Hölle“) gab.

Jackie Stewart ebnete Red Bull den Weg

Stewart kehrte im Jahr 1997 als Teamchef von Stewart-Ford in die Formel 1 zurück. Auf den Boliden tauchte auch wieder das klassische Karomuster auf. Nach drei vielversprechenden Jahren, in denen es für den Rennstall, den er zusammen mit seinem Sohn Paul führte, im Jahr 1999 einen Grand-Prix Sieg zu feiern gab, verkaufte man das Team an Jaguar. Später ging aus diesem Rennstall dann Red Bull Racing hervor.

Jackie Stewart gehört zweifelsohne zu den ganz Großen dieses Sports und hat maßgeblich zu dessen Entwicklung beigetragen.

Rubens Barrichello im Stewart-Ford 1997