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Der Weltmeister, den keiner will

+++ Trotz eigentlich lebenslanger Sperre sammelt Gatlin weiter Medaillen +++

Am Samstag war in London alles angerichtet. Knapp 60.000 Fans hofften auf den Sieg ihres Heldens Usain Bolt, doch was dann passierte war für viele der Worst Case. Bolt lief lediglich auf Rang drei und auch die neue 100m-Hoffnung Christian Coleman konnte nicht gewinnen. Als Erster lief ausgerechnet der „Feind der Massen“ Justin Gatlin ins Ziel. Die Folge war ein lautes Pfeifkonzert.

Die Frage nach dem warum ist schnell beantwortet. Eigentlich hätte der 35-Jährige nämlich gar nicht mehr starten dürfen. 2006 wurde er nämlich zum zweiten Mal positiv auf Doping getestet, was eigentlich eine lebenslange Sperre nach sich gezogen hätte.

Bereits 2001 wurde Gatlin die Einnahme von Amphetaminen nachgewiesen. Da er glaubwürdig nachweisen konnte, dass ein Medikament gegen ein Aufmerksamkeitsdefizit Ursache war, wurde seine Sperre auf ein Jahr halbiert.

Beim zweiten positiven Test sagte der US-Amerikaner dann als Kronzeuge gegen seinen Trainer Trevor Graham aus. Der ehemalige Erfolgstrainer betreute auch die Superstars Cottrell J. Hunter und Marion Jones, die ebenfalls des Dopings überführt wurden.

Sinnbild des Betrugs

Gatlin deckte dabei Dopingpraktiken auf und die IAAF wandelte die lebenslange in eine achtjährige Sperre um. Durch weitere Prozesse konnte Gatlin diese halbieren. Bereits bei Olympia in London 2012 holte 35-Jährige wieder Bronze, in Rio war es Silber und nun krönte der Sprinter seine Karriere mit dem insgesamt dritten WM-Titel und den Sieg über Bolt.

Auch wenn es berechtigt ist, dass die Fans keine Sympathien für Betrüger wie Gatlin hegen, so liegt der Hauptfehler bei der IAAF. Durch solche Lücken nehmen nachweisliche Betrüger (hoffentlich) sauberen Sportlern Erfolge weg. Grundsätzlich hat Gatlin sein Startrecht verwehrt. Doch ihn alleine als Sinnbild für das Doping darzustellen, ist nicht richtig. Nach der nachträglichen Dopingsperre Nesta Carters sind nun immerhin neun der zehn schnellsten Männer in der Geschichte der Leichtathletik des Dopings überführt. Lediglich Usain Bolt ist unbelastet.

Letztendlich spiegelt sich in den Pfiffen gegen Gatlin die Wut auf die Dopingpraktiken in der Leichtathletik wieder, durch die Fans bewusst betrogen werden. Es bleibt nur zu hoffen, dass mit der neuen Generation um Coleman und Co. ein Wandel vollzogen wird.