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Zeitreise - Stefan Bellof - Das tragische Ende einer Formel 1-Hoffnung

1985 verunglückte der schnelle Deutsche Rennfahrer in Spa tödlich

Der Formel 1 Grand Prix von Monaco 1984 war ein Rennen für die Ewigkeit. Im Regen von Monte Carlo schlug damals die große Stunde des legendären Ayrton Senna. Nur ein Rennabbruch sicherte Alain Prost damals den Sieg. Als Dritter ins Ziel kam jedoch ein gewisser Stefan Bellof.

Der im November 1957 in Gießen geborene Rennfahrer saß am Steuer eines Tyrrell-Ford. Der Bolide hatte einen Saugmotor und war gegenüber der Turbo-Konkurrenz chancenlos. Zumindest bis der Regen kam. Bellof startete den Großen Preis als Letzter im Feld, doch als das Fürstentum fast unter Wasser stand, schlug neben der Stunde Sennas auch die von Bellof.

Der gebürtige Gießener holte bei extrem schwierigen Bedingungen mächtig auf und machte Platz für Platz gut. Kurz vor Rennabbruch überholte er Rene Arnoux und kam als Dritter ins Ziel. Während der Senna-Show ganz vorne fiel zunächst kaum auf, dass Bellof am Ende schnellere Rundenzeiten als der Brasilianer ablieferte.

Es war seine Sternstunden in der Königsklasse, auch wenn das Tyrrell-Team am Ende des Jahres aufgrund technischer Unregelmäßigkeiten von der Weltmeisterschaft ausgeschlossen wurde und Bellof den dritten Rang im Nachgang verlor. Seine Leistung an diesem regnerischen Tag in Monte Carlo war jedenfalls weltmeisterlich. Das fiel auch Enzo Ferrari auf, der den Deutschen nun auf dem Schirm hatte. Doch zu einem Auftritt im Ferrari sollte es nie kommen.

Der Aufstieg Bellofs – Faszination Sportwagen

Die Karriere von Bellof begann Anfang der 70er Jahre klassisch im Kartsport, danach feierte er schnell Erfolge in der Formel Ford und der Formel Super V – 1981 wurde er dazu in der Deutschen Formel 3-Meisterschaft auf Anhieb Dritter. Nächster Halt in der Laufbahn war nun die hart umkämpfte Formel 2. Für den Rennstall Maurer gewann er auf Anhieb die ersten zwei Rennen der Saison 1982.

Spätestens jetzt war jedem Kenner der Szene der Name Bellof ein Begriff. 1983 klopfte daher Porsche an die Tür - die Sportprototypen der Gruppe C wurden jetzt seine Heimat, wo er brillierte, aber auch das jähe Ende seines Lebens fand.

Seine Runde mit dem Porsche 956 beim Zeittraining zum 1000 Kilometer-Rennen auf der Nürburgring Nordschleife bleibt bis heute unvergessen. Viele Rekorde in unterschiedlichen Kategorien und Streckenvarianten gibt es in der Eifel, doch nur eine „wahre“ Bestzeit. Es war der 28. Mai 1983, als Bellof mit einer Zeit von 6:11,13 Minuten eine Bestmarke für die Ewigkeit setzte. Jochen Maas als Zweitplatzierter lag bereits fünf Sekunden zurück.

Stefan Bellof war jedoch auch ein Draufgänger, begnadet schnell, aber manchmal ging es halt auch daneben. Im Rennen verunfallte er mit dem Sportwagen, kurz nachdem er einen neuen Rundenrekord aufgestellt hatte. Aus heutiger Sicht mit den Gruppe C-Boliden über die Nordschleife in diesem Tempo zu jagen, ist unvorstellbar.

Die Krönung seiner Sportwagen-Karriere bei Porsche folgte im Jahr 1984, als er nach seinem furiosen Monaco-Formel 1 Start parallel weiter in der WM unterwegs war. Der Gewinn der Weltmeisterschaft in diesem Jahr war eine Bestätigung seines außergewöhnlichen Talents.

Das jähe Ende – Tragödie in Spa 1985

Obwohl viele Formel 1-Teams um Bellof buhlten, blieb er dem Traditionsrennstall von Tyrrell treu. Da man 1985 auf einen Turbomotor von Renault wechselte, hatte er die Hoffnung, dass es hier vorwärts geht. Doch auch mit dem Wagen war kein gutes Ergebnis möglich – dafür sah die Zukunft des deutschen Talents mehr als rosig aus.

Um in der Formel 1 bei Tyrrell zu bleiben, beendete er die Zusammenarbeit mit dem Werksteam von Porsche in der Sportwagen-WM, bestritt aber sporadisch Rennen für das Porsche-Kunden-Team von Walter Brun. Trotz fehlender sportlicher Erfolge in der Königsklasse in dieser Saison gelingt ihm im Juli der Sprung nach oben - für die Saison 1986 unterschreibt er einen Vertrag bei Ferrari. Doch das Schicksal meinte es anders, als Bellof am 1. September im belgischen Spa-Francorchamps am Steuer seines Brun-Porsche Platz nahm.

Die deutsche Motorsportwelt stand noch unter dem Eindruck des tödlichen Unfalls von Manfred Winkelhock im August in Kanada, als das Rennen zur Sportwagen-WM gestartet wurde. In der 78. Runde dann die Tragödie, Bellof will vor der berühmten Eau Rouge-Kurve am Belgier Jackie Ickx vorbei, beide kollidieren und sein Porsche schleudert in die Leitplanken.

Bellof hat keine Chance – am Nachmittag teilen die Veranstalter mit, dass der sympathische Rennfahrer sein Leben verloren hat. Stefan Bellof wurde nur 27 Jahre alt – nicht wenige große Namen des Motorsports halten ihn bis heute für das größte Talent, was sie je gesehen haben. Was Bellof noch auf den Rennstrecken dieser Welt zu leisten im Stande gewesen wäre, blieb der Welt für immer verborgen.