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Sébastien Loeb – Rallye-Legende auf neuen Wegen

Der Franzose ist einer der letzten Allrounder im Motorsport

Es war ein weiterer Meilenstein in der Karriere des Sébastien Loeb. Das Debüt der aufstrebenden Rallycross-Weltmeisterschaft in Lettland sollte Schauplatz des ersten Triumphes des erfolgreichsten Rallye-Fahrers aller Zeiten sein.

Der mittlerweile 42-Jährige begab sich in diesem Jahr ein weiteres Mal in seiner Laufbahn auf neues und ungewohntes Terrain. Die Disziplin Rallycross - kurze und hart umkämpfte Rennen auf wechselndem Untergrund – erfordert eine ganz andere Herangehensweise als in den bisherigen Stationen des Franzosen.

Der Regen an diesem Wochenende in Lettland zeigte auf, wer das beste Gefühl für die Fahrzeuge auf Asphalt hat. Nach einer Eingewöhnungsphase kam Loeb in diesem Jahr immer besser in Schuss mit seinem Peugeot 208 WRX Supercar – sein neuer fahrbarer Untersatz leistet um die 600 PS und beschleunigt von 0 auf 100 km/h unter 2 Sekunden – damit liegen die Rallycross-Fahrzeuge sogar noch vor den Boliden der Formel1.

Für die immer engen Rennen der Rallycross-Weltmeisterschaft war sein Sieg im Finaldurchgang ungewohnt eindeutig. Damit hat Loeb wieder einmal eindrucksvoll bewiesen, dass er einer der ganz Großen im Motorsport ist, vor allem einer der letzten Allrounder, der überall schnell ist und über kurz oder lang an der Spitze mitfährt.

Rallye-Legende Super Séb

Der gebürtige Elsässer ist vielen vor allem aus der Rallye-Weltmeisterschaft bekannt, wo er eine Rekordmarke für die Ewigkeit gesetzt hat. 1999 debütierter er auf der WM-Bühne und mit seinem Beifahrer Daniel Elena. Das Duo wurde 2001 in den Status von Werkspiloten berufen, und zwar bei Citroën, die Marke und Loeb prägten jahrelang das Bild in der Rallye-Szene.

2004 war das erste Jahr einer schier unglaublichen Serie von WM-Titeln, die Loeb und der französische Hersteller nach Hause fuhren. Loeb galt bis dahin vor allem als Asphalt-Spezialist, drehte in diesem Jahr aber auch auf allen anderen losen Untergründen auf und ließ der Konkurrenz keine Chance. Er konnte u.a. als erster Nicht-Skandinavier die Rallye Schweden auf Schnee für sich entscheiden. Die Konkurrenz hatte keine wirkliche Chance gegen Loeb – dichtester Verfolger war ein gewisser Petter Solberg.

Der norwegische Dauerkonkurrent hatte in der Rallyeweltmeisterschaft ab 2004 immer das Nachsehen und feierte in diesem Jahr ein ganz besonderes Wiedersehen. Solberg ist amtierender Rallycross-Weltmeister und liegt in der aktuellen Gesamtwertung zwar nicht vorne, aber noch vor Loeb. Der wird mittelfristig die aus alten Tagen bekannte Hackordnung wieder herstellen wollen.

Nachdem 2004 der erste Triumph in der obersten Rallye-Liga erfolgte war die sich hier anschließende Serie einfach einmalig. Von 2005 bis zum Jahr 2012 hieß der Weltmeister wieder Sébastien Loeb. Insgesamt 9 WM-Titel, dazu 78 Rallye-WM-Siege und über 1600 WM-Punkte standen am Ende einer phänomenalen Laufbahn für den Franzosen zu Buche. In Sachen Bestmarken schrieb sich Loeb in der Rallye-Historie fest. Siege bei Wertungsprüfungen, Vorsprung auf die Verfolger, Loeb dominierte, was folgerichtig zum Spitznamen „Super Séb“ führte, den er auch in seiner Nach-Rallye-Zeit zementieren konnte.

Mit Highlights seiner Karriere bei Citroën könnte man Filmmaterial zu Genüge anschauen, die besten Szenen und Erfolge gibt es in diesem Video zu sehen:

Mit fast 900PS den Berg hoch – Pikes Peak

Nach seinen vielen Jahren in der Rallye-WM zog es Loeb dann auf die Rundstrecke. Erste Rennen im GT-Sport absolvierte er, dazu gründete er mit Sebastien Loeb Racing sein eigenes Team. 2013 war es aber auch wieder Zeit für einen neuen Rekord. Beim berühmten Bergrennen Pikes Peak in Amerika bewegte er einen speziell für dieses Rennen entwickelten Peugeot 208 T16, der unter der Haube schlappe 875 PS mitbrachte. Für Loeb war es der erste Auftritt am Berg und das gleich mit diesem brachialen Geschoss.

