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Froomes vierter Tour-Sieg mit Makel

Eddy Merckx kritisiert Tour-Sieg ohne Etappen-Erfolg

Gestern gewann der Brite Christopher Froome zum vierten Mal in seiner Karriere die Tour de France. Somit fehlt ihm nur noch ein Sieg, um zu den Rekordsiegern Anquetil, Hinault, Indurain und Merckx aufzuschließen. Doch sein diesjähriger Sieg hat einen kleinen Makel. Erst zum sechsten Mal bei der 104. Austragung gewann ein Fahrer das Gesamtklassement ohne einen einzigen Etappen-Sieg.

Kritik hierfür gab es vom besten Radrennfahrer aller Zeiten. Eddy Merckx bemängelte diese Tatsache und stellte auch klar, dass Froome selbst bei mehr als fünf Tour-Siegen nicht zu den größten seiner Zunft gehören wird, da er sich lediglich auf die Tour de France beschränkt. Dies ist Grund genug, den „Kannibalen“ einmal vorzustellen. Diesen Spitznamen erhielt der Belgier, weil er niemals einem Gegner den Sieg gönnte. So kam es, dass er in seiner aktiven Karriere 525 Straßen- und 98 Bahnradrennen gewann, mehr als jeder andere Radrennfahrer.

Bei seiner ersten Tour de France 1969 attackierte er bei der Königsetappe im Gelben Trikot und gewann am Tourmalet mit über sieben Minuten Vorsprung. Am Ende in Paris waren es sogar knapp 18 Minuten. Der heute 72-Jährige gewann darüber hinaus sieben Etappen und als bisher einziger Sportler das Grüne Trikot sowie die Bergwertung.

„Ära Merckx“ – mehr als nur Tour de France

Für Merckx besteht der Radsport aus weitaus mehr als nur der Tour de France. Seine Siege und Rekorde aufzuzählen ist ein nahezu unmögliches Unterfangen. Nicht ohne Grund wird die Zeit zwischen 1968 und 1975 als „Ära Merckx“ bezeichnet. Neben fünf Tour-Siegen (mit 34 Etappen-Siegen Rekordhalter) gewann der Belgier auch fünfmal den Giro d’Italia und ist somit auch bei dieser Rundfahrt Rekordsieger (mit Alfredo Binda und Fausto Coppi). Durch seinen Sieg bei der Vuelta de España gewann er als einer von nur sechs Radrennfahrern alle drei Grand Tours. Dazu ist Meckx dreifacher Straßenweltmeister, was ihm ebenfalls zum geteilten Rekordsieger macht.

Als einziger Sportler überhaupt konnte er des Weiteren alle „Monumente des Radsports“ mindestens zweimal gewinnen. Dies sind die bedeutendsten Eintagesrennen. Insgesamt gewann der dreifache Weltsportler des Jahres siebenmal Mailand-Sanremo, fünfmal Lüttich-Bastogne-Lüttich (jeweils Rekordsieger), dreimal Paris-Roubaix sowie jeweils zweimal die Lombardei-Rundfahrt und die Flandern-Rundfahrt. Im Video sieht man einige Auszüge einer einmaligen Karriere.

Mit Blick auf die Erfolge vom Froome kann man die Kritik von Merckx sicherlich verstehen. Dennoch ist ein Tour-de-France-Sieg ohne Etappen-Erfolg trotzdem eine sensationelle Leistung. Froome ist einfach ein extrem starker Klassement-Fahrer, der in allen „Einzel-Bereichen“ sehr gut, aber nirgends der Beste ist.