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Sauber F1 – Anschluss ans Mittelfeld im Visier

Der Schweizer Rennstall setzt große Hoffnungen in die neue Saison

Die Formel1-Mannschaft aus der Schweiz hat schwere Jahre hinter sich. Früher regelmäßig in den WM-Punkterängen ging es zuletzt immer weiter zurück in der Startaufstellung. 2016 konnte man kurz vor Saisonende in Brasilien die entscheidenden zwei WM-Punkte einfahren, um noch Platz 10 in der Konstrukteurs-WM zu erreichen. 2017 will man Boden gutmachen.

Fortschritt durch personelle Aufrüstung

Das Formel 1 Team von Sauber unter der Leitung von Monisha Kaltenborn musste in der Vergangenheit oft um das finanzielle Überleben kämpfen, doch es hat sich was getan in Sachen Personal und Struktur. Mitte 2016 wurden sämtliche Firmenanteile von der Investmentgesellschaft Longbow Finance übernommen, Kaltenborn blieb aber im Chefsessel, während Gründer und Namensgeber Peter Sauber aus dem Unternehmen ausschied.

Mit Jörg Zander konnte man den ehemaligen Technikchef von Audi für sich gewinnen, der im Langstreckensport zuletzt für die Ingolstädter tätig war. Der ist nach seinem Dienstantritt von den Möglichkeiten bei Sauber überzeugt und lobte den Windkanal des Teams als einen der Besten im Motorsport.

Zuletzt litt aber die Weiterentwicklung beim Rennstall, so dass die Ausgangsbasis für die dauerhafte Rückkehr in die Top 10 in 2017 noch nicht gegeben ist. Auf der Motorenseite hat man sich früh entschieden, auf Vorjahresmotoren von Ferrari zu setzen. Der neue Sauber wird also mit 2016er Aggregaten an den Start gehen, weil man sich früh auf die Aerodynamik konzentrieren wollte.

Ein gewagtes Unterfangen, aber dort, wo Sauber am Ende des Vorjahres stand, gab es nicht viel zu gewinnen, so entschied man sich hier bewusst für einen Nachteil auf den ersten Blick. Dafür konnte man aber frühzeitig mit der Planung des neuen Boliden beginnen. Mit dem neuen Eigentümer im Rücken sollte auch die Weiterentwicklung im Laufe des Jahres vorangehen.

Marcus Ericsson

Die Fahrerpaarung – Pascal Wehrlein und Marcus Ericsson

Pascal Wehrlein stößt neu zum Team in diesem Jahr. Der deutsche Youngster muss sich bei Sauber beweisen. Lange als Rosberg-Nachfolger gehandelt, fiel hier die Entscheidung gegen ihn, bei Force India gab man Esteban Ocon den Vorrang – Wehrlein muss liefern, sonst kann die Formel1-Karriere auch schneller wieder vorbei sein als man denkt. Er ist das große Fragezeichen - kann er jedoch seine letzten Rückschläge abschütteln, sind hier Überraschungen möglich.

Gegen den Schweden Marcus Ericsson muss sich aber auch der Mercedes-Nachwuchsmann erstmal durchsetzen. Der 26-Jährige geht in seine dritte Saison mit dem Rennstall – zu seinem Cockpit ist er auch dank Sponsorenmitgift gekommen, doch 2016 konnte er den stärker eingeschätzten Brasilianer Felipe Nasr ein ums andere Mal in Schach halten. Teamchefin Kaltenborn hält viel von Ericsson – der war bereits in der GP2-Nachwuchsserie gut unterwegs, ohne allerdings den ganz großen Durchbruch zu schaffen.

Sauber 1993

Vom Sportwagen bis hin zur Formel1 - von Hinwil aus auf die WM-Bühnen

1970 entschloss sich Peter Sauber zur Gründung eines eigenen Unternehmens. Bekannt wurde man im Motorsport vor allem durch die Einsätze auf der Langstrecke. Mit Mercedes-Motoren im Heck feierten die Sauber-Mercedes in der Sportwagen-Weltmeisterschaft viele Erfolge. Anfang der 90er setzte man hier auf die Mercedes-Junioren. Karl Wendlinger, Heinz-Harald Frentzen und ein gewisser Michael Schumacher gingen hier in ihre motorsportliche Lehre.

Nach dem Ende der großen Sportwagen stieg Peter Sauber 1993 in die Formel1 ein, wo man im Debütjahr einen beachtlichen 7. Rang in der Konstrukteurs-WM erreichte. In den Folgejahren war man immer wieder zum Wechsel der Motorenpartner gezwungen. Mercedes entschied sich für ein Engagement bei McLaren, danach kamen Aggregate von Ford und Ferrari zum Einsatz. 1995 war es Heinz-Harald Frentzen, der in Monza der Truppe den ersten Podestplatz brachte.

Der größte Umbruch kam zur Saison 2006, als BMW das Team übernahm und bis Ende 2009 als Werksteam antrat. Peter Sauber behielt als Berater im Hintergrund den Kontakt zur Königsklasse und übernahm nach dem Ausstieg des deutschen Herstellers für die Saison 2010 wieder seinen alten Rennstall.

2012 hätte Sergio Perez fast für den ersten Sauber-Rennsieg gesorgt, musste sich aber hinter Fernando Alonso in Malaysia dann doch mit dem zweiten Rang begnügen, dieses Kunststück gelang ihm nochmals in Italien, die beiden beste Resultate des Teams in der Formel1. 2017 will man im Mittelfeld wieder mitmischen, das wird allerdings nicht einfach werden.