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Die „jungen Wilden“ des deutschen Radsports

Pascal Ackermann, Maximilian Schachmann und Nils Politt fahren in die Weltspitze

Als Pascal Ackermann auf der 5. Etappe des Giro d’Italia hauchdünn zum Tagessieg sprintete, kannte sein Jubel keine Grenzen. Der 25-Jährige umarmte im Zielbereich von Terracina seine Teamkollegen und ließ sich im Blitzlicht-Gewitter der Fotografen feiern.

„Der ganze Tag war wegen des Regens und der Kälte irgendwie unheimlich. Man konnte teilweise kaum etwas sehen. Zum Glück ist nichts passiert. Ich bin einfach sehr glücklich, hier gewonnen zu haben“, sagte Ackermann nach seinem fünften Saisonsieg dem TV-Sender Eurosport.
Pascal Ackermann
Pascal Ackermann

Für den Sprinter vom deutschen Team Bora-hansgrohe war es bereits der zweite Etappenerfolg bei der diesjährigen Italien-Rundfahrt. Der letzte Deutsche, der zwei Giro-Etappen bei einer Ausgabe gewann, war 2016 Marcel Kittel. Zudem verteidigte er das Rote Trikot des besten Sprinters. „Es ist unglaublich, dass ich es weiter tragen darf“, sagte Ackermann, mit dem nach und nach eine neue Generation von deutschen Top-Fahrern heranwächst.

Klassiker-Spezialist reif für die Tour de France

Neben dem Deutschen Meister fährt auch sein Teamkollege Maximilian Schachmann in diesem Jahr in die Weltspitze vor. Der Berliner feierte bei der Baskenland-Rundfahrt drei Etappenerfolge, darunter im Zeitfahren. Zuvor hatte der Allrounder bereits ein Teilstück der Katalonien-Rundfahrt gewonnen. Und auch bei den berühmten Frühjahrs-Klassikern in Belgien und den Niederlanden fuhr der 25-Jährige vorne mit. Beim Radklassiker Lüttich-Bastogne-Lüttich belegte Schachmann Platz drei, beim Amstel Gold Race und dem Fleche Wallonne kam er jeweils als starker Fünfter ins Ziel. „Ich habe eine super konstante Klassikersaison gezeigt“, freute sich der Aufsteiger.

Maximilian Schachmann
Maximilian Schachmann

Selbst einen Start bei der Tour de France schließt Schachmann, der sich im Team von Weltmeister Peter Sagan und dem Kletterspezialisten Emanuel Buchmann noch hinten anstellen muss, nicht mehr aus. „Ich trainiere jetzt mit der Gewissheit, dass ich biologisch die Möglichkeit habe, in der Weltspitze mitzufahren. Ob ich der Siegfahrer der Zukunft sein werde, kann ich noch nicht beantworten“, sagte Schachmann, der zuletzt bei der Kalifornien-Rundfahrt sogar um den Gesamtsieg mitfuhr, der Deutschen Presseagentur.

Der dritte „junge Wilde“ im Kreise der deutschen Fahrer ist Nils Politt (25) vom Team Katusha Alpecin. Der Kölner sprintete beim legendären Tagesrennen Paris-Roubaix sensationell auf Platz zwei und sagte: „Wir haben in Deutschland momentan viele superstarke, junge Fahrer, die auch Ergebnisse einfahren können. Irgendwann findet halt ein Generationswechsel statt.“

Nils Politt
Nils Politt (vorne)

Comeback der Deutschland-Tour

Zählt man die etablierten André Greipel (Team Arkea Samsic), Marcel Kittel (Katusha-Alpecin), John Degenkolb (Trek-Segafredo) und Tony Martin (Jumbo-Visma) hinzu, ergibt sich im deutschen Radsport eine nie dagewesene Bandbreite von internationalen Top-Fahrern. Trotzdem ist man hierzulande noch weit von einem Radsport-Boom früherer Zeiten entfernt. Immerhin, die wiederbelebte Deutschland-Tour stieß 2018 auf großes Interesse und sollte auch in diesem Jahr (29. August bis 1. September) den Radsport ein Stück weit nach vorn bringen.