Fire

Hunt und Lauda – 40 Jahre danach – Die 2. Generation

Nach dem legendären F1-Duell der 70er - Die Söhne von James Hunt und Niki Lauda nun auch gemeinsam auf der Rennstrecke

Vor 40 Jahren gab die Formel1 noch ein gänzlich anderes Bild als heute ab. In der Saison 1976 wussten die Piloten der Königsklasse nicht, ob sie aus einem Grand-Prix-Wochenende lebendig heimkehren. Die Boliden waren infernalisch und nur schwer zu bändigen. Traurige Berühmtheit hat dieses Jahr aus heutiger Sicht vor allem durch den Feuerunfall von Niki Lauda auf der altehrwürdigen Nordschleife des Nürburgring erlangt.

Kurzer Rückblick: Formel1 anno 1976 – Legendäres WM-Duell

Es war das Jahr, in dem der Österreicher wieder um die WM-Krone kämpfen sollte, nachdem er im Vorjahr seinen ersten Titelgewinn feiern konnte. Trotz der fürchterlichen Unfalls, der Verbrennungen im Gesicht und der Verätzungen in der Lunge, saß Lauda bereits 42 Tage später beim Großen Preis von Italien in Monza wieder im Wagen und beendete das Rennen als Vierter.

Der Rest ist Formel1-Geschichte. Beim letzten Rennen im japanischen Fuji kam es zum Showdown bei strömenden Regen – schwierige Bedingungen, die Lauda dazu bewogen, früh im Rennen aufzuhören. Somit wurde Hunt Weltmeister des Jahres 1976 - mit gerade einmal einem Punkt Vorsprung.

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Die Söhne – Die 2. Generation

Mathias Lauda – der Weg ins Werks-Cockpit

Wie das so ist bei Rennfahrern – die Gene in Sachen Motorsport werden häufig an den Nachwuchs weitergegeben. Lauda und Hunt waren da keine Ausnahme. Mathias Lauda startete seine Rennfahrerkarriere dafür allerdings sehr spät. Der heute 35-Jährige begann seine Laufbahn nicht im Kartsport, sondern begab sich erstmals 2002 in den Rennbetrieb, als er direkt in den Formelsport einstieg. Nach wenigen Rennen in unteren Formelklassen gelang dem Österreicher 2004 der Sprung in die Formel3000 und 2005 in die Nachfolgeserie, der GP2, prinzipiell dem letzten Schritt vor der Formel1.

Gegen die Konkurrenz, die seit Kinderschuhen schon im Kart unterwegs war und natürlich auch mit viel mehr Erfahrung im Formelsport ausgestattet, tat sich Lauda erwartungsgemäß schwer. So fand er ab 2006 in der DTM im Jahreswagen von Mercedes eine neue Heimat im Tourenwagensport. Doch die Serie hat in den letzten Jahren ihre eigenen Gesetze und selbst ehemalige Formel1-Piloten kamen hier nicht wirklich gut zurecht. Gesamtrang 15 – mehr war für Mathias Lauda in seinen DTM-Jahren nicht drin – 2010 stand der Lauda-Sprössling plötzlich gänzlich ohne Cockpit da.

Mathias Lauda Aston Martin 2015

Doch er wäre kein Lauda, wenn er sich nicht zurückkämpfen würde. Nach Abstechern in den Porsche Supercup und einer Saison in der FIA GT1-Weltmeisterschaft, kann er sich anno 2016 nicht mehr über mangelnde Beschäftigung beklagen. Die Berufung in den Werkskader von Aston Martin 2015 war sicher mehr als eine Genugtuung – mit seinen Teamkollegen Paul Dalla Lana und Pedro Lamy bewegt er hier einen Aston Martin Vantage über die Rennpisten dieser Welt. In der Langstreckenweltmeisterschaft trifft man nun auf ihn, ebenso wie bei Einsätzen auf der Nordschleife.

Nach WM-Gesamtrang 3 im Vorjahr, hofft er auf mehr in diesem Jahr – die Saison begann hier für ihn mit einem starken zweiten Platz. Und die 24 Stunden von Le Mans stehen auch noch auf dem Plan. Parallel zu seinen GT-Sportwageneinsätzen ist Mathias Lauda auch seit 2014 für das österreichische DF1-Team in der Nascar Whelen Euro Series am Start – der europäische Ableger der großen US-Nascar.

