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Das wurde aus dem ersten Gewinner der Fritz-Walter-Medaille

Er ließ sogar Manuel Neuer hinter sich

Schaut man sich die 1. Fußball-Bundesliga und auch die Nationalmannschaft mal genauer an, stellt man schnell fest, dass die Spieler durchweg sehr sehr jung sind. So nimmt mal die Durchschnittsalter der Nationalmannschaft von 1996 und 2016 liegen die Durchschnittalter bei 28,4 und 25,4. Klar, die 96er-Elf wurde Europameister, doch ein Großteil der 2016er-Mannschaft hat 2014, noch zwei Jahre jünger, den WM-Titel geholt. Damit war die deutsche Nationalmannschaft die jüngste Weltmeistermannschaft aller Zeiten.

Der Jugendwahn begann Anfang der 2000er-Jahre nachdem Deutschland zwei Mal peinlich in de EM-Vorrunden 2000 und 2004 ausschied. Mit Jürgen Klinsmann und Jogi Löw kam der Umbruch nach der EM 2004. Der Jugend wurde eine höhere Aufmerksamkeit zu Teil. Das spiegelte sich früh, schon bei den Debüts von Schweinsteiger und Podolski im Jahre 2004 wieder. Ab 2005 wurde dann die Fritz-Walter-Medaille vergeben. Diese Ehrung erhielten die besten Nachwuchsspieler ihrer Altersklassen. Kaum jemand kann sich an die ersten drei Gewinner erinnern. Das liegt auch daran, das alle drei keine große Karriere hingelegt haben. Da wären z.B. der erste U17-Gewinner Sergej Evljuskin vom VfL Wolfsburg und der erste U18-Gewinner Marc-Andre Kruska von Borussia Dortmund.

Eingefleischte Fußballfans werden diese beiden Namen trotzdem etwas sagen. Nach vier Jahren Borussia Dortmund tingelte Kruska noch in den unteren Ligen herum. Seine Zeit beim FC Energie Cottbus wird den meisten wohl im Gedächtnis sein. Danach spielte er noch für den FSV Frankfurt und aktuell für den SC Paderborn, dem ehemaligen Bundesligist der aktuell um den Verbleib in Liga Drei kämpft. Noch eine Liga drunter ist Evljuskin aktiv. Beim VfL Wolfsburg kam er nie über Einsätze in der Reserve hinaus und wechselte als hoffnungsvolles Talent zum FC Hansa Rostock in die zweite Liga. Doch auch da ohne Fortune machte er wieder einen Schritt zurück und findet sich nach Stationen in Goslar und Babelsberg nun bei Hessen Kassel in der Regionalliga Südwest wieder.

Dem damaligen U19-Sieger der Fritz-Walter-Medaille sagen wohl nur eingefleischten Jugendbeobachtern des FC Bayern München oder Union Berlin etwas. Florian Müller war es. Er ließ dabei sogar den heutigen Nationaltorwart Manuel Neuer hinter sich und ist bis heute der einzige Gewinner dieser Auszeichnung, der danach nicht ein einziges Bundesligaspiel absolviert hat. Im Jahr der Auszeichnung wechselte er von der Spree an die Isar. Mit ihm Gepäck: jede Menge Druck. Er war eigentlich auf dem besten Weg zum Profi doch fehlerhafte Absprache, anders erhoffte Trainings- und Einsatzzeiten und ein für ihn nicht so passender Hermann Gerland (ja der Hermann Gerland) zu der Zeit, haben eine große Karriere jäh blockiert. „Zur falschen Zeit beim falschen Verein“, so fasste Müller seine Bayern-Jahre zusammen.

Nach zwei sportlich enttäuschenden Jahren der Wechsel zum FC Magdeburg. Viel Vertrauen vom Trainer, jede Menge Spielzeit und so stand die Tür zum Profifußball wieder offen. Alemannia Aachen klopfte an. In Aachen dann der Schock und das Ende aller Fußballträume. Beim Spiel gegen seinen Heimatverein Union die Horrorverletzung: Kreuzbandriss, Innenbandanriss und Meniskusriss. Aufgegeben hat Müller jedoch nicht. Schließlich war es ja „nur“ ein halbes Jahr. Ein Jahr später dann der endgültige Schlag ins Genick. Wieder Kreuzbandriss. Doch im Gegensatz zum ersten Mal, lief die Reha nun nicht so gut, wie vorher. Nach 18 Monaten Reha konnte er sein Knie immer noch nicht komplett belasten.

Nach einem weiteren halben Jahr Qualen und einem kleinen Neuanfang in Liga Drei bei Alemannia Aachen musste Florian Müller musste er 2013 seine Schuhe endgültig an den Nageln hängen. Sein Ehrgeiz und sein Anspruch an sich selbst haben ein Weitermachen unmöglich gemacht. Nach dem Karriereende musste der gebürtige Eisenhüttenstädter erstmal raus. Mit seiner Freundin zog er um die Welt. Elf Monate mit dem Rucksack los und die Welt erforscht. Die Reise war ihm eine gute Ablenkung, weil man andere Leute kennenlernte und tolle Erfahrungen machte, aber immer wenn ein Internetzugang zu greifen war, checkte er Ergebnisse und Torschützen seiner Teams. Wenn man mit sechs Jahren anfängt und nichts anderes macht, als Fußball zu spielen, ist es eben schwer, komplett den Cut zu schaffen. So geht es wohl auch jedem Freizeitkicker.

Seit April 2015 studiert der jetzt 29-Jährige BWL in Berlin. Ein Jahr zuvor wurde er sogar Vater. Das neue Leben lässt ihn bald sein altes vergessen.

Hier alle Sieger seit Einführung:

2005:

  • U19 – Florian Müller
  • U18 - Marc-André Kruska
  • U17 – Sergej Evljuskin

2006:

  • U19 – Kevin-Prince Boateng
  • U18 – Sergej Evljuskin
  • U17 – Lars Bender

2007:

  • U19 – Benedikt Höwedes
  • U18 – Marko Marin
  • U17 – Patrick Funk

2008:

  • U19 – Dennis Diekmeier
  • U18 – Toni Kroos
  • U17 – Manuel Gulde

2009:

  • U19 – Lewis Holtby
  • U18 – Marco Terrazzino
  • U17 – Mario Götze

2010:

  • U19 – Peniel Mlapa
  • U18 – Mario Götze
  • U17 – Timo Horn

2011:

  • U19 – Marc-André ter Stegen
  • U18 – Julian Draxler
  • U17 – Emre Can

2012:

  • U19 – Antonio Rüdiger
  • U18 – Matthias Ginter
  • U17 – Leon Goretzka

2013:

  • U19 – Matthias Ginter
  • U18 – Kevin Akpoguma
  • U17 – Timo Werner

2014:

  • U19 – Niklas Stark
  • U18 – Julian Brandt
  • U17 – Benedikt Gimber

2015:

  • U19 – Jonathan Tah
  • U17 – Felix Passlack

2016:

  • U19 – Benjamin Henrichs
  • U17 – Gian-Luca Itter

Seit 2015 wurde die Kategorie U18 gestrichen.