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Eisbären beißen sich durch

Nach verkorkster Saison ziehen die Eisbären Berlin ins Playoff-Halbfinale der DEL ein

Diese Truppe ist nicht klein zu kriegen! Die Eisbären Berlin zogen ins Playoff-Halbfinale der Deutschen Eishockey Liga (DEL) ein. Im siebten und entscheidenden Viertelfinal-Spiel gewann der Rekordmeister bei den Adlern Mannheim mit 2:1. Den Siegtreffer in der Verlängerung erzielte Charles Linglet. „Das war in jedem Fall die verrückteste Play-off-Serie, die ich je gespielt habe. Beim Jubel nach dem Tor habe ich mir auch noch eine Schramme im Gesicht zugezogen“, sagte der Torschütze.

Nur fünf Auswärtssiege in 52 Spielen

Der Last-Minute-Sieg, der schmerzhafte Jubel und der überraschende Halbfinal-Einzug – das passt in die verrückte Saison der Eisbären. Anfang des Jahres schien für die Berliner, die letztmals 2013 Meister wurden, die Saison gelaufen. Nach schwachen Leistungen in der Hauptrunde rückten die Playoff-Plätze außer Reichweite. Die Negativ-Bilanz: In 52 Spielen gelangen nur 21 Siege – so wenig wie seit 21 Jahren nicht mehr. Zudem stellten die Eisbären die drittschwächsten Angriff (127 Tore) und waren mit nur fünf Auswärtssiegen das zweitschlechteste Team der Liga. Zeitgleich kündigten die amerikanischen Eigner der Berliner an, dass die Eisbären künftig sportlich und wirtschaftlich von NHL-Klub Los Angeles Kings geführt werden.

Ein Wunder, dass dem einstigen Ligaprimus unter diesen Bedingungen als Achter noch der Sprung in die Pre-Playoffs gelang. In der Quali-Runde zeigten die Eisbären ein anderes Gesicht und schalteten die Straubing Tigers mit zwei Siegen (3:1, 3:2 n.V.) aus. „Wir wissen, dass wir in der Hauptrunde nicht das gespielt haben, was wir wollten. Aber jetzt sind wir im Viertelfinale. Das hatten wir uns vor der Saison vorgenommen“, sagte Kapitän André Rankel.

Sieg nach dreifacher Verlängerung

Gegen die Adler Mannheim, den Zweiten der Hauptrunde, war die Mannschaft von Coach Uwe Krupp klarer Außenseiter. Eine Rolle, die den Eisbären zu schmecken schien. Die Berliner hielten von Beginn an dagegen, gewannen alle drei Heimspiele (6:3, 6:1, 4:3 n.V.) und erzielten damit in der Playoff-Serie „Best-of-seven“ den 3:3-Gleichstand. Knackpunkt war der dritte 4:3-Heimsieg, der erst nach dreimaliger Verlängerung und 101 Spielminuten unter Dach und Fach gebracht wurde. „Wir haben alles reingeworfen, in der Overtime sehr gut gespielt und verdient gewonnen“, sagte Siegtorschütze Marcel Noebels.

Auch im „Endspiel“ in Mannheim lieferten sich beide Traditionsklubs einen offenen Schlagabtausch. Dabei sorgte vor allem Berlins stark haltender Torhüter Petri Vehanen dafür, dass es mit dem 1:1 erneut in die Verlängerung ging. In der Overtime gelang schließlich Charles Linglet das goldene Tor für die Eisbären. „Das war eine Superserie und Werbung für das Eishockey“, sagte Berlins Trainer Krupp, der mit seinem Team erstmals nach vier Jahren wieder ein DEL-Halbfinale erreicht hat.

In der Runde der besten Vier wartet jetzt Vorrunden-Champion EHC Red Bull München. Gegen den amtierenden Meister um Ex-Eisbären-Coach Don Jackson hoffen die Berliner auf das nächste Eishockey-Wunder. Krupp: „Wir müssen uns jetzt erst mal ausruhen und wissen, dass auf uns ein sehr starker Gegner wartet.“ Im zweiten Halbfinale treffen die Nürnberg Ice Tigers auf die Grizzlys aus Wolfsburg.