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Williams – die Suche nach alter Form im Jubiläumsjahr

Der Traditionsrennstall will zurück aufs Podium

Das Team von Williams F1 macht 2017 einen Sprung – erstmal jedoch nur in der Typenbezeichnung des neuen Boliden. Der FW40 folgt dem FW38 – Grund ist ein Jubiläum, man feiert 40-Jähriges in der Königsklasse. Doch die Zeit der großen Triumphe ist beim Traditionsrennstall vorbei.

Mittelpunkt auf dem Transfermarkt

Als Nico Rosberg seinen Rücktritt aus der Formel 1 Ende 2016 bekanntgab, rückte die britische Mannschaft plötzlich in den Fokus. Grund war der freie Platz im Mercedes-Cockpit. Am Ende ließ man den eigentlichen Nummer 1-Fahrer des Rennstalls, Valtteri Bottas, zu den Silbernen ziehen.

Dafür kam auf technischer Seite Verstärkung jenseits des Cockpits. Ex-Mercedes-Technikmann Paddy Lowe hat seine Arbeit nun bei den Briten aufgenommen und wird sicher eine Bereicherung sein. Er begann seine Karriere übrigens an gleicher Stelle als Ingenieur im Jahr 1987.

Der Jubiläumsbolide des Teams aus dem englischen Grove wirkt erneut solide und aufgeräumt, ohne jedoch mit Überraschungen aufzuwarten. Der Mercedes-Kundenmotor im Heck sollte den Briten sicher wieder zu Gute kommen, wie weit es nach vorne gehen kann, wird aber auch vom Fahrergespann abhängen.

Felipe Massa und Lance Stroll – Rückkehrer mit Motivation und kanadischer Youngster

Der 35-Jährige Brasilianer Felipe Massa hatte sich eigentlich schon Ende 2016 aus der Formel 1 verabschiedet. Die Zeit des sympathischen Fahrers in der Königsklasse schien vorbei, doch durch das Transfergerangel und den Abgang von Bottas brauchte Williams dringend jemanden mit ausreichend Erfahrung. Massa, der bei den Briten seit 2014 unterwegs war, erfüllte als einer der wenigen die Voraussetzungen und war die logische Wahl. Er ließ sich nicht zweimal bitten und geht 2017 nun doch wieder an den Start.

Seine Motivation scheint immer noch ungebrochen. Der Brasilianer, der 2008 um einen Punkt am Weltmeistertitel vorbeischrammte, möchte nochmal beweisen, dass er seinen Platz zurecht innehat. Nach seiner Beinahe-Weltmeisterschaft überstand er im Ferrari 2009 einen schlimmen Unfall in Ungarn und kehrte wieder in das Cockpit zurück. Doch seine Leistungen von 2008 konnte er seitdem nicht wiederholen, solide unterwegs ist er weiterhin. Ein Punktegarant, wenn der Williams FW40-Bolide rund läuft.

Ganz anders sieht die Sache beim erst 18-Jährigen Lance Stroll aus. Der Kanadier gibt sein Formel 1-Debüt und bekommt schon zu Beginn viel Gegenwind. Das hängt in erster Linie damit zusammen, dass sein Vater Lawrence ihm gewaltig unter die Arme gegriffen hat, um die Karriere bisher und den Platz in der Königsklasse zu finanzieren. Mit dem Ruf als Paydriver ist Stroll bereits jetzt in der Schusslinie der Medien. Abflüge bei den ersten Testfahrten waren da alles andere als hilfreich.

Lance Stroll

Doch man sollte einerseits sein junges Alter nicht vergessen und auch nicht die Meisterschaften, die er bereits gewinnen konnte. Erst drei volle Jahre im Formelsport stehen für Stroll zu Buche. 2014 gewann er im Monoposto-Sport die italienische Formel 4 und 2016 die Formel 3. Lance Stroll braucht noch Zeit, um Erfahrung zu sammeln, ob die Formel 1 ihm diese gibt, muss man allerdings in Frage stellen. Auf Massas Niveau wird er zu Beginn des Jahres kaum unterwegs sein können.

Die fetten Jahre sind vorbei – vergangene Erfolge von Williams F1

Frank Williams gründete den Rennstall bereits 1966. Gemeinsam mit Patrick Head machte man sich mit einer kleinen Truppe Richtung Formel 1 auf, in der man ab Ende der 70er Jahre teilnahm. Der britische Rennstall machte sich schnell auf den Weg nach oben. Bereits 1980 konnte man auf ganzer Linie triumphieren. Nicht nur der Sieg in der Fahrer-Weltmeisterschaft mit Alan Jones ging an die Mannschaft, man gewann auch deutlich die Konstrukteursmeisterschaft.

Seit Beginn der 80er Jahre gehörte man zu den absoluten Topteams. Gemeinsam mit Honda war man erfolgreich, gemeinsam mit Renault stieg man nach einem kleinen Tief wieder zur Nummer 1 auf. Anfang der 90er Jahre waren die Williams-Renault unantastbar. Nigel Mansell und Alain Prost holten die Titel der Jahre 1992 und 1993 frühzeitig nach England.

1992 nicht zu schlagen - Nigel Mansell

Nachdem sich Renault zurückzog, durchlief man wieder ein Formtief, das aber mit der Zusammenarbeit mit BMW endete. Hier gab es 2004 den letzten gemeinsamen Grand-Prix-Erfolg, ehe der bayerische Motorenbauer eigene Wege einschlug. Für Williams war es die letzte große Zusammenarbeit mit einem Hersteller. Es folgten Cosworth- und Toyota-Kundenmotoren, mit denen der alte Erfolg ausblieb, einzig der Überraschungs-Sieg von Pastor Maldonado 2012 war ein Ausreißer nach oben.

Seit 2014 ist man Kunde bei Mercedes, die Boliden sind immer noch gut für viele WM-Punkte, aber die großen Zeiten von damals sind bei Williams längst Geschichte. Für 2017 kann man einen harten Kampf um die Ränge vier und fünf bei den Konstrukteuren erwarten, hier wird der Traditionsrennstall sicher eine Rolle spielen.