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Helden der Formel 1 – Nigel Mansell

Der “Löwe“ der Königsklasse

Lange vor Lewis Hamilton war es ein anderer britischer Fahrer, der in der Formel 1 polarisierte. Nigel Mansell war der Inbegriff des Kämpfers auf den Rennstrecken der Königsklasse. Oft als Titelaspirant angetreten, musste er einige Jahre warten, bevor er endgültig dem WM-Thron besteigen konnte.

Mansell blickt zwar nur auf einen Formel 1-Titel in seiner Karriere zurück, doch der heute 63-jährige Engländer prägte das Bild der obersten Kategorie des Motorsports in den 80er und frühen 90er Jahren entscheidend mit.

Die Anfänge – Alles für den Traum

Auch ein Nigel Mansell begann seine motorsportliche Laufbahn klassisch im Kart. Seit er 10 Jahre alt war, ging es für ihn im Eiltempo über die britischen Kartstrecken. Anfang der 70er Jahre konnte er einige Meisterschaften für sich entscheiden, bevor er den damals klassischen Formel-Weg weiterging. In der Formel Ford dominierte er mit 32 Siegen in 42 Rennen, eine enorme Erfolgsquote.

Doch Mansell kam aus einfach Verhältnissen, das große Geld stütze ihn zu Beginn seine Laufbahn nicht. So musste er das gemeinsame Haus mit seiner Frau verkaufen, um 1978 den Aufstieg in die Formel 3 schaffen. Der Einsatz sollte sich lohnen – der legendäre Lotus-Teamchef Colin Chapman wurde auf ihn aufmerksam und nahm ihn für die Saison 1980 unter Vertrag.

Der Weg zur Formel 1-Weltmeisterschaft

Lotus war ein großer Name in der Königsklasse, doch Mansell kam zu der Mannschaft in einer Zeit des Umbruchs. So kam zu Beginn seiner Karriere wenig Zählbares heraus, das erste Podium musste bis zum Großen Preis von Belgien 1981 warten.

Doch der Brite tat sich schwer, zudem war Team-Manager Peter Warr auch nicht von seinem Talent überzeugt. Ende 1984 musste Mansell dann gehen, sein Weg führte ihn aber zu einem anderen Traditionsrennstall und damit auch in die richtige Spur für die ersten Siege.

1992 im Williams-Renault

Aufstieg an die WM-Spitze

Mit Williams-Honda gelangen ihm im Folgejahr seine ersten beiden Grand-Prix-Erfolge. Sein Debütsieg feierte der “Löwe“ auf heimischen Untergrund beim Großen Preis von Europa im englischen Brands Hatch. Fast fünf Jahre musste Mansell auf seinen ersten Sieg warten, dafür gekämpft hatte er wie kein anderer.

Doch der Weg zum Titel war nochmals länger. 1986 und 1987 reichte es nur zum Vizeweltmeistertitel, nicht nur einmal ließ der Brite WM-Punkte liegen, da er zu viel Risiko einging. Aber das war Mansells Fahrweise und deshalb liebten ihn viele Zuschauer. Die oftmalige Zurückhaltung der modernen Formel 1 wäre nichts für den damals schnauzbärtigen Briten gewesen.

Nach einem Übergangsjahr, in dem er nur einen mittelmäßigen Motor zur Verfügung hatte, wechselte Mansell zu Ferrari. Zusammen mit den Italienern gewann er zwar in den folgenden beiden Saisons drei Renen, geriet aber intern zunehmend unter Druck. Vor allem Alain Prost lief ihm den Rang ab, das Verhältnis zum Team litt – Mansell und die Scuderia, das passte einfach nicht.

Einer der größten Kämpfer, die die Formel 1 je gesehen hat, war aber noch lange nicht am Ende seiner Laufbahn. Mit dem Wechsel zurück zu Williams für die Saison 1991 nahm der Traum Formel 1-Weltmeisterschaft wieder Fahrt auf. Nach dem erneuten Vizetitel war 1992 der Williams das Auto, was es zu schlagen galt. Nigel Mansell setzte mit 9 Siegen in diesem Jahr ein Ausrufezeichen und wurde überlegen Weltmeister. Der Kämpfer hatte sein Ziel erreicht.

Abschied aus der Formel 1 und Abenteuer Indianapolis

Nach seinem WM-Titel waren es zwei Dinge, die Mansell zum Abschied aus der Formel 1 trieben. Bei Williams war man seit jeher bescheidener, was die Gagen der Fahrer anging. Nigel Mansell wollte zu viel, zumindest nach der Meinung von Teamboss Frank Williams. Zudem hatte man für 1993 schon Alain Prost verpflichtet, mit dem er seit seiner Ferrari-Zeit nicht besonders gut klarkam. Beides wollte er nicht akzeptieren und machte sich auf den Weg in die USA.

In der IndyCar-Serie dockte Mansell beim Team von Newman-Haas an und gewann gleichmal den Auftakt der Saison. Die Erfolgsserie ging weiter und er gewann als erster Neueinsteiger in die amerikanische Formelserie auf Anhieb den Titel. Zwei Titel in zwei Jahren in den höchsten Monoposten-Klassen, der Weg hierhin war lang, aber am Ende hat Nigel Mansell abgeliefert.

Lange vor Fernando Alonso war es Nigel Mansell, der ebenfalls als Debütant bei den 500 Meilen von Indianapolis glänzte und mit Rang 3 nur knapp an einem Erfolg scheiterte. 1994 war seine USA-Zeit zwar durch einige Ausfälle weniger erfolgreich, doch er kehrte dann doch nochmal zu seinem alten Arbeitgeber zurück. Als Ersatzmann für den tödlich verunglückten Ayrton Senna gewann Mansell im Williams-Renault das letzte Rennen des Jahres in der Formel 1.

Im Herbst seiner Karriere konnte er also immer noch gewinnen und wagte für 1995 nochmals einen Anlauf in der Königsklasse. Bei McLaren wollte er an alte Erfolge anknüpfen, doch ihm wurde schnell klar, dass der Bolide nicht für Siege tauchte. Zudem musste er aufgrund des für ihn zu engen Cockpits die ersten zwei Rennen auslassen. Nur noch zwei Grand Prixs sollte er in diesem Jahr fahren, dann beendete er seine Karriere endgültig in der Formel 1. Das Ende seiner Laufbahn passte zu seinem Werdegang – Mansell sorgte nicht immer nur für beste Unterhaltung im Grand Prix-Zirkus, doch er hat sich seinen Platz bei den Helden der Formel 1-Geschichte sicherlich mehr als verdient.