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Helden der Formel 1 – Nelson Piquet

+++ Drei WM-Titel errang der emotionale Brasilianer +++

Nelson Piquet galt lange Zeit als Sunnyboy der Formel 1-Szene, aber seine drei Weltmeisterschaften belegen, dass er zu den ganz Großen der Königsklasse gehört. Piquet war sehr emotional, offenherzig und oft auch provokant. Duelle mit anderen Stars seiner aktiven Zeit, etwas Ayrton Senna oder Nigel Mansell, wurden durch den Brasilianer auch gern mal neben der Strecke ausgetragen.

Piquet wurde 1952 in Rio de Janeiro geboren – als er sich nach seinen klassischen Anfängen im Kartsport für eine langfristige Motorsportkarriere entschied, nahm er den Mädchennamen seiner Mutter an. Sein Vater war Gesundheitsminister in Brasilien und eigentlich kam er mit dem Nachnamen Souto Maior zur Welt. Sein Talent zeigte sich schnell und sein Aufstieg folgte rasant.

Anfang der 70er Jahre wurde er in Brasilien Kart-Meister und bereits 1978 gab er sein Debüt in der Formel 1. Zuvor mischte er das Feld in der britischen Formel 3 auf, bevor er beim Großen Preis von Deutschland für den englischen Rennstall Ensign sein Debüt feierte.

Der erste Turbo-Weltmeister

Seine nächste Heimat war der Traditionsrennstall von Brabham, wo er zunächst Teamkollege von Niki Lauda wurde und nach dessen Abschied von der Truppe zur Nummer 1 aufstieg. 1980 musste er sich allerdings hinter dem Australier Alan Jones anstellen, der den Titel errang, konnte aber ebenfalls seine ersten Siege einfahren. Schon mit Jones gab es sehr intensive Auseinandersetzungen, auch auf der Strecke, wo sich beide mehr als einmal zu Nahe kamen.

Piquets Stunde in Sachen Fahrerweltmeisterschaft sollte aber bereits 1981 schlagen. In seiner erst dritten vollen Formel 1-Saison sicherte sich der Brasilianer den ersten seiner drei WM-Titel.

Es folgte ein sehr durchwachsenes Jahr 1982, in dem das Brabham-Team vom klassischen Ford Cosworth-V8-Motor auf den BMW-Turbo wechselte und Nelson Piquet unter der Unzuverlässigkeit des Aggregates leiden musste. Trotzdem konnte er seinen Heim-Grand Prix in dieser Saison gewinnen, der Sieg kostete ihn aber alle Kraft, so dass er nach dem Rennen sogar auf dem Podium zusammenbrach.

Zwar musste er die Saison in Sachen WM früh abschreiben, doch der Wechsel zum Turboantrieb von BMW kam im Folgejahr zum Tragen. Piquet konnte sich auf den letzten Kilometern des Jahres noch seinen zweiten Titel sichern und Alain Prost im Renault abfangen.

selten so nebeneinander - Senna, Prost, Mansell und Piquet

Die Williams-Jahre – harte Duelle

Nachdem Brabham in den Folgejahren den Anschluss an die Spitze verlor und Piquet nicht mehr um die Weltmeisterschaft fahren konnte, wechselte der Brasilianer 1986 zum Team von Williams. Sportlich eine gute Entscheidung, wobei auch die Finanzen eine mitentscheidende Rolle spielten.

Seine zwei Jahre beim Rennstall von Williams-Honda waren geprägt von seinem dritten WM-Titel, aber auch von einer immensen Rivalität mit Nigel Mansell, an dem der Brasilianer abseits der Rennstrecke oft kein gutes Haar ließ.

1987 war Mansell der Schnellere, ließ aber oft unnötig Punkte liegen, so dass es am Ende des Jahres Piquet war, der die Weltmeisterschaft einfahren konnte, nicht ohne einen Seitenhieb in Richtung des Engländers: „Dies ist der Sieg des Glücks über die Dummheit“, so der provokante Brasilianer damals.

Der beginnende Abstieg

Was Piquet in der Formel 1 noch hätte erreichen können, wird man nie erfahren. Mit dem Wechsel zum Lotus-Team begann im Jahr 1988 der sportliche Abstieg des Champions. Mit dem Boliden war nicht viel zu gewinnen und Piquet verschwand von den vorderen Rängen. Mit dem Wechsel zum Benetton-Team 1990 konnte er zumindest nochmal in der Phalanx der Grand Prix-Sieger mitspielen, mehr als 2 Erfolge im ersten und 1 Sieg im zweiten Jahr waren aber nicht drin. Zudem debütierte 1991 ein gewisser Michael Schumacher bei Benetton und Piquets Zeit in der Formel 1 war abgelaufen.

1992 versuchte er sich wie 2017 Fernando Alonso beim 500 Meilen Rennen von Indianapolis, allerdings mit tragischem Ausgang. Beim Training verunglückte er schwer und zog sich komplizierte Bein- und Fußbrüche zu. 1993 ging er zwar nochmals beim Indy 500 an den Start, technisch bedingt musste er das Rennen aber früh beenden. Es war das letzte nennenswerte Rennen eines ganz großen Könners, der außerhalb des Cockpits mehr als einmal polarisierte, aber seinen Platz in der Formel 1-Ruhmeshalle mehr als verdient hat.