Water

Die gefährlichsten Wellen der Welt - Teil 5: The Roaring Fourties

+++ Von türkisblau und gläsern zu dunkel und eiskalt - Dungeons und Teahupo'o vereinen Nervenkitzel und die Roaring Fourties +++

The Roaring Fourties bedeutet soviel wie tosende Vierziger und meint den vierzigsten Breitengrad der südlichen Hemisphäre, an dem kraftvolle Winterstürme von Tahiti bis Südafrika für große Wellen sorgen. Vor Kapstadts Küste ist dadurch eine der uncharmantesten Wellen der Welt zu finden. Eiskaltes Wasser strömt aus der Antarktis Richtung Festland und trifft dort auf große zerfurchte Riffe. 1984 trauten sich Pierre de Villiers und Peter Button als erstes auf Südafrikas berühmtesten Big Wave Spot. Erst später bekam die Welle ihren Namen, nachdem ein Einheimischer von zwei aufeinanderfolgenden 7 Meter hohen Wellen unter Wasser gedrückt wurde. Er fühlte sich wie tief unterm Horizont gefangen und gab der Welle daraufhin den Namen Dungeons (dt. Kerker). Zu dieser Zeit mussten die Surfer die 1,6 Kilometer durch den langen und finsteren Channel noch selber paddeln, um den Reefbreak zu erreichen. Inzwischen ist zumindest dieser Part wesentlich einfacher und wird auf Booten und Jet Skis zurückgelegt. Das Surfen ist aber noch immer so gefährlich wie eh und je, wenn sich das eiskalte Wasser in Dungeons bis zu 14 Meter auftürmt, einen fast vertikalen Drop fordert, nur um dann mit rasanter Geschwindigkeit 300 Meter lang auf die Küste zuzurauschen. Allerdings nur sofern die Welle vorher nicht unvorhersehbar zusammenstürzt und den wagemutigen Surfer unter sich begräbt. Zudem gibt es viele kleine Felsinseln in diesem Gewässer, die andere Wellen ablenken, wodurch es zur Überlagerung kommt und große Wellen förmlich aus dem Nichts auftauchen.

Im Zusammenhang mit Dungeons hört man auch immer wieder von der Gefahr, auf große weiße Haie zu treffen, da sich der Spot in der Nähe der berühmten „Seal Island“ befindet. Das ist eine Insel auf der viele Seebären leben, die bekannter Weise ganz oben auf der Speisekarte von Haien stehen. Doch auch wenn der ein oder andere weiße Hai gelegentlich näher kommen muss, um den Unterschied zwischen Seebär und Mensch eindeutig feststellen zu können, haben die Surfer auch weiterhin nur die Welle zu fürchten. Diese dafür aber nicht zu knapp.

Teahupoʻo: Die Welle die (fast) zu schön ist, um wahr zu sein

Mitten im Paradis, vor der Küste Französisch Polynesiens, ist die heftigste Welle der Welt zu finden. Teahupoʻo, kurz Cho-po oder Chopes, ist die gläserne Perfektion einer Welle, bei dessen atemberaubender Schönheit man schon mal vergessen kann, wie groß die Gefahr hier ist. Das extrem flache und lebendige Korallenriff, an der die Welle bricht, befindet sich an einigen Stellen gerade einmal 50 cm unter der Wasseroberfläche. Bricht die Welle, die mit viel Kraft aus dem offenen Ozean tausende Kilometer ungehindert rollen konnte plötzlich an dem flachen Riff, erreicht sie unter günstigen Bedingungen bis zu sieben Meter. Vor lauter Kraft saugt sie dann extrem viel Wasser aus dem vor ihr liegenden Korallenriff. So viel, dass sie die einzige Welle der Welt ist, die unterhalb des Meeresspiegels bricht, weshalb sie auch gerne als „die tiefste Welle der Welt“ bezeichnet wird. Das Fehlen eines Kontinentalschelfs, an dem Wellen normalerweise schon etwas ihrer Kraft abgeben, sorgt dafür, dass die Welle zu viel Energie in sich trägt, um stabil zu werden. Dadurch erhält sie ihre unverwechselbare Form, mit einer Lip, die meist genauso dick wie hoch ist, nur um dann halbrund und unglaublich abrupt zu brechen.

Schafft der Surfer den Drop, gilt es schnell genug zu sein, um nicht von der gewaltigen Lip der Welle niedergeschlagen zu werden. Denn nicht nur der Sturz auf das messerscharfe Korallenriff, dessen Verletzungen zu allem Überfluss auch noch zu schlimmen Infektionen führen können, hat es in sich. Im schlimmsten Fall wird man gleich von der nächsten Welle wieder zurückgezogen und erneut auf das Riff geschmettert. Bereits fünf Leben hat diese Welle gefordert, obwohl sie erst seit knapp 18 Jahren regelmäßig gesurft wird. Auch ansonsten gehören Verletzungen vor Teahupo‘o zur Tagesordnung, weshalb sie zur „heaviest wave in the world“ erklärt wurde. Trotz allem zieht es regelmäßig das Non-Plus-Ultra der besten und fittesten Surfer an den Spot, dessen Name soviel wie „Wand der Schädel“ bedeutet. Seit 1999 wird hier jährlich das Billabong Pro Teahupoo ausgetragen, dessen erfolgreichster Teilnehmer kein geringerer als Kelly Slater ist. Seit 1999 konnte er den härtesten Big Wave Contest der Welt bereits fünfmal gewinnen.