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Gewollte Unerfahrenheit für 2016er-Effekt?

+++ Nationaltrainer Prokop sorgt mit Nominierungen für Riesen-Überraschung +++

Der deutsche Kader der Handball-EM sorgt für Überraschungen. Bundestrainer Christian Prokop verzichtet unter anderem auf die EM-Helden von vor zwei Jahren, Finn Lemke und Fabian Wiede. Statt Lemke und Wiede nimmt Prokop den Rückraumspieler Maximilian Janke und Bastian Roscheck (beide SC DHfK Leipzig) als vierten Kreisläufer mit. Beide feierten erst am Wochenende ihr Länderspiel-Debüt. "Es sieht schon irgendwie ein wenig komisch aus, dass Roscheck und Janke von seinem ehemaligen Verein Leipzig den Vorzug bekommen haben", sagte Deutschland Handball-Legende Daniel Stephan. Der frühere Weltklasse-Spielmacher Stephan holte 2004 mit dem deutschen Team EM-Gold und gewann im selben Jahr Olympia-Silber.

"Wenn diese Entscheidungen nicht zum erhofften Erfolg führen, kann das natürlich für ihn zum Bumerang werden", sagte Stephan: "Viele verstehen diese Kaderplanung nicht so ganz." Der frühere Welthandballer Daniel Stephan hält die Kader-Nominierung von Bundestrainer Christian Prokop für die bevorstehende EM in Kroatien (12. bis 28. Januar) für riskant.

Das ist der komplette Kader:

Tor: Silvio Heinevetter (Berlin), Andreas Wolff (Kiel)

Feld: Uwe Gensheimer (Paris Saint-Germain), Maximilian Janke (Leipzig), Julius Kühn (Melsungen), Paul Drux (Berlin), Steffen Fäth (Berlin), Philipp Weber (Leipzig), Kai Häfner (Hannover Burgdorf), Steffen Weinhold (Kiel), Patrick Groetzki (Rhein-Neckar Löwen), Tobias Reichmann (Melsungen), Jannik Kohlbacher (Wetzlar), Patrick Wiencek (Kiel), Hendrik Pekeler (Rhein-Neckar Löwen), Bastian Roschek (Leipzig)

"Der Druck wird damit nicht weniger, im Gegenteil. Aber wir sollten nun alle erstmal abwarten, wie die Leistungen und das Ergebnis bei der EM in Kroatien sind." Vor allem die Nicht-Berücksichtigung von Lemke sorgt für Verwunderung. Er war zuletzt ein wichtiger Bestandteil der DHB-Auswahl und der Stabilisator der deutschen Abwehr. Das Fehlen von Abwehrchef Lemke würde einige Spieler im EM-Kader "wahrscheinlich schocken, andere verunsichern".

Verbandsvize Bob Hanning verteidigte das Vorgehen Prokops. "Er hat sich für sein Spielsystem entschieden, was er mit der Mannschaft spielen will und hat sich danach den Kader ausgesucht", sagte Hanning und verwies auf die bis zu sechs Wechseloptionen im Laufe des Turniers: "Wer weiß, ob Finn Lemke im Traum-Halbfinale gegen eine der Top-Mannschaften wieder mit dabei ist."

Montenegro, Slowenien und Mazedonien gilt es zu bezwingen

Am kommenden Samstag hat die deutsche Mannschaft ihren ersten Auftritt bei der EM, die am Freitag mit dem Spiel Schweden gegen Island beginnen wird. Deutschland trifft in seinem ersten Duell auf Montenegro (17.15 Uhr). Am Montag und Mittwoch stehen gegen Slowenien und Mazedonien die weiteren Gruppenspiele auf dem Plan.

Die Spiele der deutschen Nationalmannschaft werden live im öffentlich-rechtlichen Fernsehen von ARD und ZDF (auch online im Live-Stream) übertragen. Sollte das DHB-Team frühzeitig ausscheiden, werden keine weiteren EM-Spiele übertragen. Die Partien ohne deutsche Beteiligung können Sie bei "Sportdeutschland.TV" und "Handball-Deutschland.TV" verfolgen.