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Kimi Räikkönen – Der Iceman

Der schnelle Finne gehört immer noch zu den weltweit besten Piloten

Lange ist es her, als Kimi Räikkönen den obersten Thron des Motorsports erklimmen konnte. 2007 sicherte er sich in einem dramatischen Finale die Formel1-Weltmeisterschaft gegen das damalige McLaren-Duo Fernando Alonso und Lewis Hamiltion. Es sollte bis dato der einzige WM-Erfolg des „Iceman“ bleiben. Anno 2016 ist der kühle Finne weiterhin bei der Scuderia Ferrari unterwegs und zeigt in diesem Jahr, dass er nichts von seinem Können verlernt hat.

Gegenüber der Vorsaison konnte er sich deutlich verbessern und der höher eingeschätzte viermalige Champion und Teamkollege Sebastian Vettel hat gegen ihn in letzter Zeit häufiger wieder das Nachsehen. Dabei hat Räikkönen in den Jahren nach seinem Titelgewinn eine wahre Odyssee im Motorsport hinter sich gebracht.

Nach seinem Titelgewinn verblieb er bei Ferrari, 3 Rennsiege in zwei Jahren waren aber Räikkönen zu wenig, er schien die Lust an der Königsklasse zu verlieren. Der italienische Traditionsrennstall verlängerte seinen Vertrag zum Saisonende hin nicht mehr. So versuchte er sich in einer ganz anderen Art des Motorsports, der für Finnen an sich deutlich naheliegender ist. Er wechselte in die Rallye-Weltmeisterschaft, ein enormer Schritt in ein ganz anderes Betätigungsfeld.

Quer statt Präzise – Das Rallye-Abenteuer

Im Allradler schlug er sich tapfer, schnell ist Räikkönen überall. Doch um hier ganz an der Spitze mitzumischen bedarf es mehr als zwei Saisons als Quereinsteiger, auch wenn man einen Formel1-WM-Titel mitbringt. Zwar ging ihm auch manches Mal die Bodenhaftung verloren, doch im Gegensatz zu Robert Kubica nach ihm war er längst kein Crashpilot. Mit seinem Co-Piloten Kaj Lindström ging er 2010 im Citroën-Juniorteam an den Start, 2011 im Team ICE1 Racing.

Der Durchbruch auf losem Untergrund gelang ihm zwar nicht, aber einige Achtungserfolge konnte der wortkarge Finne erzielen. 2010 gewann er in Deutschland erstmals eine Wertungsprüfung, sein bestes Ergebnis erzielte er bei der Rallye Türkei mit Gesamtrang 5. Aber auch die ein oder andere lustige Episode war dabei, als er in Frankreich beim Reifenaufwärmen während einer Verbindungsetappe einem Konkurrenten ins Auto fuhr und daraufhin ausschied.

Viele Fahrer würden sich in solchen Fällen über ihren Ruf sorgen machen, jedoch nicht Kimi Räikkönen. Der Finne, der auf offiziellen Pressekonferenzen immer ein wenig fehl am Platz wirkt, schert sich nicht viel um das, was über ihn geschrieben wird. Wer den Finnen noch einmal im Rallyeboliden sehen will, der sollte sich mal die folgende Onboard-Aufnahme gönnen:

Der Platz des Finnen ist jedenfalls im Rennwagen, außerhalb des Cockpits gibt Kimi nicht viel von sich und wenn hört es sich immer gleich an. Sieg oder Niederlage – Kimis Stimme klingt immer gleich, für viele Zuhörer einschläfernd. Doch im heutigen weichgespülten Mediazeitalter der Formel 1 tut das schon wieder gut und so avancierte er immer mehr zum Publikumsliebling, ob ihm dies etwas bedeutet oder nicht, lässt sich schwer nachvollziehen.

NASCAR-Gastspiel

Heute ist seine Rallyezeit fast vergessen, die wenigsten haben aber mitbekommen, dass sich der Iceman noch an ganz anderer Stelle versucht hat. Nach der Zeit im Rallyeboliden versuchte er sich kurzfristig in der amerikanischen NASCAR im Oval, einem viel versprechenden Start in der Truck Series mit Rang 15 folgte ein Auftritt in der zweiten NASCAR-Liga. Selbst hier wusste der Finne zu überzeugen und erhielt eine weitere Testfahrt, wo er allerdings den V8-Boliden nachhaltig ramponierte, woraufhin der geplante Einsatz nicht mehr zustande kam.

