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Roscheck raus, Lemke rein

+++ Bundestrainer Prokop nominiert den Abwehrrecken für die Handball-EM nach +++ Slowenien legt nochmal Protest ein +++ Handball-EM 2024 kann in Deutschland stattfinden +++

Vor dem EM-Start gab es noch viel Kritik für die ein oder andere personelle Entscheidung von Bundestrainer Christian Prokop. Nun hat er reagiert und den heimlichen Anführer der "Bad Boys" beim EM-Sieg vor zwei Jahren, Finn Lemke, zurück ins Team geholt. Der 2,10 Meter große Defensivspezialist soll dem Abwehrverbund, der in den letzten Spielen noch nicht als Einheit agierte, mehr Sicherheit und Stabilität geben. Bastian Roscheck von DHfK Leipzig hingegen wurde nun aus dem Kader gestrichen, bleibt aber noch mindestens bis zum Spiel gegen Mazedonien (heute, 18:15 Uhr) in Kroatien.

Für Lemke kam die Nachricht zur Nachnominierung mitten in der Nacht, kurz nach dem Wintertrainingslager mit seinem Handball-Club MT Melsungen auf Fuerteventura. Über Wien ging es dann in die kroatische Hauptstadt Zagreb, wo nicht mehr viel Zeit für Training vor dem letzten Gruppenspiel gegen Mazedonien bleibt. Deutschland steht nach einem 32:19 Erfolg zum Auftakt gegen Montenegro und einem dramatischen 25:25 in letzter Sekunde gegen Slowenien bereits in der Hauptrunde.

Punkt noch nicht in trockenen Tüchern

Der Punktgewinn der deutschen Handball-Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft gegen Slowenien (25:25) ist immer noch nicht sicher. Der slowenische Verband hat am späten Dienstagabend wiederholt fristgerecht Widerspruch gegen die Ablehnung des Protestes eingelegt. "Wir nehmen dies zur Kenntnis und beraten über das weitere Vorgehen", sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning. Heute wird eine EHF-Kommission eine endgültige Entscheidung treffen.

Bei dem Protest ging es um die Frage, ob der Siebenmeter, der zum Ausgleichstor in letzter Sekunde für die deutsche Mannschaft durch Tobias Reichmann geführt hatte, rechtens war. Drei slowenische Spieler hatten zuvor den Anwurf für Deutschland durch Paul Drux verhindert. Streitpunkt war nicht die Entscheidung an sich, sondern ob der Ball von Drux vor oder nach der Schlusssirene die Hand verließ. Ein nachträglicher Videobeweis ist beim Handball aber nicht zulässig. Die Aufforderung an die Schiris durch EHF-Supervisor Peter Olsson könnte nicht erlaubt gewesen sein. Damit wäre nicht die strittige Frage, ob Paul Drux daran gehindert worden war, den Anwurf regelgerecht auszuführen, was Siebenmeter und Rot bedeutet hätte. Sondern einzig relevant wäre, ob die EHF die erste Entscheidung der Schiris (Abpfiff) als korrekt bewertet.

Mit mehr Emotionen zu besseren Leistungen

Die Entscheidung des Bundestrainers soll pro Lemke und keinesfalls contra Roscheck gefallen sein. Gelobt wurden neben Lemkes Präsenz vor allem seine Fähigkeit, das ganze Team zu motivieren und mitzuziehen, indem er Ballgewinne und Blocks emotional bejubelt. Hier sei Bastian Roscheck international noch zu unerfahren.

Zusammen mit den sensationellen Torhüterleistungen von Andreas Wolff und der Souveränität von Kreisläufer Hendrik Pekeler bildete Lemke das schier unbezwingbare Abwehrbollwerk vom Überraschungs-Triumph 2016 bei der EM in Polen. Dieses Trio ist nun wieder zusammen und will bereits beim Spiel gegen Mazedonien zeigen, warum mit den Bad Boys auch in diesem Jahr wieder zu rechnen ist.

Handball-EM 2024 kann in Deutschland stattfinden

EHF-Präsident Michael Wiederer hat sich für Deutschland als Ausrichter einer der kommenden Handball-Europameisterschaften ausgesprochen. Die Chancen dafür stünden "sehr gut. Deutschland ist mit Frankreich eine der Nationen, die eine EM auch mit 24 Teilnehmern aufgrund des Zuschauerinteresses und aufgrund der Hallensituation alleine ausrichten kann", sagte Wiederer in einem Interview der Handballwoche. Für den europäischen Handball wäre das "ohne Frage sehr interessant".

Der Deutsche Handballbund (DHB), der bislang noch nie eine Männer-EM ausgerichtet hat, hat sich um die EM 2024 beworben und konkurriert mit den gemeinsamen Kampagnen von Dänemark und der Schweiz sowie von Ungarn und der Slowakei. Die Entscheidung über die Ausrichtung der EM 2022 und 2024 fällt beim Kongress der Europäischen Handball-Föderation EHF am 18. Juni im schottischen Glasgow.

"Wenn die Europameisterschaft 2024 gut organisiert und ein wirtschaftlicher Erfolg werden soll, dann sind wir die Richtigen", sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning kürzlich der Funke-Mediengruppe und zeigte sich auch offen für einen Auftakt auf großer Bühne: "Ich könnte mir vorstellen, dass das Eröffnungsspiel in der Düsseldorfer Fußball-Arena stattfindet."