Water

Die gefährlichsten Wellen der Welt - Teil 1: Hawaii

+++ Jaws, Pipeline und Waimea. Die berühmten Wellen aus der Geburtstätte des Surfens +++

Es war 1975 als die drei Surfer John Roberson, John Lemus und John Potterick vor der Nordküste Mauis die plötzlichen Veränderungen der Wellen beobachten, wie sie zu Monsterwellen heranwuchsen. Sie fanden diese Entwicklungen so unvorhersehbar und beängstigend, dass sie die große Welle vor Peʻahi auf den Namen „Jaws“ nach dem gleichnamigen Film (Der weiße Hai) tauften. Doch im Gegensatz zu dem unwahrscheinlichen Fall jemals ernsthaft von einem Hai angegriffen zu werden, ist die Gefahr von der Welle verschlungen zu werden real und nicht zu unterschätzen. Während der Big Wave Season zwischen Dezember und März können die Wellen 20 bis 25 Meter bei Geschwindigkeiten von bis zu 50 km/h erreichen.

Doch dieses Naturereignis tritt nur selten auf. Die Pro-Surfer warten auf den Moment an dem die Prognosen Dünungswellen um 5 Meter auf dem offenen Meer mit einem Abstand von etwa 17 Sekunden vorhersagen. Erst diese Bedingungen, gepaart mit einem leicht ablandigen Wind, lassen die Monsterwellen entstehen. Doch nicht nur die Wellen selber, die die Surfer bis zu 15 Meter unter Wasser drücken können, sind gefährlich. Selbst der Weg zu ihnen ist beschwerlich. Statt eines feinen Sandstrandes sind nur große schwarze Felsen zu finden, die es zunächst zu überwinden gilt, bevor man sich mit vollem Körpereinsatz durch das turbulente Weißwasser kämpfen muss.

Bis Anfang der 1990er Jahre galt der Spot daher für Surfer als unzugänglich und nicht surfbar. Doch Laird Hamilton und Dave Kalama entwickelten an diesem Reefbreak das tow-in-Surfen, bei dem die Surfer von einem Jet Ski oder Helikopter in die Welle gezogen werden. Dies gilt als eine der bahnbrechendsten Erfindungen des Surfens, denn nun konnten Wellen von über neun Metern bezwungen werden – und somit endlich auch Jaws. Erst 2001 schaffte es der Südafrikaner Chris Bertish als erster Jaws aus eigener Kraft anzupaddeln. Im Januar 2016 ritt Aaron Gold dort die wahrscheinlich bisher größte paddle-in-Welle der Welt, mit über 22 Metern Höhe. Auch der legendäre Red Bull Jaws Contest bei dem jährlich die 21 besten Big Wave Surfer gegeneinander antreten können, findet vor Peʻahi statt

Vom Geheimtipp zum Massen-Surfspot: Banzai Pipeline

Nur knapp einen Meter unter der Wasseroberfläche befindet sich das große flache Riff, welches eine der berühmtesten und gefährlichsten Wellen der Welt brechen lässt. Es besteht aus Lava-Gestein und befindet sich direkt vor dem Banzai Beach an Oʻahus North Shore. An keinem anderen Surfspot sind so viele Surfer und Fotografen verletzt oder getötet worden.

1961 filmte Produzent Bruce Brown den Surfer Phil Edwards an diesem Ort und benannte den Reefbreak nach der großen Rohrleitung die damals neben dem Strandabschnitt gebaut wurde. Banzai Pipeline war geboren. Seit jeher gilt diese Welle als die Königin unter den Wellen. Sie ist zwar im Durchschnitt nur etwa drei Meter hoch, dafür aber herrlich rund, dick und so ausgehöhlt, dass die Königdizsiplin – das Tube-Surfen – hier möglich ist. Kein Wunder also, dass seit 1970 hier jährlich die Billabong Pipeline Masters ausgetragen werden. 45 Pro-Surfer treten dann gegeneinander an. Der bekannteste von ihnen und auch einer der erfolgreichsten Surfer aller Zeiten ist Kelly Slater. Allein das Pipemasters gewann er siebenmal.

„Bei Pipeline ist alles weiß, wenn du unter Wasser bist, bei Sunset Beach ist es grau. Waimea ist schwarz.“

Während in den Sommermonaten das Wasser in der Waimea Bay ruhig und glasklar ist, treffen in den Wintermonaten bis zu 18 Meter hohe Wellen auf den nördlichen Teil der Bucht. Es war der 7. November 1957 als sich die ersten Surfer in diese Riesenwellen trauten. Damit war das Big Wave Surfen geboren und die Waimea Bay sollte für viele Jahrzehnte das Zentrum dieses Sportes sein. Erst mit der Einführung des tow-in-Surfens trat die Bucht in den Hintergrund, da nun weitaus größere Wellen bezwungen werden konnten, als die Surfwelt bis dahin zu träumen wagte. Trotzdem ist und bleibt Waimea eines der Surf-Mekkas weltweit. So verwundert es auch nicht, dass das älteste und prestigeträchtigste Event des Big Wave Surfens hier veranstaltet wird: Das Quiksilver Big Wave Invitational in Gedenken an Eddie Aikau, der als erster Rettungsschwimmer der North Shore zwischen 1968 und 1978 über 500 Menschenleben rettete.

Die kräftige Winterdünung trifft dort etwa 100 Meter vor der Küste auf ein knochiges Riff aus Lava-Gestein, das den Wellenberg in Windeseile steil ansteigen lässt und so zum berühmten Waimea Airdrop führt. Dies vollzieht sich während die Welle über eine Vielzahl von Furchen und Felsen, gepaart mit einer starken Strömung die hunderte von Tonnen bewegt, hinweg rollt. Die Welle bekommt so ihr typisch ungleichmäßiges und wildes Erscheinungsbild. Doch auch Menschenleben forderte die Waimea Bay bereits. Der Pro-Surfer und Boardshaper Dennis Pang sagte einst über die Waimea-Wipeouts: „Bei Pipeline ist alles weiß, wenn du unter Wasser bist, bei Sunset Beach ist es grau. Waimea ist schwarz.“