Was er dann ablieferte, war wieder einmal besonders. Mit 8:13,878 Minuten pulverisierte er alle Bestzeiten, die jemals an diesem Gipfel der Rocky Mountains aufgestellt wurden. Wieder eine Rekordmarke für die Ewigkeit, daher sollte man sich diese einmal in aller Ruhe anschauen:

Sein Erfolg gleich bei der Premiere zeigte wieder einmal die Ausnahmestellung des französischen Rennfahrers. Loeb hatte und hat auch nie ein Problem damit, sich neuen Herausforderungen zu stellen, also stand ab 2014 eine neue Station an.

Nach ersten Erfahrungen im GT-Sport verschlug es ihn endgültig auf die Rundstrecke. Mit bekannter Marke im Rücken trat er nun in der Tourenwagenweltmeisterschaft an. Mit dem Citroën C-Elysée dauerte es nicht lang, bis auch hier der erste Rennsieg folgte. Allerdings war die hausinterne Konkurrenz enorm. Mit den Tourenwagenspezialisten López und Muller hatte er zwei Piloten vor der Nase, die in ihrem Bereich alles abräumten. So musste sich Loeb in seinen zwei Tourenwagen-Jahren mit Gesamtrang 3 in der Weltmeisterschaft begnügen – trotzdem ist er bis heute eine der wenigen Fahrer, der hier in den verschiedensten Kategorien siegreich war. Für den Motorsport der Neuzeit sind die Piloten heutzutage Spezialisten in ihrer jeweiligen Rennserie, Allrounder wie es sie früher gab, sind selten geworden. Loeb hat hier ohne Zweifel eine Ausnahmestellung.

Abenteuer Dakar – Jenseits von befestigten Pisten

Doch seine Rallyegene sind natürlich nicht wegzudiskutieren, also war es 2016 Zeit für ein neues Abenteuer. Die Rallye Dakar, das Offroadabenteuer schlechthin, fehlte bis dato noch in der Vita des Franzosen. Mit einem wuchtigen Peugeot-Buggy ausgestattet fing auch eines der extremsten Motorsportevents einen guten Anfang für Loeb, der hier Anfang des Jahres bei den ersten zwei Etappen zwei Siege einfuhr. Teamkollege und Dakar-Rekordgewinner Stéphane Peterhansel brachte es auf den Punkt, als er nach seinem Kollegen befragt wurde: „Er ist der beste Pilot der Welt“.

Einzig der ungewohnte sandige Untergrund auf der achten Etappe der Dakar 2016 stellte dem Franzosen dann ein Bein. Er geriet in eine Senke und überschlug sich mehrfach. Loeb schleppte den waidwunden Buggy nach länger Pause aber noch ins Ziel. Der Traum vom Sieg war somit aber ausgeträumt – dennoch, nach Aufgeben war ihm nicht zu Mute – Gesamtrang 9 am Ende unter diesen Voraussetzungen war mehr als ordentlich. Auch hier konnte er sein Talent unter Beweis stellen, bei der Rückkehr ins Cockpit des von einem V6-Diesel mit 350 PS angetriebenen Peugeots will Loeb 2017 wieder angreifen.

Bis dahin stehen noch zwei Veranstaltungen der Rallycross-WM auf dem Programm. Loeb ist jetzt auch hier einer der Siegkandidaten und macht in der WM-Wertung als derzeit noch 5.-Platzierter Jagd auf den Konkurrenten aus alten Rallye-Tagen, Petter Solberg.

Nach seinem ersten Sieg im Regen von Lettland war Loeb natürlich überglücklich:“ Das fühlt sich wirklich sehr sehr großartig an. Ich bin sehr glücklich für mein Team und insbesondere für meinen Chefmechaniker, der aus Lettland kommt. Mein Ziel zu Beginn des Jahres war es in der Rallycross-WM zu gewinnen und ich habe immer gewusst, dass dies im ersten Jahr eine enorme Herausforderung darstellt. Während der letzten Events aber habe ich gefühlt, dass ich diesem Ziel näher komme und heute hat sich die harte Arbeit ausgezahlt. Ein großes Dankeschön an mein Team für die Unterstützung, sie haben wirklich tolle Arbeit mit dem Auto geleistet. Es ist immer schön zu einem Event mit solch einer guten Atmosphäre zu kommen, wo die Leute sich freuen, einen zu sehen.

Die Rallycross-Szene kann sich glücklich schätzen, den Franzosen in ihren Reihen zu haben. Sébastien Loeb ist einer der letzten Allrounder im internationalen Motorsport – seiner erster Sieg 2016 wird noch lange nicht sein letzter sein.