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Gilles Muller – wie guter Wein

Mit 34 Jahren spielt der Luxemburger so gut wie nie zuvor

Guter Wein wird mit der Zeit bekanntlich immer besser. Ähnlich kann man die Karriere von Gilles Muller (aber "Müller" gesprochen) beschreiben. Der 34-Jährige spielt aktuell das wohl beste Tennis seiner Karriere und steht im Viertelfinale von Wimbledon. Dabei besiegte er den Spanier Rafael Nadal in einem epischen Match mit 15:13 im fünften Satz.

Für den Luxemburger bedeutet dies die Einstellung seiner bisherigen Grand-Slam-Bestleistung aus dem Jahr 2008 (US Open). Dabei wollte „Mulles“ seine Karriere eigentlich schon vor langer Zeit beenden. Im Jugendbereich gehörte Muller zu den größten Talenten seines Alters. Den Finaleinzug in das Jugendturnier von Wimbledon 2001 krönte er im selben Jahr mit dem Sieg bei den US Open und der Nummer eins der Junioren-Weltrangliste.

Nach diesen Erfolgen wechselte er zu den Profis und startete verheißungsvoll. Siege bei Future-Turnieren und das eine oder andere Ausrufezeichen auf der ATP-Tour brachten ihn 2005 bis auf Rang 59 der Weltrangliste, was die beste Platzierung eines Luxemburgers überhaupt bedeutete. Im Anschluss folgten neben dem Viertelfinale der US Open 2008 allerdings  auch viele Enttäuschungen.

Ermüdungsbruch im Ellenbogen bringt die Wende

Nach einer Karriere-Achterbahnfahrt erlitt der 34-Jährige Ende 2012 ein Ermüdungsbruch im Ellenbogen, wodurch er fast die komplette Saison 2013 verpasste. Im Folgejahr legte Muller allerdings ein sensationelles Comeback hin und gewann fünf Challenger Turniere binnen vier Monaten. Im Februar 2015 belegte er in der Folge mit Rang 34 seine bis dato beste Weltranglisten-Platzierung. Doch es kam noch besser. Nach zwei Finalniederlagen auf der Tour im letzten Jahr, gewann er im Januar in Sydney sein erstes ATP-Turnier (vorher insgesamt fünf Finalniederlagen).

Vor knapp einem Monat legte er mit dem Sieg ATP ’s-Hertogenbosch nochmals nach. Nun folgte der Viertelfinaleinzug in Wimbledon.
Dort wartet nun ausgerechnet der derzeit wohl beste Spieler der Welt. Der ein Jahr ältere Roger Federer ist auf dem besten Weg zu seinem achten Wimbledon Triumph. Somit ist Muller beim Duell mit dem Schweizer wieder nur Außenseiter. Doch selbst bei einer Niederlage, wird der 34-Jährige einen Platz in den Top-25 sicher haben - Tendenz steigend. Wer weiß wohin die Reise des Luxemburgers in Zukunft noch führt. Dass man auch mit 39 noch gutes Tennis spielen kann, beweist Tommy Haas in diesem Jahr zumindest ab und an. Den Sieg gegen Roger Federer in Stuttgart nimmt ihm keiner mehr.