Rückkehr in die F1 und legendäre Funksprüche

So kehrte er letztlich wieder dorthin zurück, wo er seine größten Erfolge feiern konnte. Das ehemalige Renault-Werksteam, mittlerweile wieder als Lotus-Team am Start, holte den Finnen zurück in die Formel1. Viele zweifelten, ob Räikkönen noch in der Lage war, an der Spitze mitzufahren. Doch seine Kritiker wurden wieder einmal eines Besseren belehrt. Sechsmal schaffte er es auf das Podium, das hatte man vor Saisonbeginn kaum erwartet. Als es ins letzte Rennen der Saison ging, gelang ihm schließlich der große Wurf. In Abu Dhabi auf dem Yas Marina Circuit war er nicht zu stoppen und holte den ersten Sieg für die neu formierte Mannschaft.

Mehr noch als sein Sieg blieben bei allen bis heute seine Funksprüche in Erinnerung, als er seinen Ingenieuren kurz und knapp mitteilte, man möge ihn doch bitte in Ruhe lassen, er wüßte, was er hier tut. Doch danach riss die Erfolgsserie, im Team lief es im Folgejahr nicht rund und so kehrte Räikkönen an die Stätte seines WM-Triumphes zurück. Sowohl 2014 mit Fernando Alonso, als auch 2015 mit Sebastian Vettel als Teamkollegen sah er zunächst alt aus, doch in diesem Jahr hat er zu alter Stärke zurückgefunden. Seine Fahrzeugbeherrschung ist immer noch grandios, wie er immer wieder zeigt, beispielsweise in diesem jahr beim Großen Preis von Ungarn:

umstrittener Formel1-Einstieg

Kimi Räikkönen war und ist in Sachen Teamrepräsentant sicher nicht immer das, was die Teamchefs sich wünschen. Man erinnere sich nur an den Großen Preis von Malaysia 2009, als das Rennen wegen starken Regenfalls zunächst unterbrochen und dann ganz abgebrochen werden musste. Während Teamkolllege Massa in seinem Boliden wie viele andere auch verharrte und panisch ein passendes Visier einforderte, war der Finne längst im Trockenen und gönnte sich genüsslich ein Eis – der Spitzname Iceman war selten passender.

Während die Formel 1-Piloten immer jünger werden, war Räikkönen schon bei seinem Einstieg in die Formel1 Gesprächsthema Nummer 1. Nach zehn Jahren im Kartsport absolvierte er 1999 einige Rennen zur Formel Renault und 2000 eine volle Saison, die er als Titelträger abschloss. Nächster Halt war 2001 nun bereits die Formel1 – mit derart wenig Formel-Erfahrung in die Königsklasse einzusteigen ist bis heute ein Novum, auch wenn es mittlerweile jüngere Einsteiger gab.

Mit gerade einmal 23 Rennen außerhalb des Karts setzte sich der Finne Ende 2000 gegen deutlich erfahrenere Mitbewerber durch und bekam das Cockpit beim Formel1-Rennstall von Peter Sauber. Diese Verpflichtung sorgte für Aufregung, auch den Formel1-Führerschein, die Superlizenz, gab es zunächst einmal nur für vier Rennen auf Probe. Der Rest ist Geschichte. Der Finne schlug in der Saison 2001 ein, wie eine Bombe.

Silber und Rot – Räikkönen bei den Großen der Formel 1

Ron Dennis machte dann kurzen Prozess und holte Räikkönen für die Saison 2002 in den Traditionsrennstall von McLaren. Hier erzielte er 2003 seinen ersten Grand Prix-Sieg, zum Titel reichte es allerdings nie, 2005 konnte er als bestes Resultat die Vizeweltmeisterschaft einfahren. Erst bei den Roten aus Maranello holte er sich seinen bisher größten Erfolg.

In all den Jahren und Rennserien haben sich die Aussagen eines Kimi Räikkönen nicht verändert. Im Auto explodiert er, dann ist er voll in seinem Element. Das ganze Drumherum ist nicht seins und wird es auch nicht mehr werden. Gerade aber auch deswegen kann die Formel1 froh sein, solch ein Unikat in den eigenen Reihen zu haben. Und solange Räikkönen noch Spaß am Rennfahren hat, muss man ihn immer auf der Rechnung haben. 2017 wird er weiter bei den Roten in der Formel 1 fahren – 10 Jahre nach seinem ersten WM-Triumph mit Ferrari will der Finne dann nochmals um den Titel kämpfen.