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Reform spaltet den Handball

Was für international vertretene Topklubs ein Segen ist, macht vielen kleinen Vereinen zu schaffen

Die Mitgliederversammlung der Handball-Bundesliga hat am Donnerstag weitreichende Reformen beschlossen. Die Klubvertreter stimmten für die Zulassung des 15. und 16. Spielers in jeder Partie. Damit geht vor allem eine Forderung der Spitzenvereine nach jahrelangen Diskussion um die Belastung ihrer Leistungsträger in Erfüllung. Denn bislang waren nur 14 Spieler einsatzberechtigt. Nun können zwei U23-Spieler zusätzlich mit auf die Bank und im Spiel auch gesetzt werden. "Das ist ein Meilenstein", sagte Geschäftsführer Thorsten Storm vom deutschen Rekordmeister THW Kiel dem SID: "Vielen Dank an die Liga, die Solidarität funktioniert." Auch sein Amtskollege Dierk Schmäschke vom Vizemeister SG Flensburg-Handewitt sprach von einem "wichtigen Schritt, von dem alle Klubs profitieren können".

Deutlich diplomatischer reagierte Bob Hanning auf die Reform: "Das war der Wunsch der drei Champions-League-Klubs, dem die Liga Rechnung getragen hat", sagte der Geschäftsführer der Füchse Berlin und Vizepräsident des DHB: "Ich bin kein großer Freund der Entscheidung." Die Zukunft muss nun zeigen, ob die Reform die Liga wirklich voranbringt.

Bis zu 80 Spiele in einer Saison

Seit sechs Jahren wird der Antrag auf die zusätzlichen Spieler von Schmäschke und verschiedenen Mitstreitern immer wieder gestellt. Was in den europäischen Konkurrenzligen und der Königsklasse schon länger verbreitet ist, sollte seiner Meinung nach auch in Deutschland Einzug halten. Hauptargument war die Überlastung der Spitzenspieler, die künftig mehr Pausen erhalten könnten. Auf bis zu 80 Einsätze kommen Profis im Laufe einer Saison, die in Bundesliga, DHB-Pokal, Champions League und Nationalmannschaft im Einsatz sind. Die Verletzungsanfälligkeit ist dabei sehr hoch. Dennoch ist die nun verabschiedete Reform umstritten. Vor allem die kleineren Klubs hatten sich lange gewehrt, weil mit den vergrößerten Mannschaften höhere Kosten verbunden sein dürften. Zudem wird es vor allem für Zweitligisten wohl schwieriger werden, Nachwuchskräfte zu gewinnen, da in der Bundesliga dadurch quasi 36 neue Arbeitsplätze entstehen.

Bringt die Reform den internationalen Erfolg?

Die Vertreter der Champions-League-Teilnehmer betonten jedoch die Vorteile. "Die Belastung kann anders verteilt werden", sagte Storm: "Die Bundesliga profitiert auch davon, wenn ein Klub erfolgreich in Europa spielt, das sind die Zugpferde." Mit der Reform erhofft man sich wieder ein Stück mehr Chancengleichheit. In der vergangenen Saison schaffte erstmals kein Klub aus der eigentlich besten Handballliga Europas den Sprung in das seit 2010 stattfindende Final Four in Köln. Wohl mit ein Grund, warum die Reform nach sechs Jahren durchgesetzt wurde.

Neben dieser brisanten Entscheidung einigte sich die Versammlung auch auf eine neue Auf- und Abstiegsregelung. Nur noch die beiden letztplatzierten Vereine (statt bisher drei) steigen ab der kommenden Spielzeit aus der 1. Bundesliga ab. Das Handball-Unterhaus wird zudem ab der Saison 2019/20 von 20 auf 18 Teams reduziert. Um dass zu erreichen, steigen in den kommenden beiden Spielzeiten vier bzw. fünf Teams aus der zweiten Liga ab.