Der Österreicher schaffte hier nach lange Zeit den Sprung ganz oben aufs Podest. Er konnte eines der seltenen Ovalrennen im französischen Tours im Regen für sich entscheiden und fährt auch in diesem Jahr wieder die komplette Saison. Neben seinem Namen auf dem V8-Boliden taucht nun aber auch ein weiterer Name auf, der hinlänglich bekannt ist – Hunt steht hier in großen Buchstaben.

Freddie Hunt

Freddie Hunt – Never Give Up

Ein großer Name ist auch immer verbunden mit einem entsprechenden Erfolgsdruck. Auch der Sohn von James Hunt hatte bislang keine einfache Karriere. Der Engländer, der im Juni dieses Jahres 29 Jahre alt wird, begann ebenfalls spät mit seiner motorsportlichen Laufbahn. 2007 in der britischen Formel Ford unterwegs, wollten sich Erfolge nicht einstellen. Auch ein Versuch im ADAC Formel Masters scheiterte – seine Karriere im Formelsport hing er 2009 an den Nagel.

Doch die Passion Motorsport ließ ihn nicht los, sporadisch fuhr er ab 2011 wieder Rennen im Touren- oder GT-Wagen. Heutzutage öffnet ein Name allein nicht nur Türen, er kann auch Bürde sein, wenn die Öffentlichkeit hier natürlich zweimal hinschaut. Hunt kehrte sogar 2014 kurzzeitig in den Formelsport zurück, um sich den Rost vom Leib zu fahren. In der MRF Challenge, die hauptsächlich in Malaysia unterwegs ist, konnte er fernab der europäischen Bühne Erfahrungen sammeln. In dieser Serie traf er dann auch 2014 auf Mathias Lauda, der hier damals ebenfalls einen Abstecher in der Karriere machte.

Doch Hunt scheint sich besser abseits der Formelwagen wohlzufühlen – 2016 teilt er sich nun in der EuroNascar ein Fahrzeug mit Mathias Lauda bei DF1 Racing.

40 Jahre danach – Lauda und Hunt in der EuroNascar

Die Saison der europäischen Nascar umfasst sechs Veranstaltungen. Dass wir 40 Jahre nach dem großen Formel1-Duell nun die beide Söhne der damaligen Protagonisten auf einem Fahrzeug am Start haben, ist auch dem guten Kontakt der beiden untereinander geschuldet.

In der Serie teilen sich zwei Piloten einen Boliden – der weiß-rote Chevrolet von DF1 mit der Startnummer #66 wird von Mathias Lauda in der Meisterschaftswertung für erfahrene Piloten gefahren, während Freddie Hunt den Wagen dann für die Nachwuchswertung übernimmt, in der auch Piloten mit deutlich weniger Erfahrung zu Werke gehen.

Teamplay ist also einerseits in Sachen Abstimmung des Fahrzeuges angesagt, dazu sitzt man in einem Boot, wenn am Boliden Beschädigungen, sei es technisch oder rennbedingt, aufgetreten sind. Beim Saisonauftakt in Valencia hatten beide zunächst viel Pech, nachdem Mathias Lauda unverschuldet in eine Kollision verwickelt worden war, zeigte Freddie Hunt in seinem zweiten Rennen eine starke Leistung und konnte das Feld von hinten bis auf Rang 8 aufrollen – gleichbedeutend mit Rang 2 in der Juniorenwertung.

Während Lauda eher der ruhige Vertreter ist, sieht man Hunt auch schon mal mit der Zigarette in der Hand – das hätte man auch vor 40 Jahren sagen können. Beide sind gut befreundet und verstehen sich gut, die Zusammenarbeit läuft einwandfrei. Man schätzt sich untereinander, genauso wie vor 40 Jahren. Freddie Hunt hat noch ein großes Ziel, das ist der Start bei den 24 Stunden von Le Mans. Beim Langstreckenklassiker ist Mathias Lauda dieses Jahr wieder mit von der Partie, vielleicht treffen sich beide auch hier in naher Zukunft.

Tipps von Lauda für Hunt

Bilder ©racing14.de