Fire

Trophée Andros – Motorsport auf dem Eis

+++ Wo sonst Skifahren im Mittelpunkt steht, sind über den Jahreswechsel hinweg wahre Driftkünstler am Werk +++

Val Thorens, Alpe d’Huez oder Andorra - Orte, denen vor allem im Winter erhöhte Aufmerksamkeit zu Teil wird. Dann steht hier der alpine Skisport im Fokus. Doch auch eine ganz andere Sportart nutzt unter anderem diese Schauplätze für ein Spektakel der ganz anderen Art.

Die Rede ist von der Trophée Andros, einer französischen Rennserie, die schon seit Jahren eine ganz besondere Show abliefert.

Vollgas auf dem Eis – Der Wintermotorsport

Seit 1990 gibt es diese kleine, aber besondere Rennserie, die von Dezember bis Anfang Februar ausgetragen wird. Meist fährt man in bekannten Skigebieten in Frankreich auf speziell präparierten Eispisten.

Gegründet wurde das ganze Spektakel von einem ehemaligen französischen Rallycross-Meister und dem Inhaber der Firma Andros, die sich im Hauptgeschäft mit Marmelade beschäftigt. Das Duo arbeite schon seit Mitte der 80er Jahren an Plänen für die Eisrennserie und im Januar 1990 wurde erstmals ein Lauf ausgetragen.

Für den eisigen Untergrund vertraut man auf Autos, die mit Allrad daherkommen, damit man mit den Reifen überhaupt ein wenig Haftung bekommt, ist man hier natürlich mit Spikes unterwegs. Doch wer hier schnell sein will, der ist eh quer unterwegs. Die Kurse sind winkelig gestaltet und ähneln eher einem motorsportlichen Eiskanal anstatt eines klassischen Rundkurses.

Alain Prost im Opel Astra

Das Feld liegt dicht beisammen und ist fest in französischer Hand. In der Vergangenheit war es Tourenwagen-Ass Yvan Muller, der diese Rennen liebte. Insgesamt zehnmal konnte der Franzose die Winterserie als Gesamtsieger beenden, unterwegs war er dabei auf einem BMW 318i Compact oder auch einem Opel Tigra. 48 Rennen konnte er hier gewinnen, sein Landsmann Jean-Philippe Dayraut gelang das sogar bei 54 Gelegenheiten. Mit Alain Prost war auch ein ehemaliger Formel 1-Weltmeister hier sehr erfolgreich. Dreimal konnte er den Gesamtsieg holen, letztmalig in der Saison 2012/2013.

Immer mal wieder finden auch prominente Namen aus der Königsklasse den Weg aufs Eis. Olivier Panis, ehemaliger Monaco-Sieger in der F1, war letzte Saison noch selbst aktiv hinter dem Lenkrad und ist jetzt als Teamchef tätig. Aber auch Jacques Villeneuve oder der aktuelle Haas-Pilot Romain Grosjean gaben hier schon ein Gastspiel.

Neben den schnellen Allradlern werden zudem noch weitere Klassen für Motorräder und auch Elektroautos ausgefahren.

Enges Feld der Eisdrifter – Volle Attacke

Taktisches Fahren ist bei den kurzen Rennen auf dem Eis nicht angesagt, hier gilt nur das Motto: Volle Attacke. Gekämpft werden muss um jede Zehntelsekunde, das zeigte auch schon der Start in die Saison 2017/2018.

Als Favorit gilt der Meister der letzten beiden Jahre, der 30-jährige Jean-Baptiste Dubourg. Der Franzose konnte in der Vergangenheit seine Erfolge mit einem Renault Clio feiern und vertraut nun auf einen Renault Captur. Mit im Feld in diesem Jahr ist mit Ex-Audi-Werksfahrer Benoit Treluyer auch ein Sieger der 24 Stunden von Le Mans. Doch die Spezialisten unter den Eisdriftern, die schon über reichlich Erfahrung verfügen, sind nur sehr schwer zu schlagen. Mit im Top-Feld tummeln sich mit einem Peugeot 3008, einen Mazda 3 oder Audi A1 quattro auch noch zahlreiche andere Marken.

Für die besten Einblicke in solch ein Rennen im Eiskanal sorgte 2017 der Norweger Andreas Bakkerud. Der Pilot aus der Rallycross-Weltmeisterschaft ist ein wahrer Driftkünstler und fühlte sich auf dem Eis sofort wohl. Im Folgenden nimmer er uns mit auf einen kleinen Ausflug auf das (motorsportliche) Eis mit grandiosen Onboard-Aufnahmen:

Die Zukunft - Elektro-Rennen auf dem Eis?

Auch bei der Trophée Andros setzt man schon auf den Elektro-Antrieb. Künftig sollen Fahrzeuge mit Elektroantrieb gemeinsam mit den Wagen mit klassischen Verbrennungsmotoren an den Start gehen. Der E-Renner soll mit rund 120 PS und einem Topspeed-Wert von 160 km/h daherkommen. Um mit den Dreiliter-V6-Benzinern mithalten zu können, wird der E-Eisrenner gute 200 kg leichter sein und bekommt mehr Spikes pro Reifen zur Verfügung gestellt.

Als Zielsetzung will man bereits für den nächsten Winter 2018/2019 die Teams dazu verpflichten, neben dem bisherigen Fahrzeug auch einen Elektro-Fahrzeug einzusetzen. Der Show auf dem Eis wird das sicher keinen Abbruch tun.

Titelbild: ©Tropheé Andros – B. Bade