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NASCAR - Die Nr. 1 im US-Motorsport im Umbruch

+++ Generationswechsel und rückläufige Zuschauerzahlen machen der Top-Liga des US-Motorsport zu schaffen +++

Kaum eine Motorsportsaison ist so lang wie die der amerikanischen NASCAR. Nach ganzen 36 Meisterschaftsläufen krönte die unangefochtene Nummer 1 im US-Motorsport im November ihren neuen Champion.

Auf dem Oval von Homestead bei Miami im Sunshine State Florida siegte der 37-jährige Martin Truex Jr. in seinem Toyota Camry und konnte damit seine erste Meisterschaft gewinnen. Der Rennfahrer aus New Jersey ist bereits seit 2006 als Vollzeitpilot in der höchste NASCAR-Klasse am Start, nach acht Siegen in diesem Jahr konnte er sich 2017 verdient den Titel sichern. Mit seinen 37 Jahren gehört er mittlerweile aber schon zu den erfahrenen Piloten im Feld, denn in der NASCAR verzieht sich seit einiger Zeit ein Generationswechsel.

Das spannende NASCAR-Finale an dieser Stelle im Rückblick:

Große Namen sagen Adieu – Tony Stewart, Jeff Gordon und Dale Earnhardt Jr.

Bereits zum Ende der Saison 2016 verabschiedete sich mit Tony Stewart ein echtes Schwergewicht aus der NASCAR. Stewart gewann drei Titel und gehörte in den letzten Jahrzehnten zu den prägenden Figuren im Sport. Immerhin bleibt er als Teamchef von Stewart-Haas der Szene immer noch erhalten.

Jeff Gordon beendete seine Laufbahn bereits ein Jahr zuvor, startete im Vorjahr allerdings noch sporadisch im NASCAR Cup. Über 20 Jahre war der Kalifornier in den amerikanischen Highspeed-Ovalen aktiv, sammelte vier Titel und gehört zweifelsfrei zu den ganz Großen des Sports.

Mit Dale Earnhardt Jr. beendet nun ein weiterer großer Name seine aktive Laufbahn. Der Sohn des unvergessenen Dale Earnhardt (7-maliger Meister) konnte in seiner Laufbahn zwar „nur“ 26 Rennsiege einfahren und als beste Meisterschaftsplatzierung im Jahr 2003 Rang Drei erreichen, doch für die NASCAR-Gemeinde ist dieser Rücktritt ein herber Schlag.

Dale Earnhardt Jr.

Der Name Earnhardt ist eng mit der NASCAR verbunden und mit Jr. verabschiedet sich dieser nun aus der Top-Liga, den Zuschauern wird künftig etwas fehlen, das steht außer Frage. Der 43-jährige war einer der Persönlichkeiten des Sports, das zeigte auch immer wieder die Wahl der Fans zum beliebtesten Fahrer. Diese entscheid der US-Amerikaner aus North Carolina in diesem Jahr bereits zum 15. Mal in Folge für sich – eine klare Aussage, die zeigt, wie hart der Rücktritt die NASCAR trifft und noch treffen wird.

Unterdessen war das letzte Saisonrennen 2017 auch der letzte Auftritt des 45-jährigen Matt Kenseth. Der NASCAR-Champion aus der Saison 2003 fand kein Cockpit mehr fürs nächste Jahr und muss nun den Helm ebenfalls an den Nagel hängen. Die NASCAR muss zudem bald auf die einzige Lady verzichten, die im Cup an den Start ging. Danica Patrick konnte sich schlussendlich doch nicht durchsetzen und wird beim kommenden Saisonauftakt des Jahres 2018, beim legendären Daytona 500, ihre Abschiedsvorstellung geben. Die NASCAR muss somit den Verlust einiger großer Namen verkraften, das wird nicht ganz einfach in naher Zukunft.

