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Trainer-Chaos im Norden

Mit dem VfL Wolfsburg entlässt auch der dritte Nord-Klub der Bundesliga seinen Trainer

Die aktuelle Bundesliga-Saison ist gerade einmal sieben Spieltage alt, doch gestern gab es bereits die dritte Trainerentlassung dieser Spielzeit. Besonders auffällig hierbei ist, dass mit Hamburg, Bremen und Wolfsburg gleich alle drei Nordklubs ihre Trainer entlassen haben.

Den Anfang machte dabei Werder Bremen, die Viktor Skripnik bereits am 18. September entließen. Zu dem Zeitpunkt waren die Bremer mit drei Niederlagen auf Platz 18 der Tabelle und im DFB Pokal auch bereits ausgeschieden. Die Trennung kam trotzdem durchaus überraschend, da die Bremer in der Trainerfrage in der Regel einen langen Atem hatten.

Anders ist dies beim Nord-Rivalen aus Hamburg. Der HSV, bei dem sich Anspruch und Wirklichkeit Jahr für Jahr weiter von einander zu entfernen scheinen, steckt wieder in der Krise. Zwei Wochen nach Bremen zog auch Hamburg die „Reißleine“. Bruno Labbadia, der den Verein sensationell vor dem historischen Abstieg bewahrte, hatte ausgedient. Nach Investitionen in Höhe von knapp 33 Millionen Euro im Sommer, träumte man in Hamburg wieder von internationalem Fußball und gab dem Trainer Schuld an der Misere. Doch auch unter Nachfolger Gisdol, der Nummer 15 in den letzten acht Jahren, läuft es noch nicht besser und der HSV steht aktuell auf Platz 17 der Tabelle.

Wolfsburg auf der Suche nach Konstanz

Sowohl Bremen als auch Hamburg wollen an glorreiche vergangene Zeiten anknüpfen. Doch während Bremen seine Kaderstruktur auf die sportliche Situation angepasst hat, haben die Hamburger noch immer einen extrem hohen Etat. Defizite werden dabei immer wieder durch Fan-Milliardär Kühne ausgeglichen. Anders sieht es in Wolfsburg aus.

Der VW-Klub muss sich keine Sorgen um die finanziellen Rahmenbedingungen machen, schafft es trotzdem nicht dauerhaft erfolgreich zu spielen. Der Sensations-Meisterschaft unter Felix Magath 2009 folgten bisher wechselhafte Ergebnisse. Im Januar 2013 holte Klaus Allofs dann Dieter Hecking. Unter seiner Leitung und mit einem überragenden Kevin De Bruyne wurden die Wölfe 2015 Vizemeister und Pokalsieger. Doch nachdem der Belgier kurz vor Beginn der letzten Saison verkauft wurde, sucht Wolfsburg nach seiner Form und einem geeignetem Ersatz. Einem enttäuschenden achten Platz in der letzten Spielzeit folgte nun ein enttäuschender Start. Gestern wurde Hecking nun beurlaubt und Wolfsburg ist auf der Suche nach einem neuen Trainer. Es wird immer wahrscheinlicher, dass in diesem Jahr einer der Nordclubs runter muss. Kann der Norden kein Bundesliga-Fußball mehr?

Autor: Michael Knüppel
Bildquelle: GettyImages