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Lucas Auer – Karriereaufschwung in der DTM

Der Österreicher klopft an die Formel 1-Tür

Als nach dem Großen Preis von Ungarn die Formel 1 vor Ort blieb, um den abschließenden Testbetrieb vor der Sommerpause aufzunehmen, ging das Debüt eines Mannes im Cockpit eines F1-Boliden fast ganz unter. Medial stand der Einsatz des Polen Robert Kubica im Fokus, doch beim Team von Force India gab ein Österreicher sein Test-Debüt in der Königsklasse, von dem man das noch vor einigen Jahren kaum hätte erwarten können.

Lucas Auer, seines Zeichens Mercedes-Werkspilot in der DTM, absolvierte an zwei Tagen Testfahrten im auffälligen rosa Boliden. Dabei schlug sich der Neffe von Ex-Formel 1-Fahrer Gerhard Berger mehr als ordentlich.

Rang Neun am ersten Tag folgte eine Verbesserung auf Platz sieben im starken Feld, das wichtigste war aber, dass sich der 22-jährige keinen Fehler leistete. Es ist noch gar nicht so lange her, da hätte man die Formel 1-Fahrt als utopisch abgetan, viel zu holprig begann die DTM-Karriere des Tirolers im Jahr 2015.

Frust beim Wechsel in die DTM

Rückblick – Hockenheim 2015: Es ist das erste Rennwochenende der DTM und Auer feiert ein mehr als durchwachsenes Debüt. Beim Sonntagsrennen kracht er mit seinem Mercedes in der Einführungsrunde in die Reifenstapel. Kopfschütteln am Kommandostand und anderswo, schnell werden Stimmen laut, dass der Neffe des 210-fachen Grand Prix-Teilnehmers Berger vor allem aufgrund dessen Kontakte hier einen Platz gefunden hat.

Die Saison 2015 verläuft auch danach miserabel für den Youngster, am Ende des Jahres ist er als 23. in der Meisterschaft schlechtester Mercedes-Fahrer. Doch Mercedes gibt den Nachwuchsfahrer noch nicht auf, nach einem Teamwechsel in die Mannschaft von Mücke Motorsport feiert er 2016 doch tatsächlich seinen allerersten Laufsieg in der Serie. Doch außer einem zweiten Platz kommt auch in diesem Jahr nicht viel herum. Am Ende konnte er sich immerhin auf den 12. Rang in der Meisterschaft verbessern.

Leistungsexplosion 2017

Mercedes vertraute weiterhin auf das Potential des Österreichers, der zu diesem Jahr hin eine enorme Leistungssteigerung zeigen konnte. Zwei Siege konnte er bereits verbuchen, aktuell ist er als Dritter bester Vertreter mit einem Stern. Der Speed im Mercedes-AMG C63 DTM, der passt mittlerweile, das steht außer Frage. Beim Formel-1-Test zeigte er sich routiniert, sammelte wertvolle Daten für das Team und ging kein unnötiges Risiko ein. Vergessen sind die frühen unglücklichen Aktionen in der DTM – Lucas Auer hat sich zum Vollprofi gemausert.

Dass der Österreicher schnell ist, das stand schon zu seinen Formel-3-Zeiten außer Frage. Zweimal belegte er den vierten Rang in der hart umkämpften Euroserie, doch in seinen DTM-Jahren hat er auch an mentaler Stärke zugelegt und ist jetzt de facto ein Titelkandidat.

Die Konzentration auf diese Saison steht für Auer im Vordergrund, Gedanken an eine mögliche Zukunft in der Königsklasse schiebt er beiseite. Er tut gut daran, denn bis Mercedes sich aus der DTM Ende 2018 zurückzieht, will der Tiroler seinen Lebenslauf mit einem Titelgewinn und viele Siegen verschönert haben.

Mittlerweile ist er überall schnell, das bewies er Anfang August bei einem Gaststart in der ADAC GT Masters und gewann auch hier im starken Feld der GT-Piloten.

Auer ist aufgrund seiner Entwicklung der erste Kandidat, wenn es darum geht, dass Österreich wieder einen Lokalmatador im Fahrerfeld der Formel 1 hat. Der einzige, der noch, wenn auch nur halb, die rot-weiß-roten Nationalfarben im Herzen hat, ist Maximilian Günther. Als Deutsch-Österreicher aus dem Allgäuer Grenzgebiet kann auch er zumindest als halber Österreicher angesehen werden. Doch die Nationalität ist nicht alles, was die beiden teilen. Seit vergangenem Wochenende in Zandvoort fährt auch Maximilian Günther einen Pink Panther, der 20-Jährige nun auch mit BWT als Partner über die Rennstrecken fliegt.