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IndyCar: Besser als die Formel 1?

+++ Die Top-Klasse des amerikanischen Formelsports überzeugte 2018 mit reichlich Action +++

Die Rennaction in der Formel 1 wird maßgeblich von der Aerodynamik der Boliden beeinflusst. Ohne das DRS-System, welches ein Herunterklappen des Heckflügels im Windschatten ermöglicht, würden wir wahrscheinlich sehr wenige Überholmanöver zu sehen bekommen.

Zwar ist auch in der Königsklasse in dieser Saison einiges an Spannung geboten, doch in Sachen Überholmanöver kann die Formel 1 der amerikanischen IndyCar-Serie bei weitem nicht das Wasser reichen.

999 Überholmanöver!

Bereits nach den ersten vier Rennen der diesjährigen Saison gaben die Verantwortlichen der amerikanischen Serie nun eine unglaubliche Zahl bekannt. Insgesamt kam man auf sage und schreibe 999 Überholvorgänge! Ein Wert, den die Formel 1 nicht annähernd liefern kann.

Aber was läuft bei den IndyCars anders? In erster Linie ist auch hier die Aerodynamik verantwortlich. Alle Teams treten dazu im Gegensatz zur Formel 1 mit einem Einheitschassis des italienischen Herstellers Dallara an. Dazu kommen in der Formelserie zwei Aero-Kits zum Einsatz, einmal für die schnellen Ovalkurse und dann für die normalen Rundstrecken.

In diesem Jahr wurden die Aero-Kits angepasst, um für mehr Action auf der Strecke zu sorgen. Die komplexe Aerodynamik wurde entschärft, die Kits vereinfacht, sodass die IndyCar-Boliden für ihren Abtrieb nicht mehr so stark wie bisher auf das Flügelwerk vertrauen müssen. Das Ganze macht es den Piloten einfacher, nah an einem Verfolger dran zu bleiben. Genau bei dieser Thematik tut sich die Formel 1 immer noch sehr schwer.

In Sachen Technologie hat die Formel 1 sicher die Nase vor dem amerikanischen Konkurrenten. Jedes Team entwickelt, anders als in den USA, seinen eigenen Boliden.

Mittlerweile kommen die Formel1-Hybrid-Turbomotoren an die 1.000 PS, während die IndyCars mit den 2,2 Liter V6-Aggregaten nur auf rund 730 PS kommen. Doch was die Rennaction auf der Strecke angeht, kurbelt IndyCar das Adrenalin der Zuschauer deutlich mehr an. Ob dann 730 oder 1.000 Pferdestärken unter der Haube arbeiten, dürfte insofern zweitrangig sein.

Verzicht auf Halo

Vor allem optisch hat die IndyCar-Serie in diesem Jahr einen Schritt nach vorne gemacht. Der 2018er Bolide von Dallara verzichtet auf zahlreiche aerodynamische Hilfen und Luftleitbleche. Äußerlich erinnert der Wagen schon fast an die 90er-Jahre, in denen die Boliden auch optisch dem Status einer Top-Rennserie gerecht wurden.

Zudem verzichtet das IndyCar 2018 auf das Halo-System, was für viele in der Formel 1 immer noch mehr als befremdlich wirkt. Um den Kopf des Fahrers künftig besser zu schützen, will man in der US-Serie 2019 auf eine Schutzscheibe über dem Cockpit setzten, die derzeit noch ausgiebig getestet wird.

Zumindest im Bereich der Aerodynamik der Boliden ist jetzt auch Bewegung in die Königsklasse gekommen. Ab 2019 werden die Frontflügel vereinfacht und die Wirkung des verstellbaren Heckflügels verstärkt. Das soll das Überholen vereinfachen. Es ist zumindest ein erster Schritt, um den Fokus weg von der ausgefeilten Aerodynamik wieder auf die Action auf der Strecke zu lenken.

Allein die Anzahl der Überholmanöver ist grundsätzlich nicht der Maßstab für spannende Rennen. Wenn jedoch der Hinterherfahrende und gleichzeitig schnellere Pilot technisch nie die Chance auf einen Überholvorgang hat, läuft etwas verkehrt. An dieser Stelle sind die US-IndyCars anno 2018 jedenfalls erst einmal an der Formel 1 vorbeigezogen.