Im Video – emotionale Pressekonferenz von Danica Patrick zum Rücktritt:

Die jungen Wilden – Neue Namen mischen das Feld auf

Sportlich gesehen befindet sich der NASCAR-Sport im Umschwung. Auch in der Serie, in der viele Fahrer bis ins hohe Alter aktiv waren, findet immer mehr eine Verjüngung des Feldes statt. Zahlreiche Piloten werden als kommende Superstars gehandelt. Da ist zum einen Kyle Larson. Der 25-jährige, der bei seinem Einstieg übrigens das Cockpit von einem gewissen Juan-Pablo Montoya übernahm, feierte vier Rennsiege in diesem Jahr und wird seinen Weg sicher gehen.

Ein Sieg fehlt dem 22-jährigen Chase Elliott noch, doch in seiner zweiten vollen Saison in der höchsten NASCAR-Klasse war er schon oft nah dran. Der Sohn des bei Zuschauer beliebten Bill Elliott (Meister 1988) wird für die nächsten Jahre ebenfalls hoch gehandelt. Als Teamkollege bekommt er es im nächsten Jahr mit einem anderen Youngster zu tun. William Byron debütiert dann mit lediglich 20 Jahren im Team von Hendrick Motorsports, einer der Top-Adresse des Sports.

Die Mannschaft steht vor einer Runderneuerung, ebenfalls neu ins Team kommt mit Alex Bowman dann ein 24-jähriger. Lediglich Jimmie Johnson mit seinen 42 Jahren bleibt dem Team als alter Haudegen erhalten.

Youngster Kyle Larson

Johnson erlebte ein schweres Jahr in der Meisterschaft, mehr als Rang 10 war am Ende nicht drin. Dabei ist die Startnummer #48 von Jimmie Johnson der Rekordträger der Neuzeit. Sieben Titel errang der Kalifornier zwischen 2006 und 2016, eine Marke, die so schnell keiner mehr erreichen wird. Ob Johnson allerdings noch Titel Nummer Acht schafft, steht in den Sternen.

Zuschauerschwund und fragwürdiges Playoff-Format

Die NASCAR sorgt nicht mehr, wie noch vor einigen Jahren, für volle Häuser auf allen Rennstrecken. Selbst Klassiker, die vor Jahren enorm gefragt waren, weisen teilweise wenig stark besetzte Tribünen auf.

Zudem sind die TV-Quoten weiter rückläufig, daher hat die NASCAR in den letzten Jahren immer wieder versucht, das Renngeschehen spannender zu gestalten. NASCAR-Rennen sind Langstreckenrennen, insbesondere in den Anfangsphasen auf den schnellen 1,5 Meilen-Ovalen sind Zweikämpfe eher Mangelware geworden.

Schon vor Jahren führte man ein Playoff-System ein, zudem gibt es seit einiger Zeit sogenannte Stages, die die langen Rennen in mehrere Abschnitte unterteilen. Für den Sieger jeder Stage gibt es extra Meisterschaftspunkte – so will man die Action auch in der Anfangsphase eines Rennens hochhalten. Nur die besten 16 Fahrer qualifizieren sich dann für die NASCAR-Playoffs, den „Chase“. Hier geht es dann bis zum letzten Saisonlauf darum, immer eine Runde weiter zu kommen. Beim letzten Rennen des Jahres sind es dann noch vier Piloten mit einer Chance auf den Titel, wer von allen hier als erster ins Ziel kommt, gewinnt die Meisterschaft.

Aus sportlicher Sicht ein echtes Vabanquespiel, was dazu beitragen kann, das nicht immer der beste Fahrer über die ganze Saison gesehen die Meisterehren einfahren kann. Die NASCAR versucht alles, um den Sport interessant zu gestalten, für viele langjährige Fans ist man aber weit über das Ziel hinausgeschossen. Mit Martin Truex Jr. hat man in diesem Jahr Glück gehabt, der beste Fahrer des Jahres hat am Ende den Titel erreichen könne. Doch die NASCAR kann sich darauf nicht immer verlassen und geht weiter in eine ungewisse Zukunft.