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Volleyball on Ice

+++ Das ist wie Glühwein im Sommer, aber irgendwie doch mit mehr Potenzial +++

Beachvolleyball ist die Sommersportart schlechthin. Spätestens seit dem Olympiasieg von Laura Ludwig und Kira Walkenhorst hat die besondere Variante des Volleyballs eine noch größere Beliebtheit in Deutschland. Doch dabei ist die Sportart so alt, wie ihr Pendant aus der Halle, wenn nicht gar älter. Da jeder Sport mit der Zeit gehen muss, um ihre Spieler und Fans bei Laune zu halten, entstehen oft sehr kuriose Sportarten oder Ausläufer dessen. So nun auch beim Volleyball als Wintervariante: Snowvolleyball. Klingt unglaublich, ist es irgendwie auch, aber der Sport boomt und wird wohl bald sogar olympisch.

Wintermonate mit Beachvolleyball-freier Zeit füllen

Snowvolleyball funktioniert prinzipiell nach den gleichen Regeln wie die Sommervariante. Es wird nur anders gezählt: Drei Gewinnsätze bis elf sind derzeit die Regel. Und wer denkt, dass diese Variante des Sports nur einer kurzfristigen Modeerscheinung gleichkommt, irrt gewaltig. Die Anfänge des Sports im Schnee soll bis in die zwanziger Jahre zurück reichen, doch allein die Begeisterung zur Massenausrichtung fehlte bis vor Kurzem.

Jetzt ist das weiße Beachvolleyball in aller Munde. Bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang fand auch die Präsentation an offizieller Stelle statt. Vor dem Haus der Österreicher wurde gehechtet und gebaggert, die ARD brachte sogar einen kleinen Einspieler. Das Ziel des Volleyball-Weltverbandes (FIVB) ist Olympia 2026, denn da soll Snowvolleyball olympisch werden. Damit wäre Volleyball die erste Sportart, in der Athleten zu Sommer- und Winterspielen antreten.

Vom 23. bis 25. März veranstaltet der europäische Volleyball-Verband die erste Europameisterschaft in Wagrain (Österreich). Mit dabei die 17 Länder, die bereits in Europa nationale Ausscheidungen eingeführt haben. Gefolgt von einer baldigen Einrichtung einer Weltmeisterschaft und einer internationalen Rangliste. "Ich bin ziemlich sicher, dass Snowvolleyball als Sport explodieren wird, weil es so anders ist und für viele Länder eine Menge neue Möglichkeiten kreiert", sagte FIVB-Präsident Ary Graca.

Baggern, proben, Pritschen, tüfteln

So, wie alles was am Anfang steht, sind viele Entwicklungen notwendig, um den Sport bestmöglich bestreiten zu können. Ob die Spielerinnen Handschuhe tragen oder nicht, wird noch getüftelt. Auch die Vorteile und Nachteile von Mütze oder Stirnband sind noch nicht klar. Knieschoner oder sogar Ellenbogenschoner sind auch vorstellbar. Österreich ist dabei Vorreiter und auch die europäische Geburtsstätte des Snowvolleyballs. Der Salzburger Eventmanager Martin Kaswurm hat schon 2008 angefangen, den Sport zu professionalisieren.

Möglichkeiten für Deutschland sind riesig

Deutschland wird auch im Snowvolleyball eine entscheidende Rolle spielen. Die Spitze des Beachvolleyballs wird entlastet, da dieses „Ventil Snowvolleyball“ viele Spieler und Spielerinnen eine weitere Möglichkeit geben wird, auf höchster Ebene ihren Sport zu betreiben und nicht in der zweiten Riege steckenzubleiben. Hinter den Topteams warten eben viele talentierte Beachvolleyballer, die aber nicht international spielen können, weil sie an den gesetzten Spitzenteams  nicht vorbeikommen.

Doch da Snowvolleyball noch nicht olympisch ist, ist auch die Finanzierung kompliziert, da es zurzeit für den DOSB quasi nicht relevant ist. Bis ein Fördertopf entstehen kann, kann es noch bis zu sieben Jahre dauern. Daher versuchen sich die Organisatoren derzeit an Kooperationen mit anderen Schneesportarten. So soll der neue Sport bald im Programm des Biathlon, Skispringen oder BigAir stattfinden. Man wolle auch auf den ökologischen Fußabdruck achten, auch und gerade weil viele Wintersportarten mit der globalen Erderwärmung zu kämpfen haben. Mögliche deutsche Austragungsorte sollen womöglich im kommenden Winter schon Oberwiesenthal, Winterberg, Braunlage und Oberstdorf sein.

Auch Beachvolleyball wurde anfangs als „Funsport“ betitelt. Und jetzt ist der Sport der meistgeschaute in Deutschland, denn bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro war das Beachvolleyballfinale von Laura Ludwig und Kira Walkenhorst mit 8,5 Millionen Zuschauern das meistgesehene deutsche TV-Ereignis.